Serienkritiken

Mad Men 6.6: „For Immediate Release”

Lesestand

Diese Folge endet mit einem Twist, der die Serie umbaut: Don Draper und Ted Chaough, die Rivalen der letzten Folgen, legen ihre Agenturen zusammen. Peggy, die vor einer Staffel gekündigt hat, um aus Dons Schatten herauszukommen, sitzt am Ende an ihrer Schreibmaschine und tippt die Pressemitteilung über die Fusion. Sie ist wieder bei ihm gelandet, und sie hat es nicht gewollt. Das ist bitter und gleichzeitig sehr komisch, und genau diese Mischung macht die Folge so gut.

Angefangen hat alles mit einem Akt, auf den man fünf Folgen gewartet hat. Bei einem Abendessen mit Herb Rennet, dem Jaguar-Händler, für den Joan sich prostituieren musste, schlägt Herb wieder vor, einer seiner Leute solle sich Dons Arbeit ansehen. Don schiebt ihm eine Karte über den Tisch, mit dem Namen der Person, die sich künftig um seinen Etat kümmert, und sagt ihm, er solle ihm ein letztes Essen bezahlen. Er ist es leid, Herb ständig entgegenzukommen. Als Zuschauer jubelt man. Das Problem ist nur: Pete, Joan und Bert haben gerade heimlich den Börsengang der Agentur vorbereitet, für elf Dollar die Aktie, und Jaguar war ein tragender Pfeiler dieser Rechnung. Don hat das nicht gewusst. Sein schönster Moment ist gleichzeitig sein teuerster.

Am nächsten Tag folgt eine der großartigsten Slapstick-Szenen der Serie. Pete brüllt Don auf der Treppe an und fällt sie dann rückwärts hinunter. Joan bringt alle in einen Konferenzraum und verliert dort ihre Fassung. Sie sagt zu Don, sie habe all das umsonst durchgemacht. Ein Satz, der aus einem Triumph etwas sehr Unangenehmes macht. Don hat Joan gerächt, aber er hat sie dabei nicht gefragt, und er hat ihr Opfer damit wertlos gemacht. Christina Hendricks spielt diesen Satz sparsam und vernichtend.

Pete hat ohnehin eine Woche aus der Hölle. Er läuft in einem Bordell ausgerechnet seinem Schwiegervater Tom Vogel über den Weg. Ken beruhigt ihn noch, der Mann könne nichts sagen, ohne sich selbst zu verraten. Ein paar Tage später kündigt Vogel der Agentur den Vicks-Etat. Pete fährt zu Trudy, erzählt ihr, was er gesehen hat, und sie glaubt ihm nicht, sie wirft ihn hinaus. Er wollte den Schwiegervater bloßstellen und hat nur sich selbst zerstört. Vincent Kartheiser spielt das wieder mit dieser Mischung aus Wut und Selbstmitleid, die Pete so unerträglich und so menschlich macht.

Roger ist inzwischen auf Kundenfang am Flughafen. Er hat eine Affäre mit Daisy, einer Angestellten in der Flughafenlounge, die ihm Tipps gibt, wenn wichtige Geschäftsleute durchkommen. So kommt er an einen Mann von Chevrolet und verschafft der Agentur die Chance auf den größten Etat ihrer Geschichte. Das Problem: Ted Chaoughs Agentur ist ebenfalls im Rennen. Beide Agenturen sind zu klein, um Chevrolet allein zu stemmen. Nachts in einer Hotelbar in Detroit sitzen Don und Ted zusammen, und Don schlägt die Fusion vor. Zwei Männer, die sich gehasst haben, merken, dass sie dasselbe Problem haben. Die Szene ist kurz und trocken, und sie funktioniert, weil man in beiden Gesichtern dieselbe Mischung aus Erschöpfung und Hunger sieht.

Und Peggy erlebt dazwischen einen kleinen Riss. Sie sagt Ted, er sei stark, und er küsst sie, entschuldigt sich sofort. Danach denkt sie nur noch an ihn. Zuhause, in ihrer neuen Wohnung in einer Gegend, die sie hasst, sagt sie zu Abe, sie wolle, dass alles wieder so sei wie früher. Das ist ein schlechtes Zeichen für Abe und ein noch schlechteres für Peggy, denn am Ende der Folge wird sie wieder mit Don arbeiten und mit Ted, der sie geküsst hat.

Daneben gibt es Megans Mutter Marie, die zu Besuch ist und Roger am Telefon so kalt abfertigt, dass es eine Freude ist. Und Dr. Rosen, Sylvias Mann, der seinen Job hinwirft, weil ihn das Schicksal nicht auserwählt habe. Don antwortet ihm, er glaube nicht an Schicksal, man schaffe sich seine Gelegenheiten selbst. Ein Satz, der die ganze Folge zusammenfasst.

Meine Einschätzung: Eine der unterhaltsamsten Folgen der Serie, mit hohem Tempo, viel Witz und einem Twist, der die Serie wirklich verändert. Dons Bruch mit Jaguar ist ein großer Moment, Joans Satz danach ein noch größerer, und Petes Sturz die Treppe hinunter ist zum Weinen komisch. Die Fusion kommt plötzlich, aber sie ist gut vorbereitet. Mein einziger Kritikpunkt: Teds Kuss und Peggys Schwärmerei wirken etwas zu schnell, und Megan ist hier wieder nur Kulisse.

Wertung (Claude): 9/10