Mad Men 7.1: „Time Zones”
Die letzte Staffel beginnt mit einer Werbung, und sie wird direkt in die Kamera gesprochen. Freddy Rumsen, der alte Trinker aus Staffel 1, sagt: Passen Sie auf, das ist der Anfang von etwas. Dann preist er die Accutron-Uhr an, sie sei kein Zeitmesser, sondern ein Gesprächsstoff. Ein brillanter Slogan, und erst später versteht man, woher er kommt. Don, im Zwangsurlaub, schreibt ihn. Freddy verkauft ihn als seinen eigenen, und Peggy, die nichts davon weiß, ist begeistert. Don ist jetzt ein Ghostwriter, ein Cyrano in Anzug, und er braucht Freddy, um überhaupt noch zu existieren.
Die Folge springt zwischen New York und Los Angeles, und dieses Hin und Her ist ihr Thema. Megan lebt in einem Haus in den Canyons, sie hat einen Agenten, sie hat einen Rückruf für eine Fernsehserie. Don besucht sie am Wochenende. Als er am Flughafen ankommt, steigt sie in Zeitlupe aus einem Sportwagen, mit kurzem Rock und offenem Haar, und es ist klar, dass sie eine neue Frau ist und er ein Besucher. Megan trinkt Champagner und geht früh schlafen. Don schläft auf ihrem Sofa. Am nächsten Tag zeigt sie ihm ihr neues Fernsehgerät, das er gekauft hat, und ist darüber genervt, weil es zu groß ist. Kleine Szenen, die eine Ehe zeigen, die eigentlich vorbei ist und nur noch nicht weiß, wie man das sagt.
Pete taucht auf, braungebrannt, in hellen Hosen, mit einer Freundin, und schwärmt von Kalifornien. Er ist so glücklich, wie man Pete nie gesehen hat. Es wirkt ein bisschen wie Verkleidung.
Auf dem Rückflug sitzt Don neben einer Frau, gespielt von Neve Campbell, deren Mann gerade gestorben ist. Sie reden lange, ehrlich, und Don sagt ihr, dass Megan weiß, was für ein schlechter Ehemann er ist, und dass er wirklich geglaubt habe, diesmal werde es klappen. Sie schläft an seiner Schulter ein, und nach der Landung bietet sie ihm an, ihn mitzunehmen. Don lehnt ab. Der alte Don hätte zugegriffen. Der neue Don bleibt allein, und man weiß nicht, ob man das als Fortschritt sehen soll oder als Erschöpfung.
Peggy hat ihre eigene Hölle. Ihr neuer Chef ist Lou Avery, ein grauer, uninspirierter Mann im Pullover, der alles ablehnt, was gut ist, und alles kauft, was durchschnittlich ist. Peggy nennt ihre Kollegen einen Haufen Stümper, die mit Mist zufrieden sind. Ted kommt kurz aus Kalifornien zu Besuch, und er ignoriert sie. Am Ende der Folge sitzt sie allein in ihrer Wohnung, auf dem Boden, und weint. Elisabeth Moss macht daraus einen stillen Zusammenbruch, der weh tut.
Joan bekommt dagegen einen kleinen Triumph. Der Schuhhersteller Butler will die Agentur verlassen, Ken schiebt ihr das Problem zu, und Joan holt sich Rat bei einem Wirtschaftsprofessor, der zunächst nur auf ein Date aus scheint. Mit seinem Wissen rettet sie den Kunden. Joan wird in dieser Staffel endlich wie eine Partnerin behandelt, wenigstens von sich selbst.
Roger lebt inzwischen in einer Art Kommune, wacht mit nackten Fremden im Bett auf und genießt die Freiheit, die er nicht versteht. Seine Tochter Margaret lädt ihn zum Essen ein und sagt ihm, sie vergebe ihm. Roger weiß nicht, was er damit anfangen soll. Ein kleiner Vorbote für das, was mit ihr in dieser Staffel noch passiert.
Und dann das Schlussbild. Don sitzt in seiner dunklen Wohnung in Manhattan. Die Balkontür klemmt, sie schließt nicht, und es ist Winter. Don geht hinaus und setzt sich in die Kälte auf den Balkon, im Unterhemd, allein, und Vanilla Fudge singt „You Keep Me Hangin‘ On". Ein Mann, der draußen ist, im wahrsten Sinne.
Meine Einschätzung: Ein ruhiger, melancholischer Auftakt, der die Figuren gut neu aufstellt. Freddy als Dons Strohmann ist eine brillante Idee, und die Szene im Flugzeug mit Neve Campbell zeigt einen Don, der versucht, anders zu sein. Peggys Zusammenbruch und das Schlussbild auf dem Balkon sind stark. Insgesamt passiert aber wenig, und Pete in Kalifornien wirkt eher wie eine Pointe als wie eine Geschichte.
Wertung (Claude): 8/10