Serienkritiken

Mad Men 6.4: „To Have and to Hold”

Lesestand

Sylvia trägt ein Kreuz um den Hals. Als sie mit Don in ihrer Wohnung ist, bittet er sie, es abzunehmen. Sie sagt, sie bete für ihn, damit er Frieden finde. Don legt das Kreuz beiseite und küsst sie. Eine kurze Szene, aber eine der ehrlichsten über Dons Zustand in dieser Staffel: Er will nicht, dass jemand für ihn betet, und er will vor allem nicht, dass ihm jemand dabei zusieht, wie er etwas tut, das er selbst für falsch hält.

Die Ironie der Folge ist, dass Don zur selben Zeit seiner Frau etwas übelnimmt, was viel harmloser ist. Megan bekommt in ihrer Seifenoper eine Liebesszene, ihre Kollegin rät ihr, Don vorher davon zu erzählen. Don sagt, er würde sich für sie freuen, wenn er nicht ihr Mann wäre. Dann besucht er das Set, schaut zu, wie sie einen anderen Mann küsst, und macht ihr in der Garderobe eine Szene. Megan weint. Ein Mann, der eine Affäre mit der Nachbarin im Stockwerk unter ihm hat, ist eifersüchtig auf einen Fernsehkuss. Das ist so heuchlerisch, dass es fast komisch wäre, wenn Megan einem nicht so leid täte.

Beruflich geht es um Ketchup, und die Geschichte ist ein kleines Meisterstück. Don hat heimlich mit dem Ketchup-Mann von Heinz verhandelt, obwohl der Bohnen-Kunde von Heinz ihm das ausdrücklich verboten hat. Das Projekt läuft unter Geheimhaltung, Stan arbeitet daran in einem verschlossenen Raum. Beim Pitch präsentiert Don den Slogan „Pass the Heinz", Anzeigen, die Pommes und Burger ohne Ketchup zeigen, damit der Leser das Fehlende selbst ergänzt. Eine elegante Idee. Dann muss er draußen warten, und durch die Tür hört er die nächste Agentur präsentieren: Peggy. Sie verkauft ihre Idee mit genau den Sätzen, die sie bei ihm gelernt hat. Don hört sich selbst sprechen, aus dem Mund seiner ehemaligen Schülerin. Am Ende gewinnt keiner von beiden, Heinz geht zu einer dritten Agentur, und der Bohnen-Kunde kündigt Don, weil er von dem Seitensprung erfahren hat. Stan zeigt Peggy beim Rausgehen den Mittelfinger. Ein bitteres, sehr schönes Ende für diesen Strang.

Joan hat die beste Nebengeschichte. Sie feuert die Sekretärin Scarlett, weil die ihre Stempelkarte gefälscht hat. Harry, für den Scarlett arbeitet, überstimmt sie einfach, vor allen Leuten. Harry hat gerade einen großen Fernsehdeal abgeschlossen und hält sich für unersetzlich. In der Partnerrunde verlangt er einen Platz am Tisch und lässt dabei durchblicken, wie Joan zu ihrem gekommen ist. Das ist widerlich, und Joan schluckt es. Harry bekommt am Ende einen Bonus-Scheck, aber keine Partnerschaft.

Dazwischen gibt es einen leichteren, aber wichtigen Strang. Joans alte Freundin Kate kommt zu Besuch, eine Vertreterin für Mary Kay, die zu Avon wechseln will. Die beiden ziehen abends los, trinken, flirten, küssen in einem Taxi einen fremden Mann. Am nächsten Morgen gesteht Kate, dass sie Joan um ihren Erfolg beneidet. Joan antwortet, man behandle sie immer noch wie eine Sekretärin. Ein offenes, schwesterliches Gespräch, das zeigt, wie hohl Joans Partnerschaft sich anfühlt, wenn die Männer am Tisch sie nicht ernst nehmen.

Meine Einschätzung: Eine starke Folge, vor allem wegen des Ketchup-Strangs, in dem Don seine eigenen Worte aus Peggys Mund hört. Joan gegen Harry ist unangenehm und wichtig, Dons Eifersucht auf Megans Liebesszene heuchlerisch und gerade deshalb gut beobachtet. Etwas blass bleibt Kates Besuch, und Dons Affäre mit Sylvia hat immer noch zu wenig eigenes Leben.

Wertung (Claude): 8,5/10