Serienkritiken

Mad Men 7.11: „Time & Life”

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Das ist die Folge, in der Sterling Cooper stirbt. Ein Brief kommt, Roger hält ihn für eine Mietmahnung, aber es ist etwas anderes: McCann Erickson hat den Mietvertrag der Agentur gekündigt, weil sie alle in ihr eigenes Gebäude holen wollen. Die Agentur wird nicht übernommen, sie wird geschluckt. Sie hört auf zu existieren. Und die Partner sitzen in Dons Büro und begreifen, dass sie mit ihren Vierjahresverträgen und Wettbewerbsklauseln nicht einmal kündigen können.

Was dann folgt, ist ein letztes Aufbäumen, und es ist fast komisch in seiner Verzweiflung. Don hat einen Plan: Das Büro in Los Angeles steht leer, seit Lou Avery nach Tokio gegangen ist, wo ein japanisches Studio seinen Comic „Scout’s Honor" verfilmt. Lou, der schlechteste Kreativdirektor der Serie, wird in Japan als Künstler gefeiert. Herrlich. Don will die Kunden, die mit McCanns Kunden in Konflikt stehen, nach Kalifornien mitnehmen und dort als Sterling Cooper West weitermachen. Pete holt einen Abführmittel-Hersteller, Burger Chef und Sunkist sind dabei. Die Partner stellen den Plan Jim Hobart vor, dem Chef von McCann. Und Hobart lacht sie aus. Er bietet ihnen stattdessen Coca-Cola an, Buick, American Express, die größten Kunden der Welt. Hört auf zu kämpfen, sagt er, ihr habt gewonnen. Für die Partner ist das der schlimmste Satz, den man ihnen sagen kann. Sie haben gewonnen, und alles, was sie aufgebaut haben, ist weg.

Danach trinken sie zusammen in einer Bar, und die Stimmung ist wie bei einer Beerdigung. Roger verabschiedet sich zu Marie, Megans Mutter, und küsst Don zum Abschied auf die Wange. Ein ungewöhnlich zärtlicher Moment zwischen zwei Männern, die sich seit Jahrzehnten kennen.

Am nächsten Tag versammeln die Partner die Mitarbeiter, um ihnen die Nachricht zu überbringen. Don will eine Rede halten, wie er es so oft getan hat. Er sagt, das sei der Anfang von etwas, nicht das Ende. Aber niemand hört zu. Die Leute murmeln, protestieren, gehen. Don redet, und seine Stimme geht im Lärm unter. Zum ersten Mal in der Serie funktioniert sein Zauber nicht mehr. Das ist ein großartiges, schmerzhaftes Bild für das Ende einer Ära.

Der berührendste Moment der Folge gehört aber Peggy und Stan. Bei einem Kinder-Casting ist Peggy unwohl, und Stan zieht sie damit auf, dass sie Kinder hasst. Später, in seinem Büro, kommen sie darauf zurück. Stan sagt, sie könnte ihre Karriere nicht haben, wenn sie eine Familie hätte. Und Peggy erzählt ihm, unter Tränen, dass sie ein Baby bekommen und weggegeben hat. Sie weiß nicht, wo das Kind ist, und sie sagt, das Nichtwissen sei notwendig, damit sie weiterleben kann. Das Geheimnis aus Staffel 1, das nur Don und Pete kannten, spricht sie zum ersten Mal selbst aus, gegenüber einem Freund, der einfach zuhört. Elisabeth Moss spielt das ohne jede Sentimentalität, und es ist einer ihrer stärksten Momente.

Pete hat eine Nebengeschichte, die in ihrer Absurdität fast an alte Zeiten erinnert. Trudy bittet ihn um Hilfe, weil ihre Tochter Tammy an einer Eliteschule in Greenwich abgelehnt wurde. Der Schulleiter erklärt ihnen, die Familie Campbell und seine eigene lägen seit Jahrhunderten im Streit, wegen einer uralten Familienfehde. Pete schlägt ihm ins Gesicht. Danach sitzen Pete und Trudy zusammen, lachen, und man spürt, dass zwischen ihnen noch etwas ist.

Und Don sucht noch einmal Diana, die Kellnerin, und findet nur fremde Leute in ihrer Wohnung, die nicht wissen, wo sie ist. Ein weiterer Mensch, der aus seinem Leben verschwunden ist.

Meine Einschätzung: Eine der besten Folgen der letzten Staffel, und für mich die eigentliche Abschiedsfolge von Sterling Cooper. Hobarts „Ihr habt gewonnen" und Dons Rede, die im Lärm untergeht, gehören zu den stärksten Momenten der Serie. Peggys Geständnis gegenüber Stan ist zutiefst menschlich. Petes Faustschlag ist ein schöner Gag. Einzig Diana bleibt ein unnötiger Faden.

Wertung (Claude): 9/10