Serienkritiken

Mad Men 7.10: „The Forecast”

Lesestand

Roger bittet Don um einen Text über die Zukunft der Agentur, eine Vision für eine Rede. Ein einfacher Auftrag. Und Don, der Mann, der jahrzehntelang Menschen erklärt hat, was sie sich wünschen sollen, kriegt keinen Satz aufs Papier. Er fragt alle, was sie sich für die Zukunft wünschen. Peggy sagt es ihm ganz klar: Sie will die erste Kreativdirektorin der Agentur werden, sie will etwas schaffen, das bleibt. Don macht sich darüber lustig, und Peggy geht wütend hinaus. Aber man merkt, dass er sie beneidet. Sie weiß, was sie will. Er weiß es nicht mehr.

Das passt zu seiner Wohnung. Don verkauft das Penthouse, in dem er mit Megan gelebt hat, und die Maklerin weckt ihn morgens, um es Interessenten zu zeigen. Im Wohnzimmer stehen nur noch Gartenmöbel. Die Maklerin sagt ihm ins Gesicht, die Wohnung rieche nach Versagen, Kaufinteressenten würden sich fragen, was hier schiefgelaufen ist. Am Ende verkauft sie sie, und Don steht im Flur, während die neuen Besitzer unterschreiben, ein Mann ohne Zuhause.

Mathis, der junge Texter, versaut zweimal einen Kundentermin und gibt Don die Schuld, weil er dessen Rat befolgt hat. Dann schreit er Don an, er habe gar keinen Charakter, er sei einfach nur gutaussehend. Don feuert ihn. Der Satz bleibt trotzdem hängen, weil er nicht ganz falsch ist.

Die stärkste Szene der Folge gehört Sally. Don geht mit ihr und ihren Freundinnen essen, bevor sie auf eine Rundreise mit dem Bus aufbrechen. Don flirtet ein bisschen mit einer der Freundinnen, und die flirtet zurück. Sally sieht das. Am Busbahnhof stellt sie ihn zur Rede. Ihre Eltern seien beide Menschen, die Aufmerksamkeit brauchen, ihre Mutter mit ihrem Aussehen, Don mit seinem Charme. Sie hoffe, sie werde ein anderer Mensch. Don sagt ihr, sie sei ein sehr schönes Mädchen, und es liege an ihr, mehr zu sein als das. Ein ehrlicher, harter Satz von einem Vater, der weiß, wovon er redet. Dann steigt Sally in den Bus.

Ein ganz anderer Besucher taucht bei Betty auf. Glen Bishop, der seltsame Junge aus der ersten Staffel, der damals Bettys Haarlocke wollte, ist jetzt achtzehn, mit Koteletten und Brusthaar, und er hat sich zur Armee gemeldet. In einer Woche geht er nach Vietnam. Sally nennt ihn einen Mörder und geht ohne Abschied. Später kommt Glen noch einmal zu Betty allein. Er sagt, er habe oft an sie gedacht, sie sei die Einzige, bei der er sich sicher fühle, und will sie küssen. Betty dreht den Kopf weg: Sie sei verheiratet. Dann gibt Glen zu, dass er nur zur Armee geht, weil er durchs College gefallen ist und seinen Stiefvater nicht enttäuschen will. Betty tröstet ihn wie eine Mutter: Du kommst zurück, ich bin sicher. Ein seltsamer, berührender Kreis, der sich schließt. Die Geschichte von Glen und Betty war immer unheimlich, und hier wird sie zum ersten Mal menschlich.

Joan erlebt in Kalifornien eine Liebesgeschichte. Sie lernt Richard kennen, einen geschiedenen, reichen Mann, gespielt von Bruce Greenwood, der seine erwachsenen Kinder großgezogen hat und jetzt frei sein will. Joan verschweigt ihm ihren vierjährigen Sohn Kevin. Als er davon erfährt, reagiert er enttäuscht, und Joan nennt ihn eine Enttäuschung. Dann kommt er mit Blumen zurück, entschuldigt sich und will es versuchen. Zum ersten Mal in der Serie trifft Joan einen Mann, der sie zu verstehen scheint. Ob das hält, bleibt offen.

Meine Einschätzung: Eine gute, nachdenkliche Folge über die Frage, was als Nächstes kommt. Sally am Bus und Glen bei Betty sind die beiden starken Momente, beide mit Bezügen bis zurück in Staffel 1. Dons leere Wohnung ist ein klares, vielleicht zu klares Bild. Joans neue Romanze ist ein schöner, aber noch ganz offener Strang. Peggys Wunsch, etwas Bleibendes zu schaffen, ist der Kern der Folge, und Don hat keine Antwort darauf.

Wertung (Claude): 8/10