Mad Men 5.9: „Dark Shadows”
Neid. Das ist das Thema dieser Folge, und kaum eine Figur bleibt davon verschont. Betty beneidet Megan um ihre Jugend und ihre Figur, Pete beneidet jeden, dessen Name in der Zeitung steht, Roger beneidet den jungen Mann, der mit seiner Ex-Frau flirtet. Und Don, der Mann, der nie jemanden beneiden musste, stellt fest, dass ein junger Texter besser ist als er. Was er dann tut, ist eine der kleinlichsten Taten seiner Karriere.
Michael Ginsberg ist auf einem Höhenflug. Für die Erfrischungsgetränke-Marke Sno Ball schlägt er eine Idee vor, die alle begeistert. Don hat ebenfalls eine, einen Teufel, der in einen Sno Ball beißt, und beide Ideen sollen präsentiert werden. Doch im Taxi zum Kunden lässt Don Ginsbergs Entwürfe einfach liegen. Absichtlich. Präsentiert wird nur seine eigene Idee, und sie gewinnt. Als Ginsberg ihn im Aufzug zur Rede stellt und sagt, er habe Mitleid mit ihm, antwortet Don eiskalt, er denke überhaupt nicht an ihn. Ein Satz, der wie eine Ohrfeige trifft und gleichzeitig verrät, wie sehr Don an ihn denkt. Für mich der Moment, in dem Don endgültig aufhört, der souveräne Meister zu sein. Er kämpft jetzt um seinen Platz wie alle anderen.
Betty hat sich bei den Weight Watchers eingeschrieben und kämpft mit jedem Bissen. Als sie Sally in Dons Wohnung bringt, sieht sie Megan beim Umziehen, jung, schlank, mühelos. Und dann findet sie einen liebevollen Zettel, den Don Megan geschrieben hat. Bettys Reaktion ist so grausam wie raffiniert: Sally macht für die Schule einen Familienstammbaum, und Betty rät ihr, Dons erste Frau Anna als verstorben einzutragen. Sally weiß nicht, wer Anna ist, und Betty schickt sie, das bei Megan zu erfragen. Betty benutzt ihre eigene Tochter als Waffe gegen ihren Ex-Mann. Es funktioniert, Sally ist verwirrt und wütend, Megan in der Zwickmühle. Doch Don erklärt Sally ruhig, wer Anna war, und dass ihre Mutter versucht, ihn zu verletzen. Am Ende erzählt Sally Betty, dass Don und Megan ganz liebevoll von Anna sprächen. Betty bleibt allein zurück und fegt wütend eine Schachtel vom Tisch. Ihr Plan ist nach hinten losgegangen.
Die schönste Betty-Szene ist aber eine stumme: Sie sprüht sich Sprühsahne direkt in den Mund, spuckt sie wieder aus und seufzt. Kein Wort, nur diese Geste, und man versteht alles über ihre Einsamkeit. Und an Thanksgiving, als jeder sagen soll, wofür er dankbar ist, sagt Betty mit giftigem Lächeln etwas, das in Wahrheit ein Seitenhieb gegen alle anderen ist, und genießt danach jede Gabel ihrer winzigen Portion.
Roger bekommt den Auftrag, den koscheren Wein Manischewitz für ein nichtjüdisches Publikum zu bewerben. Er bezahlt Ginsberg heimlich aus eigener Tasche für Ideen, was Peggy, die übergangen wurde, als Verrat empfindet. Und er bittet Jane, beim Kundendinner noch einmal seine Ehefrau zu spielen. Sie stimmt zu, wenn er ihr eine neue Wohnung kauft. Nach dem Dinner schläft er mit ihr in der neuen Wohnung, und Jane sagt ihm danach, er habe ihr den Neuanfang ruiniert. Ein trauriger Moment für zwei Menschen, die sich nicht mehr lieben und trotzdem nicht loskommen.
Und Pete phantasiert davon, dass Beth ihn bewundert, wenn er endlich in der New York Times auftaucht. Der Artikel erscheint, und Pete wird nicht erwähnt. Er ruft Don wütend an, Don wimmelt ihn ab.
Meine Einschätzung: Eine bittere, sehr gut gebaute Folge über Neid in allen Varianten. Dons Sabotage an Ginsberg ist der wichtigste Moment, sein „Ich denke überhaupt nicht an dich" einer der besten Sätze der Staffel. Bettys Strang ist gemein und menschlich zugleich, die Sprühsahne unvergesslich. Abzug für Rogers Strang, der im Vergleich etwas beliebig wirkt, und für Pete, der nur seine bekannte Unzufriedenheit wiederholt.
Wertung (Claude): 8,5/10