Serienkritiken

Mad Men 7.6: „The Strategy”

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Peggy und Don tanzen. Spät abends, im Büro von Lou Avery, aus dem Radio kommt Frank Sinatra mit „My Way". Peggy legt den Kopf an Dons Brust, Don küsst sie sanft auf den Scheitel. Kein Flirt, keine Erotik, nur zwei Menschen, die sich seit zehn Jahren kennen und gerade zum ersten Mal zugegeben haben, dass sie Angst haben. Es ist eine der schönsten Szenen, die die Serie je gedreht hat, und sie ist so leise, dass man sie fast verpassen könnte.

Der Weg dorthin ist ein Kampf um eine Burger-Chef-Kampagne. Peggys Team hat eine Idee: Eine gehetzte Mutter trifft ihre Familie im Fastfood-Restaurant zum gemeinsamen Essen. Alle finden das gut. Dann kommt Pete aus Kalifornien und erklärt, Don solle die Präsentation halten, Don sei die Autorität, Peggy das Gefühl. Peggy schluckt es. Don schlägt vor, den Spot aus der Sicht der Kinder zu erzählen. Peggy lehnt ab, merkt aber, dass ihre Idee nicht stark genug ist, und ruft Don wütend am Wochenende an, warum er sie untergrabe. Don kommt ins Büro, und die beiden fangen von vorn an.

Was dann folgt, ist ein langes Gespräch über alles, nur nicht über Burger. Peggy fragt, ob die lächelnde Familie aus der Werbung überhaupt noch existiert. Sie gibt zu, dass sie über ihr Alter lügt, dass sie gerade dreißig geworden ist, und fragt, was sie falsch gemacht habe, wenn sie Frauen in ihrem Alter mit Männern und Kindern sieht. Don hört zu. Dann sagt er etwas, das er noch nie gesagt hat: Er mache sich Sorgen, dass er nichts erreicht habe und dass er niemanden habe. Zum ersten Mal ist Don ehrlich zu Peggy, nicht als Lehrer, sondern als einsamer Mann. Und Peggy findet in diesem Moment ihre Idee.

Am Ende sitzen Peggy, Don und Pete in einem Burger Chef an einem Tisch, essen Burger und Pommes, und Peggy erklärt ihre neue Strategie: Bei Burger Chef ist jeder Tisch ein Familientisch. Die Kamera fährt zurück durch das Fenster, und man sieht die drei: eine geschiedene, eine fast geschiedene und eine nie verheiratete Person, die zusammen so etwas wie eine Familie sind. Das ist das beste Schlussbild der siebten Staffel.

Daneben ist Pete in New York, mit seiner Freundin Bonnie, und will seine Tochter sehen. Tammy erkennt ihn kaum. Trudy ist nicht zu Hause, sie hat ein Date, und Pete hält ihr vor, das sei unmoralisch. Trudy macht ihm klar, dass er nicht mehr zur Familie gehört. Bonnie fliegt am Ende allein zurück nach Kalifornien, im selben Flugzeug wie Megan, die ein Wochenende bei Don war und keine Lust mehr auf New York hat. Zwei Frauen, die ihre Männer verlassen, ohne es auszusprechen.

Und Bob Benson macht Joan einen Heiratsantrag. Er weiß, dass Chevrolet die Agentur verlassen wird, ihm wird ein Job bei Buick angeboten, und dort erwartet man einen verheirateten Mann. Er bietet Joan eine Ehe als Arrangement an: Sicherheit für sie und ihren Sohn, eine Fassade für ihn. Joan lehnt ab, zuerst sanft, dann klar. Er solle nicht mit einer Frau zusammen sein. Bob erinnert sie daran, dass ihre Chancen mit ihrem Alter nicht besser werden. Und Joan sagt, sie wolle Liebe, und sie warte lieber darauf, als sich auf einen Handel einzulassen. Für eine Frau, die sich einmal für einen Partnerschaftsanteil verkauft hat, ist das ein großer Satz.

Meine Einschätzung: Eine der besten Folgen der Serie. Der Tanz zu „My Way" und das Schlussbild bei Burger Chef sind zwei der schönsten Momente von Mad Men überhaupt, und sie zeigen, worum es der Serie geht: um eine Familie aus Menschen, die keine richtige Familie haben. Dass Don endlich Peggy gegenüber ehrlich ist, ist der Lohn für sechs Staffeln. Joans Ablehnung von Bob Benson ist ebenfalls stark. Kleiner Abzug für Pete, dessen New-York-Besuch nur Kulisse bleibt.

Wertung (Claude): 9,5/10