Mad Men 7.9: „New Business”
Don kommt nach Hause, und seine Wohnung ist leer. Kein Sofa, kein Teppich, kein Bild an der Wand, nur ein paar Kabel auf dem Boden. Megans Mutter Marie hat den Möbelpackern gesagt, sie sollten einfach alles mitnehmen. Don steht in seinem leergeräumten Penthouse und sieht aus, als hätte man ihn ausgeraubt, was man ja auch hat. Es ist das treffendste Bild der Folge: Ein Mann hat sein Leben ausgeräumt bekommen und merkt, dass er eigentlich nie viel darin hatte.
Die Folge erzählt das Ende von Dons zweiter Ehe. Megan kommt nach New York, um ihre Sachen zu holen, ihre Mutter und ihre Schwester streiten pausenlos, und am Ende sitzen Don und Megan in der Kanzlei des Anwalts. Megan beschimpft ihn, er habe ihr alles genommen, er habe sie ihr Leben lang belogen. Don hört zu, und dann schreibt er ihr einen Scheck über eine Million Dollar. Er wolle, dass sie das Leben habe, das sie verdiene. Megan nimmt das Geld und lässt den Verlobungsring zurück. Das ist großzügig, und es ist auch Dons Art, sich freizukaufen. Für mich ein würdiger, wenn auch nüchterner Abschied von einer Figur, die die Serie nie so richtig zu fassen bekommen hat.
Megan hat vorher noch eine hässliche Begegnung mit Harry Crane. Sie bittet ihn um Hilfe, einen neuen Agenten zu finden, und Harry deutet beim Mittagessen an, sie solle mit ihm schlafen, wenn sie seine Hilfe will. Megan wirft ihm vor, dass er widerlich ist, und geht. Harry ist in der Serie langsam von einer komischen zu einer abstoßenden Figur geworden, und diese Szene vollendet das.
Und Marie, Megans Mutter, schläft wieder mit Roger. Sie lässt ihn die Möbelpacker bezahlen und landet in seinem Bett. Roger und Marie sind das einzige Paar in dieser Folge, das bekommt, was es will, weil keiner von beiden viel will.
Der zweite Strang gehört Diana, der Kellnerin aus der letzten Folge. Don findet sie in einem neuen Restaurant, sie kommt nachts zu ihm, und sie schlafen miteinander. Dann erzählt sie ihm ihre Geschichte: Eine Tochter ist gestorben, die andere lebt bei ihrem Exmann in Wisconsin, und die hat sie verlassen. Sie trinkt, sie will vergessen. Don ist fasziniert, vielleicht weil er in ihr sich selbst sieht: eine Person, die vor ihrer Vergangenheit davongelaufen ist. Er will ihr helfen, sie zu sich nehmen. Diana lehnt ab. Sie will ihren Schmerz behalten, nicht heilen. Das ist eine kluge Wendung, aber Diana bleibt mir als Figur zu blass. Sie ist mehr eine Idee als ein Mensch.
Die beste Szene der Folge ist die erste. Don ist bei Betty und Henry zu Hause und macht seinen Söhnen Milchshakes. Betty kommt im Abendkleid von einem Essen zurück und erzählt, dass sie ein Psychologiestudium beginnt. Don geht, und von der Tür aus sieht er die Familie Francis beim Abendessen, Betty, Henry, die Kinder, alle zusammen. Ein Leben, das er hätte haben können. Er steht draußen und schaut hinein. Ein Bild, das die Serie schon oft benutzt hat, aber hier trifft es.
Und Peggy hat einen kleinen Strang mit Pima Ryan, einer berühmten Fotografin, die für eine Cinzano-Kampagne gebucht wird. Pima verführt Stan in der Dunkelkammer, dann versucht sie es bei Peggy. Peggy durchschaut sie und sagt ihr, sie werde ihr keinen weiteren Auftrag geben. Stan glaubt Peggy zuerst nicht, dann ist er sauer. Eine Nebengeschichte, die vor allem zeigt, dass Peggy inzwischen über den Dingen steht.
Meine Einschätzung: Eine der schwächeren Folgen der Staffel. Die Trennung von Megan mit dem Millionenscheck ist ein würdiger Abschluss, und Don vor dem Fenster der Familie Francis und in der leeren Wohnung sind starke Bilder. Aber Diana bleibt ein Rätsel, das mich nicht interessiert, und Pima Ryan ist eine Figur aus dem Nichts. Für eine der letzten sieben Folgen ist das zu viel Nebensache.
Wertung (Claude): 7,5/10