Mad Men 7.7: „Waterloo”
Es ist der 20. Juli 1969, und die ganze Welt schaut auf einen Fernseher. Neil Armstrong betritt den Mond. Bert Cooper sitzt in seiner Wohnung, nur mit seiner Haushälterin, und sieht zu. Er sagt: Bravo. Es ist sein letztes Wort. Kurz darauf ist er tot. Und Robert Morse, der Bert seit sieben Staffeln spielt, darf am Ende der Folge noch einmal auftreten: als Geist, in Socken, mit einem Chor von Sekretärinnen, singt und tanzt er für Don „The Best Things in Life Are Free". Don steht mit Tränen in den Augen da. Ein Musicalmoment mitten in einem Drama, der eigentlich nicht funktionieren dürfte, und er ist großartig. Eine Verbeugung vor einem Broadway-Veteranen und gleichzeitig Berts letzter Rat an Don: Das Beste im Leben kostet nichts.
Die Ironie ist, dass die Folge davon handelt, wie alle reich werden. Jim Cutler schickt Don einen Brief, in dem er ihm wegen Vertragsbruchs kündigt, weil Don ins Philip-Morris-Treffen geplatzt ist. Bei einer Abstimmung der Partner gewinnt Don knapp, aber nach Berts Tod hätte Cutler die Mehrheit. Roger, der Don nicht verlieren will, handelt schnell. Er geht zu McCann Erickson, der großen Agentur, die die Firma seit Jahren schlucken will, und verkauft ihnen einundfünfzig Prozent. Die Agentur bleibt eigenständig, unter seiner Führung, und alle Partner werden Millionäre. Die einzige Bedingung von McCann: Don und Ted müssen bleiben. Ted will eigentlich aus der Werbung aussteigen, er sagt, er habe das Gefühl, sterben zu wollen. Bei einem Flug mit Kunden schaltet er einen Motor ab, und die Männer im Flugzeug geraten in Panik. Don überredet ihn, zu bleiben und sich auf die kreative Arbeit zu konzentrieren. Am Ende stimmen alle zu, auch Cutler, der dabei sein Gesicht verliert und trotzdem gewinnt. Roger hat zum ersten Mal in der Serie gezeigt, dass er ein echter Chef sein kann.
Der schönste Strang der Folge gehört Peggy. Don soll Burger Chef präsentieren, aber als er befürchtet, entlassen zu werden, gibt er die Präsentation an Peggy weiter, damit sie eine Zukunft hat, falls er gehen muss. Peggy hat Angst. Dann präsentiert sie, im Hotel in Indianapolis, einen Tag nach der Mondlandung. Sie spricht davon, dass gestern Nacht alle Familien zusammen vor einem Fernseher saßen, dass die Welt für einen Moment eine Familie war. Und dass genau das an jedem Tisch bei Burger Chef passieren kann. Sie weicht vom Skript ab, sie redet frei, sie wird so gut wie Don. Und sie gewinnt.
Daneben gibt es Peggys kleinen Nachbarsjungen Julio, der immer bei ihr fernsieht. Als seine Mutter wegzieht, weint Peggy um ihn. Man versteht, ohne dass es gesagt wird: Sie weint auch um das Kind, das sie vor zehn Jahren weggegeben hat.
Don und Megan beenden ihre Ehe. Don ruft sie an, erzählt ihr, dass er vielleicht seine Stelle verliert und mit ihr in Kalifornien neu anfangen könnte. Megan schweigt. Dann sagen beide am Telefon, ohne es auszusprechen, dass es vorbei ist. Don bietet an, für sie zu sorgen. Sie lehnt freundlich ab. Es ist die ruhigste Trennung, die die Serie je gezeigt hat, und deshalb glaubt man sie.
Und Sally wird erwachsen. Bei Betty sind Gäste, eine Familie mit zwei Söhnen, einem Sportler und einem Brillenträger, der durchs Teleskop die Sterne beobachtet. Sally macht sich über die Mondlandung lustig, raucht wie ihre Mutter, und dann küsst sie den stillen Jungen mit der Brille. Sie wählt den Nachdenklichen, nicht den Schönen. Eine kleine Szene, die zeigt, dass Sally anders sein will als ihre Eltern.
Meine Einschätzung: Eine herausragende Halbstaffel-Abschlussfolge. Peggys Burger-Chef-Pitch zur Mondlandung ist ihr großer Moment, Rogers McCann-Coup ist sein bester Auftritt seit Jahren, und Berts Abschied, erst mit „Bravo" und dann mit dem Musical, ist schlicht wunderschön. Dass Don seine Präsentation an Peggy weitergibt, ist vielleicht die selbstloseste Tat seines Lebens. Einziger Abzug: Teds Todesgefühle kommen etwas plötzlich.
Wertung (Claude): 9,5/10