Mad Men 6.10: „A Tale of Two Cities”
Don Draper treibt mit dem Gesicht nach unten in einem Swimmingpool in Hollywood. So weit ist es gekommen. Roger springt hinterher und zieht ihn heraus, Don hustet Wasser, die Partygäste stehen herum. Es ist das Bild einer ganzen Staffel, die immer wieder vom Ertrinken und vom Tod geredet hat, und hier wird es fast wahr.
Wie kommt Don in diesen Pool? Er fliegt mit Roger nach Kalifornien, um Carnation als Kunden zu gewinnen. Im Flugzeug gibt Roger ihm den Rat: Sei glatt, sei oberflächlich, sei du selbst. Das Treffen mit Carnation läuft holprig, und abends schleppt Harry die beiden auf eine Party in den Hollywood Hills, wo die alten Männer in Anzügen zwischen den Hippies wirken wie Besucher aus einem anderen Jahrzehnt. Dort taucht Danny Siegel auf, der schlechte Texter aus Staffel 4, Janes Cousin, dessen Slogan Don einst im Rausch geklaut hat und der jetzt Filmproduzent ist, mit einer Freundin namens Lotus. Roger macht Witze über ihn, und Danny schlägt ihm dafür in den Schritt. Eine kleine, sehr befriedigende Rache.
Don findet eine Wasserpfeife mit Haschisch, raucht, und dann beginnt eine Halluzination. Megan erscheint, als Blumenkind gekleidet, sie hat ihren Job gekündigt, weil sie die Trennung nicht ertragen hat, und sie ist schwanger. Eine zweite Chance, sagt sie. Es ist Dons Wunschtraum von einer Frau, die alles für ihn aufgibt. Dann verwandelt sich die Vision in den Soldaten, dessen Braut Don auf Hawaii zum Altar geführt hat. Er hat einen Arm verloren und sagt, er sei tot. Und dann sagt er: Sterben macht dich nicht ganz. Gleich darauf sieht Don sich selbst im Pool treiben.
Dieser Satz ist der Schlüssel. Seit der ersten Folge der Staffel denkt Don über den Tod nach, liest Dante, entwirft eine Hawaii-Werbung, die wie ein Selbstmord aussieht. Und hier sagt ihm ein Toter, dass der Tod keine Lösung ist. Ob Don das versteht, lässt die Serie offen. Ich finde die Vision stärker als die Drogenszenen in „The Crash", weil sie konzentrierter ist.
Während Don in Kalifornien schwimmt, sieht Megan im Fernsehen, wie die Polizei beim Parteitag der Demokraten in Chicago auf Demonstranten einprügelt. Am Telefon zieht Don sie damit auf, dass Kanadier sowieso nicht wählen dürfen, und merkt erst spät, dass sie den Tränen nahe ist. Draußen bricht Amerika auseinander, und im Büro bricht die Agentur auseinander.
Denn in New York tobt ein Machtkampf. Jim Cutler, Teds Partner, will die Firma übernehmen und schiebt die alten Sterling-Cooper-Leute an den Rand. Ginsberg gerät mit ihm aneinander, wird bei einem Kundentermin für Manischewitz ausgebootet, und Bob Benson übernimmt. Ginsberg fragt Bob unvermittelt, ob er schwul sei, und Bob antwortet nicht. Cutler belohnt Bob mit einem Platz im Chevy-Team.
Die beste Geschichte gehört aber Joan. Sie geht mit einem Mann von Avon essen, glaubt zunächst an ein Date und merkt dann, dass es ein Geschäftstermin ist. Sie könnte Avon an Land ziehen. Pete will den Kunden an sich reißen und sagt ihr gönnerhaft, sie bekomme ja die Lorbeeren. Am nächsten Tag kommt Joan im Kostüm zur Besprechung und übernimmt einfach. Peggy macht ihr danach Vorwürfe, sie habe die Hierarchie umgangen, und die beiden streiten heftig. Peggy fühlt sich von Joan nie unterstützt, Joan fühlt sich unterschätzt. Als Dons Name fällt, stellt Peggy klar, dass sie nie mit ihm geschlafen hat. Ein bitteres Gespräch zwischen zwei Frauen, die beide in einer Männerwelt kämpfen und sich trotzdem nicht beistehen. Am Ende aber hilft Peggy Joan doch, und Ted stellt sich auf ihre Seite.
Und dann bekommt die Agentur endlich einen Namen: Sterling Cooper & Partners. Cutler sagt, es sei das Einzige, das alle gleichermaßen beleidige. Pete ist außer sich, für ihn ist der Name der Anfang vom Ende. Er geht in die Kreativabteilung, nimmt Stan einen Joint aus der Hand und raucht ihn, während Janis Joplin läuft. Pete Campbell kifft. Ein herrliches Schlussbild.
Meine Einschätzung: Eine gute, etwas unruhige Folge. Dons Halluzination mit dem toten Soldaten und dem Satz übers Sterben ist ein Höhepunkt, Joans Avon-Coup und ihr Streit mit Peggy sind stark. Danny Siegels Schlag in Rogers Schritt ist ein schöner Gag, Pete mit dem Joint ein noch schönerer. Aber der Machtkampf um Cutler und den Agenturnamen bleibt Büropolitik ohne viel Gewicht, und die Folge springt zwischen zu vielen Strängen.
Wertung (Claude): 8/10