Mad Men 6.9: „The Better Half”
Am Ende dieser Folge steht Peggy allein im Flur zwischen zwei Büros. Links schließt Ted seine Tür, rechts schließt Don seine. Kein Wort, nur zwei Türen, die zugehen. Ein einfaches Bild, und es fasst Peggys ganze Staffel zusammen: Sie hat die beiden Männer, zwischen denen sie steht, nicht ausgesucht, und keiner von beiden ist für sie da.
Angefangen hat es mit Margarine. Don und Ted streiten über den richtigen Ansatz für Fleischmann’s und holen Peggy dazu, damit sie entscheidet. Peggy weigert sich, Partei zu ergreifen. Don folgt ihr ins Büro und wirft ihr vor, sie drücke sich, eine Entscheidung zu treffen sei professionell. Peggy dreht den Spieß um: Er zwinge sie, zwischen ihm und Ted zu wählen. Ted gebe ihr nie so ein Gefühl. Don antwortet trocken, Ted kenne sie eben nicht. Ein grausamer Satz, und leider ein wahrer.
Ted gesteht Peggy dann, dass er in sie verliebt ist, dass er sich eine Zukunft mit ihr vorgestellt hat. Peggy gibt zu, dass sie an den Kuss gedacht hat. Und während das passiert, zerfällt ihr Privatleben auf eine fast groteske Weise. Abe ist auf dem Heimweg niedergestochen worden, weigert sich aber, mit der Polizei zu reden, und zeigt Verständnis für die Täter. Dann fliegt ein Stein durchs Schlafzimmerfenster. Peggy hat Angst, bastelt sich nachts einen Speer aus einer Stange, und als Abe überraschend früher nach Hause kommt, sticht sie ihn damit in den Bauch. Im Krankenwagen versucht sie, ihn zu beruhigen, und Abe macht mit ihr Schluss: Ihre Arbeit in der Werbung beleidige ihn, sie sei der Feind. Eine Trennung im Krankenwagen, auf der Trage, das ist gleichzeitig tragisch und so absurd, dass man nicht weiß, ob man lachen darf.
Am nächsten Tag sagt Peggy zu Ted, sie sei jetzt Single. Ted, der ihr gerade noch seine Liebe gestanden hat, antwortet, es gebe noch andere Fische im Meer, und schickt sie zurück an die Arbeit. Er hat Angst vor dem, was er gesagt hat. Und Peggy steht im Flur.
Der zweite große Strang gehört Betty und Don, und er ist wunderbar. Betty ist wieder schlank und will wissen, ob sie noch begehrt wird. Bei einer Spendengala macht ihr ein Mann ein eindeutiges Angebot, Henry ist eifersüchtig und gleichzeitig angetan. Die echte Bestätigung aber kommt im Sommerlager von Bobby, wo Betty und Don ihren Sohn besuchen. Bobby ist stolz, seine Eltern zusammen zu zeigen, und die drei singen gemeinsam ein Lagerlied. Ein seltener Moment, in dem Don ein echter Vater ist. Abends trinken Betty und Don vor ihrem Motelzimmer und schlafen miteinander.
Was danach kommt, ist eines der klügsten Gespräche der Serie. Betty liegt im Bett und sagt Don, sie liebe es, wie er sie ansieht, wenn er sie will, aber sein Blick verblasse jedes Mal, sobald er sie hat. Don spricht von Nähe und Einsamkeit, als wäre das, was gerade passiert ist, etwas Großes. Betty fragt nach Megan und sagt dann den Satz der Folge: Das arme Mädchen wisse nicht, dass ihn zu lieben der schlechteste Weg sei, an ihn heranzukommen. Betty hat Don durchschaut, nach all den Jahren, und sie ist dabei nicht verbittert, eher nachsichtig. Am nächsten Morgen sitzt sie mit Henry beim Frühstück, als wäre nichts gewesen. January Jones spielt diese Szenen mit einer Ruhe, die man Betty lange nicht zugetraut hätte.
Megan spielt in ihrer Seifenoper inzwischen Zwillingsschwestern, eine davon mit blonder Perücke, und sie erklärt Don, die beiden seien zwei Hälften eines Menschen, die dasselbe wollen und es nur unterschiedlich verfolgen. Daher der Titel, und er passt auf Betty und Megan genauso. Eine Kollegin, Arlene, küsst Megan, als die ihr gesteht, wie einsam sie in ihrer Ehe ist. Megan weist sie zurück. Als Don aus dem Lager kommt, sagt Megan ihm auf dem Balkon, er sei nicht mehr da. Don gibt ihr recht und nimmt sie in den Arm. Glauben kann man es nicht.
Daneben gibt es Roger, der einen verpatzten Nachmittag mit seinem Enkel verbringt und dann bei Joan um Zugang zu seinem Sohn Kevin wirbt. Joan lässt ihn abblitzen: Man könne sich auf ihn nicht verlassen. Lieber geht sie mit Bob Benson an den Strand. Und Bob Benson hilft Pete, eine Pflegerin für seine Mutter zu finden. Er ist zu allen freundlich, und genau das macht ihn so rätselhaft.
Meine Einschätzung: Eine stark geschriebene Folge mit zwei herausragenden Szenen: Betty im Motel, die Don endlich durchschaut, und Peggy im Flur zwischen den zwei Türen. Abes Unfall ist schwarzer Humor an der Grenze zur Farce, aber er erfüllt seinen Zweck. Megans Strang mit Arlene wirkt dagegen eher angedeutet als ausgearbeitet, und Rogers Familiengeschichte bleibt eine Nebensache.
Wertung (Claude): 8,5/10