Mad Men 5.7: „At the Codfish Ball”
Sally Draper wird erwachsen, und zwar an einem einzigen Abend. Sie darf mit ihrem Vater zu einem Galadinner, trägt ein hübsches Kleid, hat sich geschminkt und Stiefel angezogen, bis Don sie zurückschickt, das alles wieder auszuziehen. Sie will dazugehören zur glitzernden Welt der Erwachsenen. Und dann öffnet sie eine Tür und sieht etwas, das ein Kind nicht sehen sollte. Am Ende fragt Glen am Telefon, wie die Stadt sei, und Sally antwortet nur: schmutzig. Mit diesem einen Wort endet eine der klügsten Folgen der Staffel.
Megans Eltern sind zu Besuch aus Montreal. Ihr Vater Emile, ein linker Intellektueller, verachtet Don und alles, wofür die Werbung steht. Ihre Mutter Marie ist charmant, gelangweilt und flirtet mit jedem. Die beiden streiten auf Französisch, und Don versteht kein Wort. Ein schönes Detail: Don, der Mann, der jedes Gespräch dominiert, sitzt am eigenen Tisch und wird übergangen. Dazu kommt Sally, die mit Bobby bei Don wohnt, weil sich Henrys Mutter Pauline den Knöchel gebrochen hat. Sally hat in der Notsituation erstaunlich ruhig reagiert, Don ist stolz auf sie.
Die beste berufliche Geschichte gehört Megan. Heinz ist unzufrieden, die Agentur droht den Kunden zu verlieren. Megan hat eine Idee: Eine Mutter serviert ihrem Kind Bohnen, quer durch die Geschichte, von der Steinzeit bis in die Zukunft, mit dem Slogan, manche Dinge änderten sich nie. Beim Abendessen mit dem Heinz-Chef bekommt sie mit, dass er die Agentur feuern will, flüstert es Don zu, und der präsentiert die Idee spontan am Tisch. Der Kunde ist begeistert. Megan hat einen Instinkt fürs Geschäft, der selbst Don überrascht. Am nächsten Tag gratuliert ihr Peggy und sagt einen schönen, wehmütigen Satz: Megan zuzuschauen sei wie das erste Mal noch einmal erleben, so gut werde dieser Job nicht wieder. Peggy freut sich ehrlich, und man spürt trotzdem den Stich.
Peggy hat ihre eigene große Szene. Abe lädt sie in ein schickes Restaurant ein, und Peggy fürchtet, er wolle Schluss machen. Joan ist sicher, er werde einen Antrag machen. Es ist weder noch: Abe schlägt vor, zusammenzuziehen. Peggy ist kurz enttäuscht und sagt dann ja. Als sie es ihrer Mutter erzählt, reagiert die mit kalter Verachtung, nennt es Leben in Sünde und prophezeit, Abe werde sie nur benutzen, bis er die Richtige zum Heiraten findet. Ein harter Moment, und eine Mutter, die ihrer Tochter keinen Schritt in die Zukunft gönnt.
Dann das Galadinner der Amerikanischen Krebsgesellschaft, das Don für seinen Anti-Tabak-Brief ehrt. Roger will dort neue Kunden gewinnen. Don will glänzen. Und der Vater von Kens Verlobter, ein einflussreicher Manager, nimmt Don beiseite und sagt ihm ehrlich, warum keiner mit der Agentur arbeiten will: Alle bewundern ihn, aber niemand traut ihm. Wer einmal die Hand gebissen hat, die ihn gefüttert hat, dem gibt man keine mehr. Der Brief, Dons brillantester Schachzug, hat sich als Bumerang erwiesen.
Währenddessen flirtet Megans Mutter Marie offen mit Roger, und als Sally durch die Räume streift, öffnet sie eine Tür und sieht die beiden in eindeutiger Situation. Die glamouröse Welt, in die sie unbedingt wollte, zeigt ihr an diesem Abend ihr wahres Gesicht.
Meine Einschätzung: Eine thematisch sehr schöne Folge über Kinder und Eltern, Erwartungen und Enttäuschungen. Sallys Abend ist der rote Faden, und ihr letztes Wort sitzt perfekt. Megans Heinz-Erfolg und Peggys Reaktion sind wunderbar, die Warnung des Managers an Don ist ein wichtiger Wendepunkt. Kleiner Abzug für die Eltern Calvet, die manchmal mehr Karikatur als Figur sind.
Wertung (Claude): 9/10