Serienkritiken

Mad Men 6.8: „The Crash”

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Das ist die seltsamste Folge der ganzen Serie, und sie ist so gemeint. Drei Tage lang arbeitet die fusionierte Agentur ein Wochenende durch, für Chevrolet, und Jim Cutler, der neue Partner von Teds Seite, holt einen Arzt ins Büro, der allen eine „Vitaminspritze" verabreicht. In Wahrheit ist es Speed. Die Folge selbst ist auf diesem Trip. Die Kamera wackelt, die Zeit springt, Szenen hören mittendrin auf, und man weiß nicht immer, was wirklich passiert und was Don sich einbildet.

Schon der Anfang ist absurd. Ken fährt eine Gruppe betrunkener Chevy-Manager durch die Nacht, sie drängen ihn, schneller zu fahren und dabei die Augen zuzuhalten, und natürlich gibt es einen Unfall. Am nächsten Tag humpelt Ken in die Besprechung. Chevrolet hat alles abgelehnt, was die Agentur bisher gebracht hat, und Teds Partner Frank Gleason ist gerade an Krebs gestorben. Die Stimmung ist mies, und die Spritze verspricht eine Lösung.

Was dann folgt, ist teils komisch, teils beklemmend. Stan stammelt endlose Slogans. Ken legt mit einem Gehstock eine Stepptanz-Nummer hin, eine der lustigsten Sachen, die die Serie je gezeigt hat. Und Don verliert sich in einem einzigen Gedanken: Er will Sylvia zurück. Sie hat ihn angerufen und ihm gesagt, er solle aufhören, vor dem Dienstboteneingang ihres Hauses herumzulungern. Ihr Mann hat seine Zigarettenstummel gefunden. Don glaubt nun, im Archiv eine alte Kampagne finden zu müssen, die ihm die perfekte Botschaft für Sylvia liefert. Er durchsucht drei Tage lang Akten und findet eine Haferflocken-Werbung mit dem Slogan „Weil du weißt, was er braucht". Als er geht, fragt Peggy ihn genervt, woran er eigentlich die ganze Zeit gearbeitet hat. Er hat nichts. Er hat einen Liebesbrief gesucht.

Warum ihn das so packt, zeigen wieder die Rückblenden ins Bordell. Der junge Dick Whitman liegt erkältet im Bett, und eine der Prostituierten pflegt ihn, kocht ihm Suppe, ist zärtlich zu ihm. Sie ist auch die Frau, mit der er zum ersten Mal schläft. Als seine Stiefmutter das erfährt, schlägt sie ihn mit einem Holzlöffel. Hier liegt der Kern von Dons Liebesbild: Zärtlichkeit kam von einer Frau, die man bezahlte, und Strafe von der, die ihn hätte lieben sollen. Sylvia ist für ihn die Frau, die ihn pflegt, und deshalb kann er sie nicht loslassen. Das erklärt Don fast zu ausdrücklich, aber es ist eine wichtige Einsicht.

Die eigentliche Katastrophe passiert aber zuhause. Megan ist im Theater, Sally passt auf ihre Brüder auf. Nachts steht eine ältere schwarze Frau in der Küche und behauptet, sie sei „Grandma Ida", sie habe Don großgezogen. Sally glaubt ihr nicht, aber sie ist ein Kind und weiß nicht, was sie tun soll. Bobby fragt, ob sie dann auch schwarz seien. Erst als Ida den Fernseher von der Wand nehmen will, ist klar: Sie ist eine Einbrecherin. Sie flieht, bevor die Polizei kommt. Don kommt heim und findet Betty, Henry, Megan, die Kinder und Polizisten in der Wohnung. Er hat die Tür zum Dienstboteneingang offen gelassen, weil er nachts zu Sylvia wollte. Und dann kippt er einfach um.

Am Montag ist Don nüchtern. Im Aufzug trifft er Sylvia und sagt ihr kaum etwas. Er ruft Sally an, um sich zu entschuldigen, und Sally sagt etwas, das ihn trifft: Als sie die Frau über ihn ausfragte, habe sie gemerkt, wie wenig sie über ihren Vater weiß. Das ist der wahre Einbruch dieser Folge. Ida hat den Fernseher nicht mitgenommen, aber sie hat Sally gezeigt, dass Dons Vergangenheit ein leerer Raum ist, den jeder füllen kann.

Ein kleineres Detail bleibt hängen: Wendy, Frank Gleasons Tochter, hört mit einem Stethoskop Dons Herz ab und sagt, es sei gebrochen. Und Peggy kümmert sich um Stan, nachdem ihn ein Messer im Arm getroffen hat, sie küssen sich kurz. Stan trauert um seinen Cousin, der in Vietnam gefallen ist, und Peggy rät ihm, seinen Schmerz nicht mit Drogen und Sex zu betäuben. Er schläft dann trotzdem mit Wendy.

Meine Einschätzung: Eine mutige, wilde Folge, die viele Fans gespalten hat, und ich verstehe beide Seiten. Formal ist sie ein Experiment, das größtenteils aufgeht: Kens Stepptanz, Dons Suche im Archiv, Sallys Begegnung mit Grandma Ida sind unvergesslich. Der Satz über ihren Vater ist einer der traurigsten der Serie. Gleichzeitig ist die Folge an manchen Stellen nur noch Delirium, und die Bordell-Rückblenden sind mir zu erklärend. Ein großartiges Durcheinander, aber eben ein Durcheinander.

Wertung (Claude): 8/10