Serienkritiken

Mad Men 4.12: „Blowing Smoke”

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Don Draper, der Mann, der in der allerersten Folge der Serie den Slogan „It’s toasted" erfunden hat, um Zigaretten trotz Krebsgefahr zu verkaufen, schreibt in dieser Folge einen offenen Brief an die New York Times. Darin erklärt er, er sei erleichtert, nie wieder für Tabak werben zu müssen, für ein Produkt, das tötet. Es ist der spektakulärste Werbecoup seiner Karriere, und er verkauft damit vor allem eines: sich selbst.

Die Lage ist verzweifelt. Nach dem Verlust von Lucky Strike will kein großer Kunde mehr mit der Agentur arbeiten. Ein Manager von Heinz sagt Don höflich, man könne in sechs bis acht Monaten noch einmal reden, falls es die Firma dann noch gibt. Ein Berater rät, sofort einen neuen Tabakkunden an Land zu ziehen, um Stärke zu zeigen. Philip Morris vereinbart einen Termin und sagt ihn am selben Tag wieder ab. Sie wollten nur ihre eigene Agentur unter Druck setzen. Die Partner müssen privat Geld nachschießen, Roger, Don und Bert je 100.000 Dollar, Lane und Pete je 50.000. Pete hat das Geld nicht, und Trudy verbietet ihm, einen Kredit aufzunehmen. Sie rät ihm, die Agentur zu verlassen.

Mitten in dieser Krise trifft Don zufällig Midge wieder, seine Geliebte aus der ersten Staffel. Sie lädt ihn zum Essen ein, mit ihrem Mann. Schnell wird klar, dass beide heroinabhängig sind und Midge ihm nur ein Bild verkaufen will, um an Geld für Drogen zu kommen. Don kauft das Bild für 120 Dollar. Die Begegnung ist kurz, aber erschütternd: Die freie Künstlerin, die Don einst für ihre Unabhängigkeit bewunderte, ist zu einem Wrack geworden. Rosemarie DeWitt spielt das mit einer Mischung aus Würde und Verzweiflung, die mir lange nachging.

Danach, so liest es sich jedenfalls, trifft Don seine Entscheidung. Statt zu betteln, ändert er die Geschichte. Ohne Absprache mit den Partnern schaltet er seinen Brief als ganzseitige Anzeige. Die Partner sind entsetzt. Bert Cooper tritt wütend zurück. Nur Megan und Peggy verstehen, was Don getan hat: Er hat aus einer Niederlage ein Statement gemacht. Und es wirkt. Die Amerikanische Krebsgesellschaft ruft an und will mit der Agentur zusammenarbeiten, unbezahlt, aber mit prominenten Leuten im Vorstand, die neue Kunden bringen könnten.

Dann folgt der traurige Teil. Die Agentur muss Leute entlassen. Don geht mit Peggy die Liste der Kreativen durch, und Peggy muss mitentscheiden, wer gehen muss. Und Pete erfährt von Lane, dass Don seinen Anteil von 50.000 Dollar heimlich übernommen hat. Pete, der Don seit der ersten Folge beneidet und bekämpft hat, steht da und weiß nicht, was er sagen soll. Ein stiller, großer Moment.

Bei Betty geht es um etwas anderes. Die Psychiaterin sagt ihr, Sally mache Fortschritte und brauche weniger Termine. Betty ist enttäuscht, weil sie die Sitzungen insgeheim selbst als Therapie benutzt hat. Und als sie herausfindet, dass Sally sich mit Glen trifft, beschließt sie, mit der Familie wegzuziehen. Sally rennt weinend in ihr Zimmer.

Meine Einschätzung: Eine der klügsten Folgen der Staffel. Dons Brief ist ein brillanter Schachzug, der den Kreis zur ersten Folge schließt und zeigt, dass Don Moral genauso verkaufen kann wie Zigaretten. Midges Wiedersehen ist erschütternd, Petes Moment am Ende berührend. Kleiner Abzug für Bettys Strang, der neben der Agenturkrise etwas eintönig wirkt.

Wertung (Claude): 9/10