Mad Men 7.3: „Field Trip”
Don sitzt im Aufenthaltsraum der Kreativabteilung auf einem Sofa, liest eine Zeitschrift und wartet. Den ganzen Tag. Die alten Kollegen laufen an ihm vorbei, starren, tuscheln, und keiner weiß, was er hier soll. Er hat Roger angerufen und gefragt, ob er zurückkommen kann, Roger hat ihm gesagt, er solle Montag kommen, und dann hat Roger vergessen, den anderen Bescheid zu sagen. Ein Mann, der einmal diese Agentur war, sitzt nun in ihr wie ein Bewerber. Das ist eine der demütigendsten Situationen, in die die Serie Don je gesteckt hat, und sie ist großartig gespielt.
Was ihn dorthin treibt, passiert in Kalifornien. Megans Agent ruft Don an: Megan habe sich bei einem Vorsprechen für eine Fernsehserie blamiert, sie sei verzweifelt, sie benehme sich peinlich. Don fliegt hin, um sie aufzumuntern. Megan freut sich zuerst, aber dann erfährt sie, dass Don seit Monaten nicht arbeitet und sie belogen hat. Und es bricht aus ihr heraus. Sie weiß, wie er ist, wenn er allein ist. Sie war seine Sekretärin, sie kennt seine Gewohnheiten. Sie wirft ihm vor, dass er nicht zu ihr gezogen ist, weil er gar nicht bei ihr sein will. Und dann schickt sie ihn weg. So ende es also, sagt sie. Don fliegt zurück, und man glaubt ihr diesmal fast.
Zurück in New York trifft Don sich mit einer anderen Agentur, die an ihm interessiert ist, und dann entscheidet er sich doch für die eigene, für das Zuhause. Die Partner verhandeln hinter verschlossenen Türen über ihn. Jim Cutler will ihn nicht, Joan auch nicht, sie hat ihm nie verziehen, dass er Jaguar ohne sie gefeuert hat. Roger kämpft für ihn. Am Ende steht ein Angebot, das eher eine Bewährungsstrafe ist: Don darf mit Kunden nicht allein sein, er muss sich an abgesprochene Texte halten, er darf im Büro nicht trinken, er bekommt Lanes altes Büro, und er berichtet an Lou Avery. An den Mann, der seinen Stuhl hat. Don schaut die Partner an und sagt nur: Okay.
Das ist ein überraschendes Wort. Der alte Don hätte gelacht, wäre gegangen und hätte irgendwo neu angefangen. Dieser Don akzeptiert die Demütigung. Ob aus Demut oder aus Mangel an Alternativen, weiß man nicht. Aber dass er Lanes Büro bekommt, das Büro des Mannes, der sich darin erhängt hat, ist kein Zufall.
Der zweite große Strang gehört Betty, und er ist bitter. Bobby lädt sie ein, seine Klasse als Begleitperson auf einen Ausflug zu einem Bauernhof zu begleiten. Er ist überglücklich, dass sie mitkommt, hält ihr im Bus einen Platz frei, zeigt ihr seine Lieblingsmonster. Betty genießt den Tag, raucht mit der Lehrerin, trinkt frische Milch direkt von der Kuh. Dann tauscht Bobby versehentlich ihr Sandwich gegen Gummibärchen. Betty nimmt seine Entschuldigung nicht an. Sie zwingt ihn, alle Gummibärchen zu essen, und straft ihn den Rest des Tages mit Schweigen. Zuhause fragt sie Henry, warum ihre Kinder sie nicht lieben. Und Bobby sagt am Abend, er wünschte, es wäre gestern.
January Jones spielt diese Betty so, dass man sie gleichzeitig hasst und bemitleidet. Sie kann nicht anders. Sie ist selbst ein verletztes Kind, und sie gibt die Verletzung weiter, wieder und wieder. Bobbys Satz am Ende ist einer der traurigsten der Serie.
Meine Einschätzung: Eine starke Folge über Demütigung und Wiedergutmachung, mit Don auf dem Sofa als zentralem Bild und seinem „Okay" als überraschendem Schluss. Bettys Ausflug ist hart und genau, und Bobbys Wunsch, es wäre gestern, trifft. Der Streit mit Megan ist gut gespielt, aber man hat das Paar schon so oft am Abgrund gesehen, dass er etwas an Wucht verliert.
Wertung (Claude): 8/10