Mad Men 5.11: „The Other Woman”
Endlich etwas Schönes, das man wirklich besitzen kann. Das ist der Slogan, mit dem Sterling Cooper Draper Pryce den Jaguar gewinnt, und es ist kein Zufall, dass er wie eine Beschreibung von Frauen klingt. Diese Folge erzählt, was Besitz in dieser Welt bedeutet, und sie tut es mit einer Härte, die mir auch beim dritten Sehen noch den Magen umdreht. Sie gilt vielen als eine der besten Folgen der Serie, und als eine der unangenehmsten. Beides stimmt.
Die Agentur will Jaguar um jeden Preis. Einer der Männer im Entscheidungsgremium, Herb Rennet, Chef des Händlerverbands, lässt Pete und Ken beim Abendessen wissen, was ihn überzeugen würde: eine Nacht mit Joan. Pete trägt das Joan vor, als wäre es ein ganz normales Geschäft. Joan ist empört und sagt ihm, Herb könne sich das gar nicht leisten. Pete bringt das Thema trotzdem in die Partnerbesprechung und behauptet, Joan sei nicht abgeneigt. Don verlässt angewidert den Raum. Die anderen Partner beschließen, Joan 50.000 Dollar anzubieten. Roger zuckt mit den Schultern, Bert stimmt zu, Lane rechnet. Nur Don will nichts damit zu tun haben.
Und dann tut Lane etwas, das man erst im Rückblick versteht. Er rät Joan, kein Geld zu nehmen, sondern einen Anteil von fünf Prozent an der Firma, eine echte Partnerschaft mit Stimmrecht. Das sichere ihre Zukunft. Lane, der selbst gerade Geld gestohlen hat und es nicht zurückzahlen kann, verhindert so, dass eine Barzahlung von 50.000 Dollar seine eigene Fälschung ans Licht bringt. Und er gibt Joan zugleich den klügsten Rat ihres Lebens. Beides ist wahr, und genau das macht Lane zu einer so traurigen Figur.
Was mich an dieser Folge immer wieder umhaut, ist die Erzählweise. Don erfährt von Joans Entscheidung, fährt abends zu ihr, um sie davon abzubringen. Er sagt, kein Kunde sei das wert. Joan lächelt ihn an, dankt ihm, und Don geht erleichtert. Erst danach zeigt die Folge, dass das Gespräch nach Joans Nacht mit Herb stattgefunden hat. Don kam zu spät. Diese eine zeitliche Verschiebung verwandelt eine rührende Szene in eine vernichtende. Joan hat das getan, und der einzige Mann, der sie davon abhalten wollte, wusste es nicht. Christina Hendricks spielt Joans Lächeln in dieser Szene mit einer Mischung aus Dankbarkeit und Abschied, die ich nicht vergessen kann.
Parallel dazu verliert Don Peggy. Sie arbeitet seit Wochen am Rand, wird vom Jaguar-Team ausgeschlossen, weil sie eine Frau ist, rettet für einen anderen Kunden eine Kampagne in letzter Minute, und Don will den Auftrag an Ginsberg weitergeben. Als Peggy sich beschwert, wirft er ihr Geld ins Gesicht und sagt, sie solle nach Paris fliegen. Damit ist es vorbei. Freddy Rumsen rät ihr, nicht nur zu drohen, sondern wirklich zu gehen. Peggy trifft Ted Chaough, Dons Konkurrenten, nennt ihre Gehaltsforderung, und er bietet ihr mehr. Sie nimmt an.
Die letzte Szene zwischen Don und Peggy ist eine der größten der Serie. Peggy sagt ihm, dass sie geht. Don glaubt, sie wolle mehr Geld, und will verhandeln. Peggy sagt, es gehe nicht ums Geld. Don begreift. Er nimmt ihre Hand und küsst sie, ganz lange, und Peggy kämpft mit den Tränen. Dann geht sie zum Aufzug, und während sie wartet, lächelt sie. Elisabeth Moss und Jon Hamm spielen das ohne ein überflüssiges Wort. Es ist ein Abschied zwischen zwei Menschen, die sich gegenseitig mehr bedeutet haben, als einer von ihnen je zugeben würde.
Und Megan? Sie hat ein Vorsprechen, bei dem die Männer sie bitten, sich umzudrehen, damit sie ihren Körper begutachten können. Auch sie wird an diesem Tag angesehen wie ein Auto.
Meine Einschätzung: Eine der besten und schmerzhaftesten Folgen der ganzen Serie. Die Parallelführung von Joans Nacht, Peggys Abschied und dem Jaguar-Pitch ist meisterhaft, die zeitliche Verschiebung bei Joan ein brillanter Kunstgriff, Peggys Abgang ein Höhepunkt. Der einzige Einwand, den ich habe: Manche haben der Folge vorgeworfen, Joan zu einer Entscheidung zu treiben, die nicht ganz zu ihr passt. Ich finde, die Folge macht ihre Gründe nachvollziehbar, aber der Einwand ist nicht ganz von der Hand zu weisen.
Wertung (Claude): 10/10