Serienkritiken

Mad Men 6.7: „Man with a Plan”

Lesestand

Der erste Arbeitstag nach der Fusion hat etwas von einem Klassentreffen, bei dem keiner weiß, ob er noch eingeladen ist. Zwei Agenturen ziehen in ein Büro, Schreibtische werden verteilt, Namen verschwinden. Roger genießt es sichtlich, Burt Peterson zu feuern, den er schon einmal hinausgeworfen hat, vor Jahren bei Sterling Cooper. Burt beschimpft ihn, und Roger beschwert sich, Burt habe ihm den Abschied gestohlen. Joan und Peggy begrüßen sich herzlich, als hätten sie sich vermisst. Und Joan rettet Bob Benson vor der Kündigung, eine kleine Entscheidung, die sich lohnen wird.

Der eigentliche Machtkampf der Folge findet zwischen Don und Ted statt. Ted ist ein fleißiger Chef, er leitet die Brainstormings, er kennt die Fakten, er sorgt sich um seine Leute. Don kommt vierzig Minuten zu spät und bringt eine Flasche mit. Er lädt Ted zum Trinken ein, und Ted, der beweisen will, dass er mithalten kann, liegt bald betrunken auf dem Sofa und jammert, er habe Hunger. Es ist ein Spiel, und Don gewinnt es mühelos. Peggy durchschaut es und stellt Don zur Rede: Er solle aufhören, Ted vorzuführen, und endlich nach vorne schauen. Wie oft sie das schon sagen musste.

Ted bekommt dann von seinem krebskranken Partner Frank Gleason einen klugen Rat: Er solle nicht versuchen, Don zu sein. Sein eigenes Talent reiche aus. Und Ted spielt dann seine Karte. Er ist Pilot und fliegt Don und Pete zu einem Termin mit Mohawk Airlines, mitten durch ein Unwetter. Don sitzt neben ihm, schwitzt, umklammert die Lehne, und Ted liest dabei gelassen die Zeitung. Am Ende muss Don zugeben, dass die Kunden von Teds Flug mehr beeindruckt sein werden als von allem, was er selbst je präsentieren könnte. Eine wunderbare, fast stumme Machtumkehr. Und Pete, den man nicht mitgenommen hat, sagt zuhause bitter, Ted könne seine Mutter ruhig in die Hölle fliegen.

Petes Mutter ist inzwischen dement und zieht bei ihm in die Stadtwohnung ein, weil sein Bruder sie nicht nehmen will. Sie hält ihren verstorbenen Mann für lebendig. Pete, aus dem Haus geworfen, in der Agentur vom Rand bedroht, muss sich nun um die Mutter kümmern, die ihm nie Wärme gegeben hat. Es ist traurig, ein bisschen komisch und ganz Pete.

Und dann ist da Don mit Sylvia. Sie ruft ihn an, sie brauche ihn, und sie treffen sich in einem Hotelzimmer. Was folgt, ist das Unangenehmste, was man bisher in Dons Liebesleben gesehen hat. Er befiehlt ihr, auf allen Vieren seine Schuhe zu holen, sich auszuziehen, im Bett zu warten. Er nimmt ihr das Buch weg, damit sie nichts zu tun hat, und er lässt sie im Zimmer zurück, während er zur Arbeit geht. Er schickt ihr ein rotes Kleid und sagt ihr, sie existiere in diesem Raum nur zu seinem Vergnügen. Das ist kein erotisches Spiel, es ist ein Versuch, Kontrolle über einen Menschen zu haben, wenn sie im Rest seines Lebens fehlt. Sylvia macht eine Weile mit und beendet es dann ganz ruhig. Es sei Zeit, nach Hause zu gehen. Don sagt, er wolle das nicht. Sie antwortet, es sei leicht, etwas aufzugeben, wenn man sich schämt. Danach sieht Don aus wie ein Kind, das man stehen gelassen hat.

Die schönste Nebenszene gehört Joan. Ihr ist schlecht, sie erbricht im Büro, und Bob Benson bringt sie in die Notaufnahme und sorgt mit einem Trick dafür, dass sie schnell drankommt. Am nächsten Tag kommt er vorbei, mit einem Football für ihren Sohn. Joans Mutter ist entzückt. Joan findet ihn zu jung. Bob Benson ist so freundlich, dass es fast verdächtig wirkt, und die Serie lässt das bewusst offen.

Am Ende kommt die Nachricht: Robert Kennedy ist erschossen worden. Zwei Monate nach King. Megan ist erschüttert, Don sitzt neben ihr und wirkt seltsam abwesend. Die Welt bricht auseinander, und Don hat gerade nur seine Niederlage bei Sylvia im Kopf.

Meine Einschätzung: Eine sehr starke Folge über Macht und Kontrolle, beruflich wie privat. Der Flug durch das Unwetter ist ein genialer kleiner Wendepunkt im Duell Don gegen Ted, und Sylvias Abschiedssatz gehört zu den besten Dialogzeilen der Staffel. Die Hotelszenen sind schwer auszuhalten, und das ist ihr Zweck. Abzug, weil Sylvia als Figur bis zum Schluss vor allem eine Projektionsfläche für Don bleibt und das Ende mit Kennedy diesmal eher angehängt wirkt als durchdrungen.

Wertung (Claude): 8,5/10