Mad Men 6.3: „Collaborators”
Am Ende dieser Folge setzt Don sich auf den Boden. Er kommt aus Sylvias Wohnung zurück, steht vor seiner eigenen Tür, und statt hineinzugehen, lehnt er sich gegen die Wand im Hausflur und sitzt einfach da. Zwischen zwei Wohnungen, zwischen zwei Frauen, zwischen zwei Leben. Ein schlichtes, sehr treffendes Bild für eine Folge über Menschen, die sich mit ihren Lügen arrangieren.
Die Affäre mit Sylvia läuft. Don und Sylvia leben im selben Haus, ihre Ehepartner essen zusammen, man trifft sich im Aufzug und in der Waschküche. Don lässt ihr beim Gehen ein paar Dollar da, als wäre es ein Scherz, und es ist kein Scherz. Beim Abendessen zu viert, als der Arzt zu einem Notfall muss, bleiben Don und Sylvia allein im Restaurant und streiten, und Don sagt ihr etwas Grobes über ihr Kleid. Danach warnt sie ihn, sich bloß nicht in sie zu verlieben. Die Beziehung ist schmutziger als alle früheren Affären, und genau das scheint Don zu suchen.
Warum, zeigen die Rückblenden. Der junge Dick Whitman kommt mit seiner schwangeren Stiefmutter in ein Haus, das ihre Schwester führt, und es ist ein Bordell. Dort lebt ein Mann namens Mack, der sofort klarmacht, wer der Herr im Haus ist. Am Ende der Folge schaut Dick durch ein Schlüsselloch und sieht Mack mit seiner Stiefmutter im Bett. Die Serie erklärt Don hier nicht vollständig, aber sie deutet an, woher sein Bild von Liebe und Sex kommt: aus einem Haus, in dem beides eine Ware war. Ich finde diese Rückblenden wichtig, auch wenn sie etwas zu deutlich sagen, was sie meinen.
Megan erlebt in derselben Folge etwas, das Don nicht weiß. Sie hatte eine Fehlgeburt und hat es ihm nicht erzählt. Stattdessen vertraut sie sich ausgerechnet Sylvia an, in der Waschküche. Die Frau, die mit ihrem Mann schläft, wird ihre Vertraute. Als Megan es Don am Abend endlich sagt, kommt er gerade vom Essen mit Sylvia. Die Ironie ist kaum auszuhalten.
Pete hat ebenfalls eine Affäre, mit einer Nachbarin, Brenda, und er führt sie mit derselben Mischung aus Gier und Unbeholfenheit wie alles in seinem Leben. Dann steht Brenda nachts blutend vor seiner Haustür, ihr Mann hat sie geschlagen, und Trudy kümmert sich um sie. Am nächsten Morgen stellt Trudy Pete zur Rede, und ihre Reaktion ist großartig: Keine Scheidung, aber eine Bannmeile. Er dürfe sich der Familie nicht mehr nähern als bis zu seiner Wohnung in der Stadt, und wenn er das Spiel nicht mitspiele, werde sie ihn vernichten. Alison Brie spielt Trudy hier mit einer Kälte, die man ihr nach fünf Staffeln als nette Ehefrau nicht zugetraut hätte. Für mich der stärkste Moment der Folge.
Im Büro gibt es einen kleinen, aber bedeutsamen Sabotageakt. Herb Rennet, der Jaguar-Händler, mit dem Joan in der letzten Staffel schlafen musste, will die Werbekampagne in eine Richtung drängen, die ihm persönlich nützt. Don präsentiert Herbs Vorschlag den Jaguar-Managern so lustlos, dass sie ihn ablehnen. Roger nennt es die geschickteste Selbstzerstörung, die er je gesehen hat. Don rächt Joan auf seine Art, und es ist eine der wenigen Taten in dieser Staffel, die man ihm hoch anrechnet.
Und Peggy steht vor einem eigenen Gewissenskonflikt. Stan erzählt ihr im Vertrauen am Telefon, dass Dons Agentur den Ketchup-Etat von Heinz nicht anrühren darf. Peggy erzählt es ihrem Chef Ted. Ted macht daraus einen Auftrag: Peggy soll nun selbst Ketchup akquirieren. Sie protestiert, das sei vertraulich gewesen. Ted antwortet, so gewinne man Kriege. Peggy ist jetzt eine Kollaborateurin, und der Titel der Folge passt auf sie genauso wie auf Don.
Meine Einschätzung: Eine dichte Folge über Lügen und Komplizenschaft, mit Trudys Ultimatum und Dons Jaguar-Sabotage als Höhepunkten. Megans Fehlgeburt, die sie ausgerechnet Sylvia anvertraut, ist bitter gut erzählt. Die Bordell-Rückblenden sind wichtig, aber etwas plakativ, und Dons Affäre mit Sylvia bleibt mir als Figurenbeziehung noch zu blass.
Wertung (Claude): 8,5/10