Mad Men 5.8: „Lady Lazarus”
Am Ende dieser Folge legt Megan Don eine Platte auf, damit er endlich versteht, was die jungen Leute hören: „Tomorrow Never Knows" von den Beatles, das seltsamste Lied auf „Revolver", mit rückwärts laufenden Bändern und einem Text über das Loslassen des Denkens. Don setzt sich hin, hört zu, gibt sich Mühe. Nach etwa einer Minute steht er auf, hebt die Nadel und geht aus dem Zimmer. Die Sechziger haben ihn überholt, und er hat es gerade bemerkt.
Der Weg dorthin beginnt mit einer Lüge. Megan verschwindet abends, angeblich zu einem Essen mit Don. Peggy deckt sie, ohne zu wissen wofür, und verhaspelt sich am Telefon so ungeschickt, dass es zum Lachen ist. Am nächsten Morgen stellt sie Megan auf der Toilette zur Rede, und Megan gesteht: Sie war bei einem Vorsprechen für ein Off-Broadway-Stück. Sie hat die Rolle nicht bekommen, aber sie weiß jetzt, dass sie die Schauspielerei vermisst. Peggy ist fassungslos: Andere würden für diesen Job töten. Für Peggy, die sich jeden Schritt hart erkämpft hat, ist es fast eine Beleidigung, dass jemand so einfach hinwerfen will, was ihr zugeflogen ist.
Nachts weckt Megan Don und sagt ihm, sie wolle wieder spielen. Don rät erst ab, gibt dann nach. Am nächsten Tag kündigt sie unter Tränen, und Don bringt sie zum Aufzug. Als er danach noch einmal den Knopf drückt, öffnen sich die Türen, und dahinter ist kein Aufzug, nur der leere Schacht. Don blickt in die Tiefe und tritt zurück. Ein Bild, so deutlich wie ein Warnschild, und trotzdem wirkungsvoll. Im Büro erzählt er Roger, Megan solle ihren Traum verfolgen, damit sie nicht so werde wie Betty oder ihre Mutter. Er meint es gut, und er merkt nicht, dass er sie damit gleichzeitig verliert.
Peggy muss Megan ersetzen, ausgerechnet bei der Cool-Whip-Präsentation, bei der Don und Megan einen kleinen Ehepaar-Sketch aufführen sollten. Mit Peggy funktioniert das nicht. Sie verpatzt den Slogan, die beiden geraten aneinander, und Peggy sagt Don etwas, das sie sich in den ersten Staffeln nie getraut hätte: Er sei gar nicht wütend auf sie, also solle er den Mund halten. Ein großartiger kleiner Moment.
Petes Strang ist das dunkle Gegenstück. Ein Nachbar aus dem Pendlerzug, Howard, prahlt mit seiner Geliebten in der Stadt. Pete fährt dessen Frau Beth nach Hause, deckt Howards Lüge, und Beth, die genau weiß, was ihr Mann tut, verführt Pete. Danach sagt sie, seine Augen erinnerten sie an Fotos der Erde aus dem All, und das finde sie traurig. Es dürfe sich nie wiederholen. Pete bucht trotzdem ein Hotelzimmer, wartet mit Champagner, und sie kommt nicht. Er wirft das Glas gegen die Wand. Alexis Bledel spielt Beth mit einer seltsamen, traurigen Schwerelosigkeit, und Pete wirkt neben ihr wie ein Junge, der nicht versteht, warum er nicht bekommt, was er will.
Und dann noch ein kleiner Werbeschmerz: Ein Kunde will Musik wie die Beatles, die Agentur kann sich die echten nicht leisten, also findet man eine Kopie. Don hält die Kopie für das Original. Er kann den Unterschied nicht mehr hören.
Meine Einschätzung: Eine Folge über Menschen, die von einem anderen Leben träumen, mit einem der berühmtesten Schlussbilder der Staffel. Megans Kündigung ist mutig erzählt, Peggys Wut verständlich, Dons Einsamkeit am Plattenspieler unvergesslich. Petes Affäre mit Beth ist atmosphärisch stark, wenn auch etwas zu sehr Stimmungsbild. Abzug für den Aufzugschacht, der als Symbol mit dem Zaunpfahl winkt.
Wertung (Claude): 8,5/10