Serienkritiken

Mad Men 7.14: „Person to Person”

Lesestand

Don Draper sitzt im Schneidersitz auf einer Wiese über dem Pazifik, zwischen Hippies, die Augen geschlossen, und summt „Om". Eine Glocke klingt. Dann lächelt er, ganz leicht. Schnitt: Ein Hügel voller junger Menschen aus aller Welt, die gemeinsam singen, sie würden der Welt gern eine Cola kaufen. Der berühmte Coca-Cola-Werbespot von 1971. Ende der Serie.

Über dieses Ende wird bis heute gestritten. Hat Don auf dem Hügel seinen Frieden gefunden, oder hat er gerade die Idee für den größten Werbespot seines Lebens, geht zurück zu McCann und verkauft die Erleuchtung der Hippies als Limonade? Ich glaube, beides stimmt, und genau das ist der Punkt. Don ist ein Mensch, der Gefühle in Werbung verwandelt, das war immer seine Gabe und sein Fluch. Und die Serie traut sich, ihn nicht zu bekehren. Er findet einen Moment echter Ruhe, und aus diesem Moment macht er ein Produkt. Ich halte das für das klügste mögliche Ende: ehrlich, ein bisschen zynisch und trotzdem nicht hoffnungslos.

Der Weg dorthin ist lang. Don rast mit einem Rennwagen über die Salzwüste in Utah, ruft Sally an und erfährt von Bettys Krebs. Er will nach Hause, will die Kinder zu sich nehmen. Betty sagt Nein. Die Kinder sollen zu ihrem Bruder, sie bräuchten Normalität, und Don sei nie da gewesen. Sie hat recht, und Don weiß es. Danach fährt er nach Kalifornien zu Stephanie, Annas Nichte, die ihr Baby bei den Großeltern gelassen hat. Sie nimmt ihn mit in ein spirituelles Zentrum an der Küste, eine Art Selbstfindungsretreat. In der Gruppentherapie wird Stephanie hart angegangen, weil sie ihr Kind verlassen hat, und sie haut ab. Don bleibt allein zurück, ohne Auto, ohne Plan.

Dann ruft er Peggy an, und es ist eines der erschütterndsten Telefonate der Serie. Peggy bittet ihn, nach Hause zu kommen, McCann würde ihn zurücknehmen. Don sagt ihr, er habe alle seine Gelübde gebrochen, sein Kind in Verruf gebracht, den Namen eines anderen Mannes angenommen und nichts daraus gemacht. Er ruft nur an, um ihre Stimme zu hören. Peggy hört, dass er am Ende ist, und kann nichts tun. Dann legt er auf.

Und dann kommt die Szene, die für mich die eigentliche Krönung der Serie ist. In der Gruppentherapie erzählt ein unscheinbarer Mann namens Leonard von einem Traum: Er liegt in einem Kühlschrank auf einem Regal. Ab und zu geht die Tür auf, das Licht geht an, Leute schauen hinein, und sie nehmen ihn nie. Niemand sieht ihn, nicht seine Frau, nicht seine Kinder, nicht seine Kollegen. Er weiß nicht einmal, was er vermisst. Und Don, der Mann, den alle immer sehen, steht auf, geht durch den Raum, kniet sich vor diesen Fremden und umarmt ihn. Beide weinen. Don sieht in Leonard sich selbst: einen Mann, den niemand wirklich kennt. Der Unterschied ist nur, dass Don gut aussieht. Jon Hamm spielt diese Umarmung so, dass sie alles enthält, was die Serie über Don je erzählt hat.

Die anderen bekommen ihre Enden in einer Montage, und fast alle sind schön. Pete fliegt mit Trudy und Tammy im Learjet nach Wichita. Roger heiratet Marie, sie sitzen in einem Café in Paris, und er vermacht einen Teil seines Erbes Kevin, Joans Sohn. Joan gründet mit dem Geld von McCann ihre eigene Filmproduktionsfirma, Holloway Harris, mit ihrem Mädchen- und ihrem Ehenamen. Sie bietet Peggy an, ihre Partnerin zu werden, und Peggy lehnt ab. Richard, der Mann, mit dem Joan ihr Leben teilen wollte, verlässt sie, weil sie arbeiten will. Joan wählt die Arbeit. Ein konsequentes, selbstbewusstes Ende für eine Figur, die die Serie sieben Jahre lang gedemütigt hat.

Peggy bekommt das romantischste Ende. Nach Dons Anruf telefoniert sie mit Stan, sie hatten vorher gestritten, und am Telefon sagt Stan ihr plötzlich, dass er sie liebt. Peggy redet zuerst weiter, verwirrt, und merkt dann mitten im Satz, dass sie ihn auch liebt. Stan rennt zu ihr ins Büro, und sie küssen sich. Ehrlich gesagt ist das die schwächste Szene des Finales, sie wirkt wie aus einer romantischen Komödie und ist etwas zu schnell. Aber Peggy hat sich das verdient, und ich gönne es ihr.

Und Sally kommt aus dem Internat nach Hause, um sich um ihre Brüder zu kümmern. Im letzten Bild von ihr steht sie an der Spüle und wäscht ab, während Betty am Küchentisch raucht und liest. Sally ist erwachsen geworden, schneller als ihr lieb sein kann. Die Kinder der Serie bezahlen den Preis für die Fehler ihrer Eltern.

Meine Einschätzung: Ein großes, mutiges Serienende. Leonards Kühlschrank-Monolog und Dons Umarmung sind für mich der emotionale Höhepunkt der ganzen Serie. Dons Anruf bei Peggy ist erschütternd. Das Cola-Ende ist mehrdeutig und gerade deswegen richtig. Fast alle Figuren bekommen ein Ende, das zu ihnen passt. Einziger Abzug für die Liebeserklärung zwischen Peggy und Stan, die zu glatt ausfällt.

Wertung (Claude): 9,5/10