Mad Men 6.1: „The Doorway” (Teil 1)
Die sechste Staffel beginnt mit einem Herzinfarkt. Durch die Augen eines Mannes, der am Boden liegt, sehen wir eine Frau schreien und einen Arzt, der sich über ihn beugt. Es ist Jonesy, der Portier in Dons Wohnhaus, und er überlebt. Später fragt ihn Don, betrunken, was er gesehen hat, als er tot war. Diese Frage zieht sich durch die ganze Doppelfolge: Was ist da drüben, auf der anderen Seite der Tür?
Don und Megan machen Urlaub auf Hawaii, bezahlt von Sheraton, einem Kunden der Agentur. Megan ist inzwischen Schauspielerin in einer Seifenoper, und als eine Touristin sie um ein Autogramm bittet, strahlt sie. Don nicht. Nachts kann er nicht schlafen, geht an die Hotelbar und trifft einen jungen Soldaten auf Heimaturlaub aus Vietnam. Der Soldat heiratet am nächsten Tag am Strand und bittet Don, die Braut zum Altar zu führen. Er schenkt ihm ein Feuerzeug. Don, selbst einst ein Soldat, der aus dem Krieg mit einem fremden Namen zurückkam, steht da und führt eine fremde Frau zu einem fremden Mann. Kaum ein Wort, aber ein starkes Bild. Und die ganze Zeit liest er Dantes „Inferno".
Zurück in New York stirbt Rogers Mutter, mit 91 Jahren. Roger ist erstaunlich ungerührt, er macht Witze, erzählt seinem Therapeuten, er fühle eigentlich nichts. Die Beerdigung wird zur Farce: Rogers Ex-Frauen sind da, Jane bietet ihm den Ring seiner Mutter an, ein übereifriger Neuer namens Bob Benson schickt ungefragt ein Buffet, und Don erscheint betrunken und übergibt sich in einen Schirmständer. Roger verliert die Fassung, als seine Ex-Frau Mona mit ihrem neuen Mann auftaucht. Später liegt er unter den Pelzmänteln auf dem Bett seiner Mutter. Die Trauer, die er verweigert, sucht sich ihren Weg.
Bei den Francis‘ wohnt eine junge Geigerin, Sandy, eine Freundin von Sally, die angeblich an die Juilliard-Schule geht. Betty beobachtet sie mit einer Mischung aus Neid und Zärtlichkeit, macht Henry gegenüber einen grausamen Scherz über sie und hat nachts in der Küche ein überraschend offenes Gespräch mit ihr. Sandy gesteht, dass sie abgelehnt wurde und nur in New York leben will. Betty erinnert sich an ihre eigenen Jahre als junges Model in der Stadt. Für einen Moment sieht man in Betty die Frau, die sie einmal war.
Und Peggy, inzwischen Texterchefin bei der Konkurrenzagentur, steckt in einer Krise. Ein Witz in einer Late-Night-Show über Soldaten in Vietnam macht ihren geplanten Super-Bowl-Werbespot für Kopfhörer untragbar. Sie muss mitten in den Feiertagen eine Lösung finden, ihr Chef ist nicht erreichbar, und man sieht sofort: Peggy führt inzwischen genauso wie Don, mit Härte und Ungeduld gegenüber ihren Leuten.
Meine Einschätzung: Ein düsterer, gemächlicher Auftakt, der die Staffel ganz auf Tod und Vergänglichkeit stimmt. Hawaii ist atmosphärisch stark, die Beerdigung von Rogers Mutter eine der besten Tragikomödien der Serie. Betty und Sandy sind ein interessanter Strang. Aber der erste Teil wirkt auch etwas mäandernd, und Dantes „Inferno" in Dons Händen ist mir als Hinweis zu deutlich.
Wertung (Claude): 8/10