Mad Men 7.13: „The Milk and Honey Route”
Betty Francis steigt die Treppe der Universität hinauf, mit ihren Büchern unter dem Arm, auf dem Weg zu ihrer Psychologievorlesung. Langsam, Stufe für Stufe. Sie hat gerade erfahren, dass sie Lungenkrebs hat, im Endstadium, gestreut in die Knochen, und dass sie nur noch Monate zu leben hat. Sie hat beschlossen, sich nicht behandeln zu lassen. Und sie geht trotzdem zur Vorlesung. Das ist das Bild, das man aus dieser Folge mitnimmt, und es ist die würdigste Szene, die January Jones in acht Jahren bekommen hat.
Bettys Diagnose kommt wie ein Schlag. Sie bricht auf der Treppe der Universität zusammen, man bringt sie ins Krankenhaus, und der Arzt bespricht die Lage mit Henry, als wäre sie gar nicht im Raum. Ein letztes Mal behandelt die Welt Betty wie ein Kind. Henry will kämpfen, will Spezialisten, eine Behandlung. Betty lehnt ab. Die Behandlung würde ihr vielleicht ein Jahr verschaffen, und sie sagt, es sei ein Geschenk, zu wissen, wann man aufhören muss. Betty, die ein Leben lang nichts selbst entscheiden durfte, entscheidet über ihren Tod.
Henry hält sich nicht an ihren Wunsch und erzählt Sally davon. Er bricht in Sallys Zimmer im Internat zusammen, weint wie ein Kind, und Sally muss ihn trösten. Dann gibt Betty Sally einen Brief, der erst nach ihrem Tod geöffnet werden soll. Sally liest ihn sofort. Betty schreibt darin, wie sie beerdigt werden will, welches Kleid, welche Frisur. Und sie schreibt ihrer Tochter, sie habe sich immer Sorgen um sie gemacht, weil Sally ihren eigenen Kopf habe, aber jetzt wisse sie, dass das gut ist. Ihr Leben werde ein Abenteuer. Sally weint über diesem Brief, und mit ihr weint man. Betty war eine schlechte Mutter, und hier findet sie ganz am Ende die richtigen Worte.
Don ist derweil weit weg. Sein Auto bleibt in einem Kaff in Oklahoma liegen, und er wartet in einem Motel auf ein Ersatzteil. Er liest alte Taschenbücher, schwimmt im Pool, und ein junger Bursche namens Andy, der im Motel putzt, verkauft ihm überteuerten Schnaps. Der Motelbesitzer lädt Don zu einem Abend bei den Kriegsveteranen ein, einer Spendensammlung für einen Mann, dessen Küche abgebrannt ist. Die Männer trinken und erzählen Kriegsgeschichten, und dann sagt Don etwas, das er noch nie jemandem gesagt hat: Er habe in Korea seinen Vorgesetzten getötet. Die Männer verstehen ihn, sie haben alle so etwas erlebt, und am Ende singen sie zusammen.
Am nächsten Morgen brechen die Veteranen in sein Zimmer ein und schlagen ihn mit einem Telefonbuch zusammen. Aus der Spendenkasse fehlen fünfhundert Dollar, und sie verdächtigen den Fremden. Don weiß, wer es war: Andy. Er stellt den Jungen zur Rede, nimmt ihm das Geld ab und gibt es zurück. Und dann sieht er in Andy jemanden, den er kennt. Einen Jungen aus armen Verhältnissen, der lügt und stiehlt, um wegzukommen, und der vielleicht einmal einen neuen Namen annehmen wird. Don erklärt ihm, dass er sein Leben ruinieren wird, wenn er so weitermacht. Dann lässt er sich von Andy zur Bushaltestelle fahren, und an der Haltestelle schenkt er ihm seinen Cadillac. Er solle ihn nicht vergeuden. Andy fährt davon, und Don sitzt auf einer Bank am Rand einer staubigen Landstraße, mit einer Tüte in der Hand, und lächelt. Er hat nichts mehr. Er ist frei.
Und Pete bekommt sein Happy End, durch einen unerwarteten Helfer. Duck Phillips, inzwischen ein trinkender Headhunter, braucht einen Kandidaten für eine Stelle beim Flugzeughersteller Learjet und schiebt Pete vor. Pete lehnt erst ab, geht dann aber hin, und Learjet macht ihm ein riesiges Angebot. Er fährt mitten in der Nacht zu Trudy und bittet sie, mit ihm nach Wichita zu ziehen und ihn wieder zu heiraten. Er wolle überall mit ihr hingehen. Trudy sagt ja. Pete Campbell, der unerträglichste Mann der ersten Staffel, bekommt eine zweite Chance, und man gönnt sie ihm.
Meine Einschätzung: Eine der traurigsten und schönsten Folgen der Serie. Bettys Diagnose und ihr Brief an Sally geben ihrer Figur am Ende die Würde, die die Serie ihr lange verweigert hat. Dons Zeit im Motel, sein Geständnis bei den Veteranen und das Geschenk an Andy erzählen, wie er sich endgültig von Don Draper löst. Petes Rückkehr zu Trudy ist eine unerwartet herzliche Wendung. Kleiner Abzug, weil der Don-Strang in Oklahoma etwas zu sehr nach Gleichnis riecht.
Wertung (Claude): 9/10