Serienkritiken

Mad Men 5.1: „A Little Kiss” (Teil 1)

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Anderthalb Jahre Pause zwischen den Staffeln, und Mad Men meldet sich mit einem Lied zurück. Megan Draper steht in ihrem neuen Wohnzimmer vor den Kollegen ihres Mannes und singt „Zou Bisou Bisou", ein frivoles französisches Chanson, mit Hüftschwung und Augenaufschlag. Die Gäste starren, Roger grinst, Peggy weiß nicht, wo sie hinschauen soll. Und Don sitzt da und lächelt, als hätte er Zahnschmerzen. Kaum eine Szene der Serie ist so oft zitiert worden, und auf sie läuft der ganze erste Teil der Doppelfolge zu.

Es ist Memorial Day 1966, und Don wird vierzig. Er ist mit Megan verheiratet, wohnt in einer modernen Wohnung mit weißem Teppich und Blick über Manhattan, und er wirkt ausgeglichener als je zuvor in der Serie. Fast zu ausgeglichen. Megan hat ihm eine Überraschungsparty organisiert, obwohl Peggy sie gewarnt hat, dass Don Geburtstage hasst. Roger verrät die Überraschung vorab, die Party findet trotzdem statt, und am Ende geht Don schweigend ins Bett. Megan steht allein zwischen den leeren Gläsern. Was sie als Geschenk gemeint hat, war für ihn eine Vorführung.

Den Rahmen setzt eine hässliche Szene ganz am Anfang. Angestellte der Konkurrenzagentur Young & Rubicam werfen aus dem Bürofenster mit Wasser gefüllte Tüten auf schwarze Demonstranten, die unten für gleiche Jobchancen protestieren. Die Sache landet in der Zeitung, und bei Sterling Cooper Draper Pryce lacht man darüber. Die Folge beginnt also mit Protest, und es dauert nicht lange, bis dieser Protest auch an die eigene Tür klopft.

Im Büro hat sich die Rangordnung verschoben. Pete bringt die Kunden, Roger bringt kaum noch etwas, und Roger hat trotzdem das größere Ansehen. Roger schnüffelt in Petes Terminkalender und drängt sich in ein Mittagessen mit Mohawk Airlines, wo er charmant die Lorbeeren einsammelt. Pete kocht. Und Peggy ist inzwischen Megans Chefin, denn Megan arbeitet als Texterin in ihrem Team. Das ist für beide unangenehm, und Peggy sieht es mit wachsendem Unbehagen.

Die Party selbst ist eine kleine Meisterleistung an Beobachtung. Megans Freunde sind jung, die Kollegen aus der Agentur sind es nicht, und man sieht förmlich, wie zwei Generationen in einem Raum aneinander vorbeistehen. Megans Auftritt ist charmant und gleichzeitig ein bisschen peinlich, und gerade diese Mischung macht die Szene so gut. Don will nicht gefeiert werden, schon gar nicht so öffentlich. Für einen Mann, der seine eigene Herkunft nie feiern konnte, ist ein Geburtstag eine Erinnerung an etwas, das er lieber vergessen würde.

Meine Einschätzung: Ein selbstbewusster Auftakt, der die Serie in ein neues Lebensgefühl versetzt. „Zou Bisou Bisou" ist zu Recht legendär, und der Gegensatz zwischen Megans Welt und Dons Welt wird mit großem Geschick aufgebaut. Etwas Leerlauf gibt es trotzdem: Der Bürokrieg zwischen Pete und Roger tritt auf der Stelle, und vieles in diesem Teil dient vor allem dazu, die Figuren neu aufzustellen.

Wertung (Claude): 8,5/10