Mad Men 7.5: „The Runaways”
Michael Ginsberg schenkt Peggy eine kleine Schachtel. Darin liegt seine eigene Brustwarze. Er hat sie sich abgeschnitten, weil er glaubt, sie sei ein Ventil, durch das der Computer im Büro Druck auf ihn ausübt. Peggy ruft Hilfe, und Ginsberg wird auf einer Trage hinausgebracht. Im Vorbeigehen ruft er allen zu, sie sollten verschwinden, solange sie noch können. Es ist die verstörendste Szene der Serie, und sie kommt fast aus dem Nichts.
Der Abstieg kündigt sich in dieser Folge selbst an. Ginsberg hört den Computer brummen, er sieht, wie Lou und Cutler im Computerraum tuscheln, und hält es für eine Verschwörung. Er glaubt, die Maschine mache Männer homosexuell. Nachts klopft er bei Peggy und will mit ihr schlafen, um den Druck loszuwerden. Peggy wirft ihn raus. Am Montag kommt die Schachtel. Ben Feldman spielt den Wahn so, dass man ihn fast versteht, und das macht es noch schlimmer.
Ich habe mit dieser Geschichte Mühe. Ginsberg war in Staffel 5 eine der lebendigsten Figuren, ein großes Talent mit noch größerer Klappe, und die Serie hat ihn danach kaum weiterentwickelt. Sein Zusammenbruch wird zwar gut gespielt, aber er dient vor allem als Symbol: Der Computer zieht ein, und der schöpferische Mensch dreht durch. Das ist mir zu thesenhaft für eine Figur, die man mochte.
Don hat derweil zwei Abenteuer. Stephanie, die Nichte von Anna Draper, ruft ihn an. Sie ist im siebten Monat schwanger und pleite. Don schickt sie zu Megan nach Los Angeles. Megan spürt sofort, dass Stephanie Dinge über Don weiß, die sie nicht weiß, und gibt ihr freundlich tausend Dollar, damit sie verschwindet. Am nächsten Morgen ist Stephanie weg. Megan sagt Don, sie habe versucht, sie zu halten. Das ist gelogen, und es ist ein kleiner, kluger Moment: Megan ist eifersüchtig nicht auf eine andere Frau, sondern auf Dons Vergangenheit, auf die einzige Familie, die er wirklich hatte.
Dann gibt Megan eine Party für ihre Schauspielfreunde, und Don langweilt sich, bis Harry auftaucht und ihm in einer Bar etwas erzählt: Lou und Cutler wollen heimlich den Zigarettenkonzern Philip Morris an Land ziehen. Und wenn sie das schaffen, ist Don erledigt, denn er hat einst diesen berühmten Brief gegen die Tabakindustrie geschrieben. Zurück in Megans Bungalow drängt Megan Don zu einem Dreier mit ihrer Freundin Amy. Don wirkt unsicher, macht aber mit. Am Morgen ist Megan wieder verstimmt, weil Don am Telefon zu herzlich mit Stephanie spricht. Megan versucht verzweifelt, Don zu halten, mit Sex, mit Lockerheit, mit Kalifornien. Es klappt nicht, und sie weiß es.
Der beste Moment der Folge aber gehört Don, und er ist ein echter Comeback-Moment. Er platzt in ein privates Treffen von Lou, Cutler und den Leuten von Philip Morris. Er sagt ihnen ruhig, er werde die Agentur verlassen, wenn sie es wollen. Aber er erklärt auch, warum sie ihn brauchen: Wer den Brief gegen den Tabak geschrieben hat, der weiß am besten, wie man Raucher bei der Stange hält. Und wenn er geht, geht er zur Konkurrenz. Die Tabakleute sind beeindruckt. Lou und Cutler kochen. Beim Hinausgehen bedankt Don sich bei Cutler fürs Mitnehmen im Taxi. Er ist wieder da, wenigstens für einen Abend.
Bei Betty und Henry kracht es. Bei einem Abendessen mit Nachbarn widerspricht Betty Henry in der Vietnam-Frage, und Henry fährt sie danach an, sie solle ihre Meinung für sich behalten. Betty sagt, sie sei nicht dumm, sie spreche Italienisch. Sally kommt mit einer verletzten Nase nach Hause, weil sie beim Golf einen Schläger ins Gesicht bekommen hat, und Betty sorgt sich vor allem um Sallys Aussehen. Sally spottet darüber. Und Bobby, der Angst hat, dass die Familie zerfällt, darf bei Sally im Bett schlafen. Ein kleiner, zärtlicher Moment zwischen Geschwistern, die sich gegenseitig die Eltern ersetzen.
Meine Einschätzung: Eine wilde, ungleichmäßige Folge. Dons Auftritt bei Philip Morris ist ein echter Höhepunkt, ein Don, der endlich wieder kämpft. Stephanie und Megan sind gut beobachtet, Betty gegen Henry ebenso. Ginsbergs Zusammenbruch ist schockierend und wird stark gespielt, aber er wirkt eher wie eine These als wie das Schicksal einer Figur. Und der Dreier ist vor allem Effekt.
Wertung (Claude): 7,5/10