Serienkritiken

Mad Men 5.2: „A Little Kiss” (Teil 2)

Lesestand

Der erste Teil gehörte der Party, der zweite gehört dem Morgen danach. Und wie das mit Morgen nach Partys so ist: Alles, was am Abend charmant wirkte, sieht bei Tageslicht anders aus. Die Doppelfolge beginnt mit Protest und endet mit Fortschritt, aber dazwischen liegt ein ziemlich ernüchterter Wochenanfang.

Megan bekommt im Büro mit, wie die Kollegen über ihren Auftritt lästern, mit anzüglichen Bemerkungen, die sie nicht hören sollte. Sie geht früher nach Hause. Peggy merkt, dass etwas nicht stimmt, und entschuldigt sich bei Megan und bei Don, obwohl sie selbst gar nichts gesagt hat. Und Peggy hat ihre eigenen Sorgen: Ihre ehrgeizige Idee für Heinz, ein Bohnenballett, fällt beim Kunden durch, und Don verteidigt sie nur halbherzig. Peggy spürt, dass er sich verändert hat. Der Don, der früher für eine Idee gekämpft hätte, will jetzt pünktlich nach Hause. Das ist für mich der klügste Faden der ganzen Doppelfolge: Glück macht Don bequem, und Peggy ist diejenige, die es als Erste merkt.

Zu Hause kommt es zum ersten richtigen Streit der Ehe. Megan putzt wütend die Wohnung, in Unterwäsche, provozierend, und Don weiß nicht, ob er wütend oder hingerissen sein soll. Der Streit kippt in etwas zwischen Machtkampf und Versöhnung. Danach sagt Megan, dass sie im Büro niemand mag, und überlegt, ob sie kündigen soll. Don sagt, ihm sei nur sie wichtig. Und ganz nebenbei erfährt man etwas Entscheidendes: Don hat Megan die Wahrheit über Dick Whitman erzählt. Zum ersten Mal hat er eine Ehe ohne dieses Geheimnis begonnen. Ob das reicht, um ein anderer Mann zu sein, wird die Staffel zeigen.

Joan hat ihr Baby bekommen, Kevin, und sitzt mit ihrer Mutter zu Hause. Die Mutter zeigt ihr eine Stellenanzeige der Agentur und deutet an, man wolle sie ersetzen. Joan erscheint, das Baby auf dem Arm, im Büro, und während das Kind von Hand zu Hand gereicht wird, versichert Lane ihr, dass alle sie zurückhaben wollen. Ein kleiner, schöner Moment zwischen zwei Menschen, die beide wissen, wie wenig selbstverständlich ihr Platz in dieser Firma ist.

Lane selbst hat einen der seltsamsten Stränge der Serie. Er findet im Taxi eine Brieftasche, verliebt sich in das Foto einer fremden Frau und flirtet mit ihr am Telefon. Als der Besitzer die Brieftasche abholt, behält Lane heimlich das Foto. Ein einsamer Mann, der sich in eine Fantasie flüchtet, und die Folge lässt das so traurig stehen, wie es ist.

Pete setzt sich endlich durch: Er bekommt Harrys größeres Büro mit Fenster, damit er Kunden standesgemäß empfangen kann. Und er rächt sich an Roger, indem er ihn zu einem erfundenen Termin um sechs Uhr morgens schickt.

Dann das Ende. Sterling Cooper Draper Pryce hatte als Witz eine Anzeige geschaltet, man sei ein Arbeitgeber für alle, eine Spitze gegen Young & Rubicam. Am nächsten Morgen sitzt das Wartezimmer voller schwarzer Bewerberinnen und Bewerber, die die Anzeige ernst genommen haben. Die Partner wissen nicht, was sie tun sollen, und Lane sammelt hilflos Bewerbungsunterlagen ein. Ein bitteres Schlussbild: Die Sechziger stehen im Foyer, und die Agentur hatte sie nur als Pointe gemeint.

Meine Einschätzung: Der stärkere Teil, wenn es um Figuren geht, der schwächere, wenn es um Tempo geht. Peggys Enttäuschung über Don, der Streit der Drapers und das Ende mit den Bewerbern sitzen. Lanes Brieftaschen-Geschichte ist schräg und rührend, aber sie bremst, und manches wirkt wie Aufräumarbeit nach der Party. Zusammen mit Teil 1 ein guter, aber kein großer Staffelauftakt.

Wertung (Claude): 8/10