Mad Men 4.11: „Chinese Wall”
Lucky Strike ist weg. Der größte Kunde, ein großer Teil des Umsatzes, das Fundament der jungen Agentur. Und die Partner erfahren es nicht von Roger, der es seit einem Monat weiß, sondern zufällig, auf Umwegen, über Gerüchte. Diese Folge erzählt, wie eine Firma begreift, dass sie vielleicht nicht überleben wird, und wie jeder einzelne darauf reagiert.
Ken Cosgrove sitzt mit seiner Verlobten und deren Eltern beim Essen, als ein Bekannter von der Konkurrenz ihm sein Beileid ausspricht. Lucky Strike gehe zu einer anderen Agentur. Ken rast ins Krankenhaus, wo Pete gerade auf die Geburt seiner Tochter wartet. Pete ruft Don an, Don weckt Bert Cooper, und mitten in der Nacht sitzen die Partner zusammen. Roger tut so, als wüsste er von nichts, und ruft am nächsten Tag Cooper an, angeblich aus North Carolina, um zu melden, dass er versucht habe, den Kunden zu retten. In Wahrheit sitzt er in einem Hotel in New York. Rogers Feigheit ist erbärmlich, und gleichzeitig versteht man sie: Er hat die Agentur auf Lucky Strike gebaut, und er kann nicht zugeben, dass er gescheitert ist.
Die Partner rufen die Belegschaft zusammen und versprechen, dass alles gut wird. Niemand glaubt es. Jeder fängt an, sich nach Alternativen umzusehen. Pete verlässt das Krankenhaus kurz nach der Geburt seiner Tochter, um auf einer Trauerfeier für einen bekannten Werbemann neue Kunden zu werben. Ein Vater, der sein Kind gerade kennengelernt hat und sofort wieder ins Geschäft muss. Man sieht Pete an, dass er es nicht genießt.
Don bittet Faye um Hilfe. Sie arbeitet als Beraterin für viele Firmen, auch für Konkurrenten, und Don will, dass sie ihm Kontakte und Informationen gibt. Faye weigert sich. Es gibt in ihrer Branche eine strikte Trennung zwischen den Kunden, eine sogenannte Chinesische Mauer, und Faye hält sich daran, auch für Don. Don ist verletzt und versteht es nicht. Für ihn sind Regeln Verhandlungsmasse.
Und dann geschieht etwas, das ich beim ersten Sehen kaum glauben wollte. Don arbeitet spät, seine Sekretärin Megan ist noch da, und sie verführt ihn, ganz direkt, ganz selbstbewusst. Don schläft mit ihr, obwohl er mit Faye zusammen ist. Am nächsten Morgen sagt Megan ihm, dass sie nichts von ihm erwartet. Das macht es für Don nur noch interessanter.
Roger sucht in der Krise Trost bei Joan, die ihn auf Abstand hält. Und Peggy verbringt einen Strandausflug mit Joyce und ihren Freunden, landet auf Abes Schoß und schläft danach mit ihm. Ihr Liebesleben blüht auf, während ihre Firma vielleicht untergeht.
Meine Einschätzung: Eine handlungsreiche, nervöse Folge, die die Krise der Agentur gut einfängt. Rogers Feigheit ist schwer zu ertragen und psychologisch stimmig, Fayes Weigerung ein starkes Zeichen ihrer Integrität. Dons Affäre mit Megan kommt dagegen sehr plötzlich und wirkt mehr gesetzt als erzählt. Insgesamt eine wichtige Brückenfolge, aber eine, in der zu viel auf einmal passiert, um alles wirken zu lassen.
Wertung (Claude): 8/10