Mad Men 7.8: „Severance”
Die letzten sieben Folgen beginnen mit einer Frau im Pelzmantel. Sie sitzt auf einem Stuhl, und eine Männerstimme gibt ihr leise Anweisungen, wie sie den Mantel tragen soll, ob sie darunter etwas anhat. Es ist Don, und er castet ein Model für eine Strumpfhosenwerbung. Dazu singt Peggy Lee „Is That All There Is?", ein Lied über eine Frau, die alles erlebt hat, das Feuer, den Zirkus, die große Liebe, und jedes Mal fragt: War das alles? Das ist das Motto der Folge, und vielleicht der ganzen letzten Staffel.
Es ist das Jahr 1970. Die Agentur gehört zu McCann, alle Partner sind reich, und alle sind unzufrieden. Don lebt wie ein Junggeselle, hat Affären mit Frauen aus seinem Adressbuch und erzählt jetzt ganz offen, dass er in einem Bordell aufgewachsen ist. Roger lacht darüber, Don liebe Geschichten darüber, wie arm er war. Was früher sein Geheimnis war, ist jetzt eine Anekdote beim Abendessen.
Dann erfährt Don, dass Rachel Menken gestorben ist. Rachel, die Kaufhauserbin aus Staffel 1, die einzige Frau, die Don damals wirklich durchschaut hat und die er beinahe verlassen hätte, um mit ihr wegzulaufen. Sie ist an Leukämie gestorben. Don hat sie kurz vorher im Traum gesehen, sie sagte ihm, er habe ein Flugzeug verpasst. Er geht zur Schiwa, zur jüdischen Trauerfeier, und Rachels Schwester empfängt ihn kühl. Sie sagt, Rachel habe das Leben gelebt, das sie leben wollte. Ihr Mann, ihre zwei Kinder, das alles sei echt gewesen. Für Don gebe es da keinen Platz. Don steht da mit seiner Trauer um ein Leben, das er nie gelebt hat, und niemand hat Verwendung dafür.
Gleichzeitig verliert Don sich an eine Kellnerin in einem schäbigen Diner, Diana. Er glaubt, sie zu kennen. Sie erinnert ihn an jemanden, und er weiß nicht, an wen. Er schläft mit ihr in einer Gasse hinter dem Restaurant, und danach stellt sich heraus, dass sie es als Gegenleistung für das große Trinkgeld gesehen hat, das Roger am Abend dagelassen hat. Sie schickt ihn weg. Don, der sein Leben lang Frauen genommen hat, wird jetzt selbst als Kunde behandelt.
Ken hat das zweite große Schicksal der Folge. Seine Frau bittet ihn, die Werbung aufzugeben und endlich das Buch zu schreiben, von dem er immer geträumt hat. Ein Leben, das er nicht gelebt hat. Am nächsten Tag wird er gefeuert, weil die Leute von McCann ihn nicht mögen. Für einen Moment sieht es aus, als würde er die Chance nutzen. Dann nimmt er einen Job bei Dow Chemical an, dem Hersteller von Napalm, dessen Werbeetat er bisher betreut hat. Er wird jetzt ihr Kunde sein, und er verspricht Roger und Pete, ihnen das Leben zur Hölle zu machen. Die Rache des Mannes, der Schriftsteller werden wollte, ist, dass er Manager bei einem Rüstungskonzern wird.
Joan und Peggy haben eine Besprechung mit den Männern von McCann wegen der Strumpfhosen-Kampagne. Die Männer machen ununterbrochen anzügliche Bemerkungen über Joans Körper, und Joan muss sie lächelnd ertragen. Im Aufzug danach streiten die beiden. Peggy sagt, Joan könne nicht verlangen, ernst genommen zu werden, wenn sie sich so anzieht. Joan sagt, Peggy sei nur neidisch. Dann gehen sie getrennte Wege, und Joan geht einkaufen, um sich zu trösten. Die Verkäuferin fragt sie, ob sie früher hier gearbeitet habe. Hat sie, in den Jahren nach ihrem Ausstieg bei Sterling Cooper. Für einen Moment steht Joan wieder auf der anderen Seite des Ladentischs.
Peggy hat dagegen ein überraschend gutes Blind Date, mit einem Mann, der sie furchtlos nennt. Betrunken schlägt sie vor, mit ihm sofort nach Paris zu fliegen. Sie findet ihren Pass nicht. Am nächsten Morgen ist sie verkatert und hat keine Lust mehr.
Meine Einschätzung: Ein melancholischer, sehr guter Auftakt der letzten Folgen, mit einem klaren Thema: das ungelebte Leben. Rachels Tod und die Schiwa sind ein starker Moment, und es ist schön, dass die Serie am Ende zu ihrer ersten Staffel zurückkehrt. Kens Rache bei Dow ist bitter-komisch, Joan und Peggy im Aufzug wichtig. Die Kellnerin Diana wirkt aber noch wie ein Rätsel ohne Lösung, und manches in der Folge ist eher Stimmung als Geschichte.
Wertung (Claude): 8,5/10