Mad Men 5.10: „Christmas Waltz”
Lane Pryce fälscht eine Unterschrift. Ein Scheck über 7.500 Dollar, ausgestellt auf sich selbst, unterschrieben mit Don Drapers Namen. Lane schuldet dem britischen Finanzamt Geld, muss es binnen zwei Tagen überweisen, hat es nicht, und niemand darf es wissen. Diese kleine, stille Szene ist der wichtigste Moment der Folge, auch wenn sie beim ersten Sehen fast untergeht. Wer die Serie kennt, sieht ihr anderes Gewicht.
Lanes Plan ist eigentlich durchdacht. Die Agentur hat einen Kreditrahmen, und wenn zu Weihnachten Prämien an die Partner gezahlt werden, kann er das Loch stillschweigend wieder stopfen. Doch dann streicht Mohawk Airlines wegen eines Streiks sein Werbebudget, und die Partner beschließen, nur den Angestellten Prämien zu zahlen und auf die eigenen zu verzichten. Bei der Mitarbeiterversammlung jubeln alle, Don hält eine mitreißende Rede über die Zukunft, und Lane verlässt den Raum blass und schweigend. Jared Harris spielt das so, dass einem der Magen sinkt. Man sieht einem anständigen Mann zu, der gerade in eine Falle getreten ist, die er selbst gebaut hat.
Der heiterste Strang der Folge ist eine Wiedersehensfreude mit Hindernissen. Paul Kinsey ist zurück, mit kahlgeschorenem Kopf und Mönchsgewand, als Mitglied der Hare-Krishna-Bewegung. Er hat einen Drehbuchentwurf für „Raumschiff Enterprise" geschrieben und hofft, dass Harry ihn bei NBC unterbringt. Der Entwurf ist furchtbar, Harry und Peggy sind sich einig. Pauls Freundin, eine Krishna-Anhängerin, verführt Harry, nur um ihm danach zu sagen, er solle Paul in Ruhe lassen, denn Paul sei der beste Anwerber der Bewegung. Harry steht vor einer Entscheidung, und er trifft eine überraschend gute: Er belügt Paul, das Drehbuch sei abgelehnt worden, gibt ihm 500 Dollar und ein Flugticket nach Los Angeles und rät ihm, neu anzufangen. Harry, der Witzfigur der Agentur, gelingt hier ein Akt echter Freundlichkeit, wenn auch auf einer Lüge gebaut.
Die schönste Szene der Folge aber gehört Don und Joan. Joan bekommt im Büro die Scheidungspapiere zugestellt und zertrümmert wütend ein Flugzeugmodell auf dem Empfangstresen. Don nimmt sie mit, und die beiden gehen in einen Jaguar-Showroom, geben sich als Ehepaar aus und machen eine Probefahrt. Danach sitzen sie in einer Bar, trinken und reden über früher, über Männer, über das Älterwerden. Don gesteht, dass er Joan in den ersten Jahren gar nicht ansprechen mochte, weil er sie für unerreichbar hielt. Er drängt sie, mit einem anderen Mann an der Bar zu flirten, und geht. Am nächsten Tag bekommt Joan Blumen, unterschrieben mit dem Namen eines berühmten Playboys. Es ist das erste Mal in der Serie, dass Don und Joan wirklich miteinander reden, und es ist so warm und so elegant gespielt, dass man sich wünscht, die Serie hätte den beiden mehr solcher Momente gegönnt.
Zu Hause wartet Megan wütend auf Don, der betrunken nach Hause kommt. Die beiden waren vorher in einem Theaterstück, das die Werbung angreift, und Megan hat sich dabei nicht so geschämt, wie Don es sich gewünscht hätte. Ein kleiner Streit, aber er zeigt, dass Megans neue Welt nicht Dons Welt ist.
Meine Einschätzung: Eine ausgewogene, warme Folge mit einem dunklen Kern. Lanes Fälschung ist die wichtigste Wendung der Staffel, Don und Joan in der Bar eine der schönsten Szenen der Serie, Paul und Harry eine gelungene Mischung aus Komik und Rührung. Etwas schwächer ist der Megan-Strang, der eher Andeutung als Geschichte bleibt, und das Tempo ist ruhiger als bei den Folgen davor.
Wertung (Claude): 8,5/10