Serienkritiken

Mad Men 5.12: „Commissions and Fees”

Lesestand

Lane Pryce hat versucht, sich in seinem neuen Jaguar das Leben zu nehmen, mit den Abgasen, in der eigenen Garage. Der Wagen springt nicht an. Er bricht sich die Brille, als er die Motorhaube öffnet, und sitzt dann einfach da, während der Jaguar, das Prestigeauto der Agentur, ihn im Stich lässt. Es gehört zu den grausamsten Momenten der Serie, weil er fast komisch ist. Am nächsten Morgen fährt Lane ins Büro und erhängt sich in seinem Zimmer.

Der Weg dahin ist kurz und unerbittlich. Bert Cooper stößt beim Durchsehen der Finanzen auf den Scheck mit Dons Unterschrift und hält ihn für eine unerlaubte Prämie, die Don sich selbst genehmigt hat. Don sieht sofort, dass er die Unterschrift nicht geleistet hat, und weiß, wer es war. Er ruft Lane zu sich. Lane gesteht, entschuldigt sich, erklärt, das Geld habe ihm ohnehin zugestanden, er hätte es zurückgezahlt. Don bleibt ruhig, fast freundlich, aber unnachgiebig: Lane soll kündigen, mit Würde, ohne Skandal. Er rät ihm, sich einen eleganten Abgang zu überlegen. Don meint es nicht böse. Er gibt Lane die Chance, die ihm selbst einst gegeben wurde: neu anfangen, Vergangenheit abstreifen. Aber Lane ist nicht Don. Für ihn gibt es keinen Neuanfang, nur Scham.

Und ausgerechnet am selben Tag bietet ihm der Branchenverband den Vorsitz eines Finanzausschusses an. Und abends überrascht ihn seine Frau mit einem neuen Jaguar, gekauft mit Geld, das sie nicht haben. Die Ironie ist so grausam, dass man sie kaum aushält.

Am Morgen danach bemerkt Joan, dass Lanes Bürotür blockiert ist. Pete, Harry und Ken schauen durch das Fenster des Nachbarzimmers und sehen ihn. Die Folge zeigt die Reaktionen, nicht lange den Körper. Don besteht darauf, ihn abzunehmen, man könne ihn nicht so hängen lassen. Er denkt an Adam, seinen Bruder, der sich in Staffel 1 erhängte, nachdem Don ihn weggeschickt hatte. Zum zweiten Mal hat Don jemandem gesagt, er solle gehen, und zum zweiten Mal ist dieser Mensch tot. Jon Hamm spielt das nur mit dem Gesicht, und es reicht. Lanes Abschiedsbrief ist ein förmliches Kündigungsschreiben, ohne ein persönliches Wort. Auch im Tod bleibt er korrekt.

Neben dieser Tragödie erzählt die Folge eine ganz andere Geschichte, und gerade der Kontrast macht sie so stark. Sally bleibt übers Wochenende bei Don und Megan und lädt Glen in die Stadt ein. Die beiden gehen ins Naturkundemuseum, Glen sagt ihr, er sehe sie wie eine kleine Schwester. Und dann bekommt Sally dort ihre erste Periode. Sie rennt nicht zu Megan, sondern nach Hause zu Betty. Betty nimmt sie in den Arm und erklärt ihr freundlich, dass ihr Körper nur das tut, was er soll. Es ist eine der wärmsten Mutter-Tochter-Szenen der Serie, und eine der seltenen, in denen Betty genau richtig reagiert.

Don ist in dieser Folge außerdem wild entschlossen, groß zu denken. Er will Dow Chemical gewinnen, einen riesigen Konzern, und erklärt ihnen, er wolle nicht die Hälfte des Marktes, sondern alles. Ehrgeiz, der fast wie Trotz wirkt. Am Ende fährt er Glen zurück ins Internat. Glen sagt ihm, alles, wovon man glaube, es mache einen glücklich, werde am Ende zu Müll. Don fragt ihn, was er tun würde, wenn er alles tun könnte. Dann lässt er den Jungen sein Auto fahren, die Hand am Lenkrad, und Glen lächelt. Ein leiser, fast versöhnlicher Schluss nach einer der dunkelsten Folgen der Serie.

Meine Einschätzung: Eine erschütternde Folge, die Lanes Ende mit großer Würde und ohne Effekthascherei erzählt. Jared Harris war in dieser Staffel herausragend, und sein Abschied gehört zu den traurigsten Momenten der Serie. Der Kontrast mit Sallys Erwachsenwerden ist mutig und funktioniert. Kleiner Abzug für den Dow-Strang, der neben allem anderen fast verloren geht, und für Glen, der mir am Ende eine Spur zu weise sein darf.

Wertung (Claude): 9,5/10