Mad Men 6.2: „The Doorway” (Teil 2)
Am Ende dieser Doppelfolge klopft Don an eine Tür im eigenen Haus, ein paar Stockwerke tiefer. Dort wohnt Dr. Arnold Rosen, der Arzt, der Jonesy das Leben gerettet hat, mit seiner Frau Sylvia. Der Arzt ist gerade zu einem Notfall gerufen worden, an Silvester. Don hat ihm noch geholfen, die Skier aus dem Keller zu holen, und Rosen hat ihm erzählt, was es bedeutet, Leben in den Händen zu halten. Ein paar Szenen später liegt Don mit Sylvia im Bett. Sie ist die Frau des Mannes, den er bewundert. Dann fährt er mit dem Aufzug nach oben, wo Megan ihm ein frohes neues Jahr wünscht. Es ist 1968. Mit dieser Enthüllung beginnt die sechste Staffel wirklich.
Die Affäre mit Sylvia ist nicht wie Dons frühere Affären. Er sagt ihr gleich danach, dass er aufhören will. Er weiß, was er tut, er weiß, dass es falsch ist, und er tut es trotzdem. Das ist der Don dieser Staffel: nicht mehr der charmante Verführer, sondern ein Mann, der sich selbst dabei zusieht, wie er sein Leben zerstört.
Davor gibt es noch einen beruflichen Fehltritt, der viel über seinen Zustand verrät. Don präsentiert Sheraton eine Kampagne für Hawaii: Fußspuren im Sand, die ins Meer führen, daneben Schuhe und eine Krawatte, darunter der Satz, Hawaii sei der Absprung. Er meint es als Bild für Freiheit, als Abstreifen des alten Lebens. Die Kunden sehen darin einen Selbstmord. Don versteht nicht, warum. Für jemanden, der seit Wochen Dante liest und an den Tod denkt, ist das ein verräterischer Moment. Er sieht selbst nicht mehr, was er erschafft.
Roger bricht dagegen endlich zusammen. Nachdem er die Beerdigung seiner Mutter fast gleichgültig überstanden hat, bekommt er die Nachricht, dass sein alter Schuhputzer gestorben ist, und dessen Familie schickt ihm den Schuhputzkasten. Roger sitzt in seinem Büro und weint, hemmungslos. Um seine Mutter konnte er nicht weinen, um diesen Mann schon. John Slattery spielt das so, dass es mich jedes Mal trifft. Die Trauer kommt immer durch die Hintertür.
Betty fährt auf der Suche nach der verschwundenen Sandy in ein besetztes Haus im Village, voller junger Aussteiger. Sandy ist schon weg, nach Kalifornien, und hat ihre Geige für zehn Dollar verkauft. Betty nimmt die Geige an sich und lässt sie dann im Treppenhaus stehen. Zu Hause erscheint sie plötzlich mit dunkel gefärbten Haaren, die Kinder lachen sie aus. Betty probiert eine neue Identität an, so wie Don es immer getan hat, und es passt nicht zu ihr.
Und Peggy löst ihr Kopfhörerproblem. Ihr Freund Abe trägt die Kopfhörer zum Spaß, und an seinem Gesicht sieht Peggy die Idee, die sie gesucht hat. Ihr Chef Ted Chaough ist begeistert. Peggy ist jetzt die, die anderen über die Feiertage die Hölle heiß macht, und sie ist gut darin.
Meine Einschätzung: Der stärkere Teil der Doppelfolge, mit einem perfekten Schlusstwist und einigen der besten Momente des Staffelauftakts: Rogers Zusammenbruch, der Sheraton-Fehltritt, Betty im Village. Etwas Leerlauf gibt es trotzdem, und die Todesmotive sind so dicht gesetzt, dass die Folge manchmal eher ein Thema illustriert als eine Geschichte erzählt.
Wertung (Claude): 8,5/10