Serienkritiken

Mad Men 7.2: „A Day's Work”

Lesestand

Ein Restaurant an der Straße, irgendwo zwischen New York und Sallys Internat. Don und Sally sitzen sich gegenüber, und zum ersten Mal seit dem Tag, an dem sie ihn mit Sylvia erwischt hat, reden die beiden miteinander. Don gibt zu, dass er nicht mehr arbeitet, dass er sich schlecht benommen hat. Er erzählt, dass er die Wahrheit über sich gesagt hat, nur im falschen Moment. Sally hört zu, und langsam weicht die Kälte aus ihrem Gesicht. Später, als er sie an ihrer Schule absetzt, schließt sie die Autotür und sagt im Gehen: Happy Valentine’s Day. Ich liebe dich. Don bleibt im Auto sitzen und ist so überwältigt, dass er nichts sagen kann. Das ist der schönste Moment zwischen den beiden in der ganzen Serie.

Bis dahin war es ein langer, demütigender Tag. Don lebt in seiner Wohnung wie ein Arbeitsloser: Er schläft lange, isst Cracker vor dem Fernseher und ignoriert eine Kakerlake. Er tut vor Megan so, als ginge er weiter zur Arbeit, und seine alte Sekretärin Dawn hält ihn heimlich auf dem Laufenden. Er trifft sich zum Mittagessen mit einem Mann einer anderen Agentur, der Gerüchte über den Hershey-Pitch gehört hat, und Don sagt nichts. Er wartet auf eine Rückkehr, die keiner ihm anbietet.

Dann taucht Sally in New York auf. Sie ist für die Beerdigung der Mutter einer Mitschülerin in der Stadt, verliert beim Einkaufen ihr Portemonnaie und geht ins Büro ihres Vaters, um Geld zu holen. Dort sitzt Lou Avery in Dons Büro. Sally versteht sofort, dass etwas nicht stimmt, und fährt zu Don nach Hause. Er ist da, mitten am Tag, und hat ihr nichts erzählt. Auf der Fahrt zur Schule ist Sally zuerst eisig, sie wirft ihm vor, er lüge immer. Und dann, im Diner, sagt er ihr die Wahrheit. Das ist der neue Don, oder wenigstens der Anfang davon: Er hat beim Hershey-Pitch gelernt, dass die Wahrheit Folgen hat, und er sagt sie trotzdem. Und diesmal hat die Wahrheit eine gute Folge.

Im Büro gibt es Valentinstag-Chaos. Peggy findet auf dem Schreibtisch neben ihrem Büro einen Strauß Rosen und denkt, Ted wolle sie zurückgewinnen. Die Rosen sind aber für ihre Sekretärin Shirley, von deren Verlobtem. Peggy blamiert sich, schickt Ted eine verschlüsselte Nachricht, und als sie ihren Irrtum versteht, reagiert sie mit Wut, nennt die Blumen verflucht und lässt Shirley versetzen. Es ist eine der unangenehmsten Peggy-Szenen der Serie. Sie wirkt hier fast wie Don in seinen schlechtesten Momenten: verletzt und deswegen grausam.

Dawn hat dagegen den härtesten Tag. Lou wirft ihr vor, sie sei nicht da gewesen, als Sally kam, dabei hat sie in diesem Moment für Lou ein Valentinsgeschenk für seine Frau besorgt, das er vergessen hatte. Lou will sie loswerden. Joan versetzt Dawn an die Rezeption, und Bert Cooper sagt, er wolle keine schwarze Frau dort sehen, wo jeder Besucher aus dem Aufzug sie sieht. Ein offen rassistischer Satz von einem Mann, den die Serie bisher meist als exzentrischen Weisen gezeigt hat. Am Ende bekommt Joan ein Büro oben bei den Kundenberatern, und Dawn übernimmt Joans alte Aufgaben als Personalchefin. Zwei Frauen steigen auf, und zwar weil Lou einen Wutanfall hatte und Bert ein Rassist ist. Mad Men in einer Nussschale.

Pete gewinnt in Kalifornien die Chevrolet-Händler, aber die Partner in New York stoppen ihn, weil Bob Benson den großen Chevy-Etat in Detroit betreut. Pete tobt in Teds Büro und will eine eigene Agentur gründen. Seine Freundin Bonnie, eine Immobilienmaklerin, erklärt ihm ruhig, dass Verkäufer mit Unsicherheit leben müssen. Pete hört es nicht.

Meine Einschätzung: Eine stille, sehr gute Folge, die wegen einer einzigen Szene in Erinnerung bleibt: Don und Sally im Diner, und das „Ich liebe dich" an der Autotür. Dass Ehrlichkeit für Don hier zum ersten Mal belohnt wird, ist schön erzählt. Das Valentinstags-Chaos im Büro ist gut beobachtet, vor allem Dawns Aufstieg wider Willen. Peggys Rosen-Episode ist etwas zu lang geraten.

Wertung (Claude): 8,5/10