Serienkritiken

Mad Men 6.12: „The Quality of Mercy”

Lesestand

Die Folge beginnt damit, dass Megan ihren Mann zusammengerollt auf Sallys Bett findet. Seit Sally ihn mit Sylvia erwischt hat, trinkt Don durch, schon morgens kippt er Wodka in seinen Orangensaft. Und sie endet mit demselben Bild: Don legt sich in seinem Büro auf das Sofa und rollt sich ein wie ein Kind. Dazwischen liegt eine Folge, in der Don einmal mehr zeigt, wie er reagiert, wenn er verletzt ist. Er verletzt andere.

Ted und Peggy flirten inzwischen so offen, dass das ganze Büro es merkt. Don und Megan erwischen die beiden an einem Werktag in einer Nachmittagsvorstellung von „Rosemary’s Baby". Die zwei behaupten, sie recherchierten für einen Werbespot für Kinderaspirin. Peggy hat eine Idee, die Ted begeistert, und Ted überzieht für sie das Budget. Don sieht das, und er ist eifersüchtig, nicht sexuell, sondern auf eine besitzergreifendere Art: Peggy war seine Schülerin, und jetzt strahlt sie einen anderen an.

Also sabotiert er. Erst holt er sich ohne Absprache den Sunkist-Etat zurück, obwohl er Ted versprochen hatte, darauf zu verzichten. Dann, beim Termin mit dem Aspirin-Kunden, lässt er durchblicken, dass der Spot für Ted eine persönliche Sache sei, als wollte er die Affäre öffentlich machen. Und im letzten Moment rettet er die Situation, indem er die Idee dem verstorbenen Frank Gleason zuschreibt. Der Kunde ist gerührt, Ted ist bloßgestellt, und Peggy ist um ihre eigene Idee gebracht. Danach sagt Don Ted unter vier Augen, sein Urteilsvermögen sei getrübt. Er hat recht, und er hat kein Recht dazu.

Peggy stellt Don zur Rede und nennt ihn ein Monster. Und dann legt Don sich aufs Sofa. Es ist einer der härtesten Momente zwischen den beiden, weil Peggy ihn so klar sieht wie Betty in „The Better Half": Don kann nicht ertragen, dass andere glücklich sind, wenn er es nicht ist. Und gleichzeitig ist in seiner Sabotage ein Funken Wahrheit, denn Ted ist verheiratet und verliert gerade den Kopf.

Der schönste Strang der Folge gehört aber Sally. Sie will aufs Internat, um nie wieder ihren Vater besuchen zu müssen, und Betty fährt mit ihr zum Vorstellungsgespräch an einer Eliteschule. Die Mädchen dort verlangen von ihr Schmuggelware, also ruft Sally Glen Bishop an, ihren alten Freund aus Kindertagen. Glen kommt mit Alkohol, Marihuana und einem Freund namens Rollo durchs Fenster. Glen verschwindet mit einem der Mädchen, und Rollo wird Sally gegenüber zudringlich. Sally ruft nach Glen, und Glen wirft Rollo hinaus. Der seltsame Junge aus der ersten Staffel ist erwachsen geworden und beschützt sie.

Auf der Heimfahrt sagt Betty ihr, dass sie angenommen wurde, und dann bietet sie ihrer Tochter eine Zigarette an. Mutter und Tochter rauchen zusammen im Auto. Betty mutmaßt, Don habe ihr wohl schon Bier gegeben, und Sally antwortet, ihr Vater habe ihr noch nie etwas gegeben. Ein Satz, der alles sagt. Für einen Moment sind Betty und Sally Verbündete, und das hat es so noch nie gegeben.

Dann gibt es noch die Auflösung des Rätsels um Bob Benson. Ken wird bei einer Entenjagd mit den Chevy-Leuten ins Gesicht geschossen, trägt nun eine Augenklappe und will das Chevy-Konto abgeben. Statt Pete bekommt Bob Benson den Posten. Pete lässt Bobs Vergangenheit von Duck Phillips überprüfen, und es stellt sich heraus: Bob war gar kein Banker, sondern Diener eines Bankmanagers. Er hat seine Biografie erfunden. Bob bittet um einen Vorsprung, damit er verschwinden kann. Und Pete, der jetzt alle Macht über ihn hat, lässt ihn bleiben und sagt nur, er sei ab sofort tabu. Pete hat gelernt. Er weiß, was mit Leuten geschieht, die man bloßstellt, denn er hat es mit Don versucht, vor fünf Staffeln, und Bert Cooper hat ihm damals gesagt: Wen interessiert’s? Jetzt macht er es genauso. Das ist eine der schönsten Entwicklungen, die Pete je durchgemacht hat.

Meine Einschätzung: Eine sehr gute vorletzte Folge mit zwei Glanzlichtern: Betty und Sally im Auto, und Pete, der Bob Benson verschont und damit endlich Bert Coopers alte Lektion begreift. Dons Sabotage am Aspirin-Spot ist hässlich und genau beobachtet, und Peggys Satz trifft. Der Internat-Ausflug mit Glen und Rollo ist etwas überladen, und dass Bob Benson ein zweiter Don ist, ahnte man schon.

Wertung (Claude): 8,5/10