Mad Men 7.12: „Lost Horizon”
Peggy Olson betritt das Gebäude von McCann Erickson. Sie trägt eine Sonnenbrille, eine Zigarette im Mundwinkel und unter dem Arm ein Bild von einem Tintenfisch, der eine nackte Frau umschlingt, das berüchtigte japanische Erotikbild aus Bert Coopers Büro. Sie geht den Flur entlang, als gehöre er ihr. Es ist eine der ikonischsten Einstellungen der Serie, und sie ist schlicht großartig. Peggy ist die Einzige, die als Siegerin in die neue Welt geht.
Davor verbringt sie eine letzte Nacht in den alten, leeren Büros von Sterling Cooper. Ihr eigenes Büro bei McCann ist noch nicht fertig, also arbeitet sie allein zwischen Kartons. Und dort ist nur noch Roger, der ebenfalls nicht loslassen kann. Er spielt auf einer alten Orgel, die irgendwo herumsteht. Die beiden trinken Wermut, den einzigen Alkohol, der noch übrig ist, reden über die Zukunft, und Peggy sagt, das sei das meiste Interesse, das Roger ihr in all den Jahren entgegengebracht habe. Roger schenkt ihr das Tintenfischbild. Und dann fährt Peggy auf Rollschuhen durch das leere Büro, während Roger Orgel spielt. Eine verrückte, wunderschöne Abschiedsszene für eine Agentur, die zehn Jahre lang das Zuhause dieser Menschen war.
Joan hat dagegen eine Folge, die einen wütend macht. Bei McCann wird sie mit einem Kollegen zusammengesetzt, der nicht mit einer Frau arbeiten will und ihren Avon-Kunden verärgert. Joan bittet Ferg Donnelly um Hilfe, und Ferg übernimmt das Konto selbst, nimmt ihre Hand und macht klar, was er als Gegenleistung erwartet. Joan geht zu Jim Hobart. Hobart sagt ihr, sie habe hier keine Stellung. Joan droht mit Anwälten, mit der Bürgerrechtsorganisation ACLU, mit Betty Friedan und der Frauenbewegung. Hobart bietet ihr an, ihre Anteile für die Hälfte ihres Wertes zu kaufen, wenn sie verschwindet. Roger rät ihr, das Geld zu nehmen. Joan weint, packt das Foto ihres Sohnes und ihre Kartei ein und geht, mit halb so viel Geld, wie ihr zusteht. Christina Hendricks spielt diese Niederlage mit einer Würde, die einem das Herz bricht. Joan hat ihren Partneranteil mit ihrem Körper bezahlt, und jetzt nimmt man ihr die Hälfte davon wieder weg, weil sie sich wehrt.
Don erlebt die McCann-Welt ganz anders. Jim Hobart nennt ihn seinen weißen Wal, er habe zehn Jahre darauf gewartet, ihn zu fangen. Don sitzt in einem riesigen Konferenzraum mit Dutzenden Kreativen, die alle aussehen wie er, und ein Marktforscher beschreibt den typischen Miller-Bier-Trinker. Don schaut aus dem Fenster und sieht ein Flugzeug am Empire State Building vorbeifliegen. Dann steht er auf und geht. Nur Ted bemerkt es.
Don fährt los, ohne Plan. Er will Sally besuchen, aber sie ist schon weg. Bei Betty sieht er, dass sie studiert, und eine Weile sind die beiden fast freundlich zueinander. Dann fährt er nach Racine in Wisconsin, um Diana zu finden. Unterwegs sitzt der tote Bert Cooper auf dem Beifahrersitz und sagt ihm, das sei keine gute Idee. Don gibt sich bei Dianas Exmann als Gewinnspielvertreter aus, aber der durchschaut ihn sofort und sagt nur: Glauben Sie, Sie seien der Erste, der nach ihr sucht? Don fährt weiter, nimmt einen Anhalter mit, der nach St. Paul will, und fährt immer weiter nach Westen. Wohin, weiß er selbst nicht.
Meine Einschätzung: Eine herausragende Folge über drei Menschen und drei Arten, mit dem Ende umzugehen. Peggy mit Sonnenbrille und Tintenfisch ist das beste Bild der letzten Staffel, Roger an der Orgel ein wunderbarer Abschied. Joans erzwungener Rückzug ist eine wütend machende, sehr wichtige Geschichte. Dons Flucht nach Westen beginnt das Finale der Serie mit dem richtigen Gefühl: Er ist ein Mann, der nicht mehr in sein eigenes Leben passt. Nur die Diana-Spur verdient diese Aufmerksamkeit nicht ganz.
Wertung (Claude): 9,5/10