Mad Men 5.13: „The Phantom”
Don hat Zahnschmerzen. Die ganze Folge über. Er trinkt Whiskey, stopft Watte in den Mund, weigert sich, zum Zahnarzt zu gehen. Der Schmerz wird schlimmer, fauler, und als er endlich unter Narkose auf dem Stuhl liegt, erscheint ihm Adam, sein toter Bruder, und sagt ihm, das Problem sei nicht der Zahn. Ein Finale über Dinge, die in einem verrotten, während man so tut, als sei alles in Ordnung.
Der Zahn ist natürlich Lane, auch wenn niemand das ausspricht. Die Agentur hatte das beste Quartal ihrer Geschichte, und dazu kommt eine Lebensversicherung von 175.000 Dollar aus Lanes Tod. Die Partner planen neue Büros. Don besteht darauf, Lanes Witwe die 50.000 Dollar zurückzuzahlen, die Lane in die Firma gesteckt hatte. Er bringt ihr den Scheck persönlich. Rebecca Pryce nimmt ihn, und dann sagt sie ihm, was sie denkt: Die Agentur habe ihren Mann verdorben, und Don habe immer nur an sich selbst gedacht. Don hat keine Antwort.
Megan steckt fest. Ihre Schauspielkarriere kommt nicht voran, ein Probefilm wird abgelehnt, ihre Mutter wirft ihr Selbstmitleid vor. Dann bittet eine Freundin sie, ihr ein Vorsprechen für einen Werbespot zu besorgen, den Dons Agentur dreht. Megan will die Rolle selbst. Sie bittet Don, sie zu empfehlen. Don lehnt ab: Sie solle jemandes Entdeckung sein, nicht jemandes Ehefrau. Megan weint im Bad. Später sieht Don sich allein im Büro ihren Probefilm an und lächelt. Und dann bekommt sie die Rolle. Am Set, als Schöne im Märchenkostüm, küsst Megan ihn und sagt, dass sie ihn liebt. Don geht von der Bühne weg, durch die dunkle Kulisse, ins Nichts, während Nancy Sinatra „You Only Live Twice" singt.
In einer Bar bestellt er einen Old Fashioned. Eine Frau spricht ihn an und fragt, ob er allein sei. Don sieht sie an, ohne jede Regung. Mit diesem Blick endet die Staffel. Er hat seiner Frau ihren Traum geschenkt und dafür bekommen, was er immer bekommt: die Gewissheit, dass er sie nicht halten kann. Und er sitzt wieder an einer Bar, ganz der alte Don.
Pete hat seine eigene Phantomgeschichte. Beth, die Frau aus dem Pendlerzug, ruft ihn ins Hotel. Dort eröffnet sie ihm, dass sie an Depressionen leidet und eine Elektroschocktherapie beginnt, die ihr Gedächtnis löschen kann, auch die Erinnerung an ihn. Pete fleht sie an, es nicht zu tun. Als er sie danach im Krankenhaus besucht, erkennt sie ihn nicht. Pete erzählt ihr, als wäre es die Geschichte eines Freundes, von einer Affäre, die nur ein Pflaster auf einer tieferen Wunde war. Es ist einer der zartesten Pete-Momente der Serie. Danach prügelt er sich im Zug mit Beths Mann, wird hinausgeworfen und erzählt Trudy, er sei am Steuer eingeschlafen. Trudy, besorgt, erlaubt ihm endlich eine Wohnung in der Stadt. Pete bekommt, was er wollte, auf die traurigste mögliche Weise.
Und Peggy? Sie ist bei der neuen Agentur angekommen und bekommt dort ausgerechnet den Auftrag, eine Zigarette für Frauen zu bewerben. Don trifft sie zufällig im Kino, sagt ihr, er sei stolz auf sie, aber er habe nicht gedacht, dass ihr Erfolg ohne ihn passieren würde. Dann sehen wir Peggy in einem schäbigen Hotel in Richmond, mit einem Glas Wein, und sie lächelt. Sie ist auf Geschäftsreise, wie früher Don.
Das Finale schließt mit einer Montage: Peggy im Hotel, Pete allein mit Kopfhörern in der Dunkelheit, Roger nackt am Fenster, die Arme ausgebreitet, Joan und die Partner in den neuen leeren Büros. Jeder schaut in eine Zukunft, die er nicht kennt.
Meine Einschätzung: Ein stilles, melancholisches Finale, das mehr Nachhall als Höhepunkt ist. Die Zahnmetapher ist sehr deutlich gesetzt, aber sie trägt, und Rebeccas Vorwurf trifft ins Mark. Megans Werbespot und Dons Gang durch die Kulisse ergeben ein großartiges Bild, Peggys Lächeln im Hotel ist wunderschön. Nach den beiden überragenden Folgen davor wirkt es allerdings etwas wie ein Ausatmen, und Petes Beth-Strang ist schöner als er wichtig ist.
Wertung (Claude): 8,5/10