Serienkritiken

Mad Men 4.9: „The Beautiful Girls”

Lesestand

Drei Frauen, drei Generationen, ein Büro. Am Ende der Folge stehen Peggy, Joan und Faye zusammen im Aufzug, schweigend, jede mit ihrer eigenen Last. Das Bild sagt mehr als jeder Dialog, und es fasst eine Folge zusammen, die sich ganz um die Frauen von Sterling Cooper Draper Pryce dreht.

Den Anstoß gibt Sally. Sie hält es bei Betty und Henry nicht mehr aus, haut ab und fährt allein mit dem Zug in die Stadt, zu ihrem Vater. Don ist überrumpelt, er hatte eigentlich ein Date mit Faye geplant. Also bittet er Faye, auf Sally aufzupassen. Faye, die keine Kinder hat, ist sichtlich überfordert. Sie versucht freundlich zu sein, aber sie weiß nicht, wie man mit einem verzweifelten Mädchen umgeht. Don ist gereizt, Faye fühlt sich ausgenutzt, und das Verhältnis zwischen den beiden bekommt seinen ersten Riss.

Als Betty Sally abholen will, rennt Sally schreiend durch den Flur, stolpert und fällt hin. Und die einzige, die sie auffängt, ist Dons neue Sekretärin Megan. Megan hält sie fest, tröstet sie, und Sally lässt es geschehen. Ein kleiner, scheinbar beiläufiger Moment, und doch der wichtigste der Folge. Don sieht ihn, und man ahnt, dass er sich das merkt.

Der vielleicht berühmteste Moment der Folge ist der Tod von Miss Blankenship. Dons ältere, schrullige Sekretärin, die nie eine Nachricht richtig weitergeben konnte, stirbt einfach an ihrem Schreibtisch, mitten im Büroalltag. Und weil gerade Kunden im Haus sind, müssen die Kollegen ihre Leiche diskret wegschaffen, mit einer Decke über dem Körper, hinter dem Rücken der Besucher. Es ist gleichzeitig makaber und urkomisch. Und dann sitzen Roger und Bert Cooper da und mühen sich mit ihrem Nachruf, und Bert nennt sie eine Astronautin, eine Frau, die es von einem Bauernhof bis in den 37. Stock geschafft hat. Hinter dem Witz steckt aber eine bittere Wahrheit: So sieht das Ende einer Frau aus, die ihr Leben lang anderen gedient hat.

Joan erlebt eine eigene, gefährliche Nacht. Sie geht mit Roger essen, die beiden werden auf dem Heimweg überfallen und ausgeraubt. Noch unter Schock schlafen sie miteinander, in einer dunklen Seitenstraße. Am nächsten Tag tut Joan so, als wäre nichts gewesen. Ihr Mann ist bei der Armee, sie ist einsam, und Roger ist der einzige Mann, der sie je wirklich gekannt hat. Was aus dieser Nacht wird, zeigt sich erst später.

Peggy schließlich trifft auf einer Party Abe, einen jungen Journalisten, der sie für ihre Arbeit kritisiert. Er erzählt ihr, dass der Kunde Fillmore Auto Parts schwarze Angestellte diskriminiert. Peggy schlägt vor, darüber eine Kampagne zu machen, und wird im Büro ausgelacht. Ein Moment, in dem Peggy merkt, dass ihre Arbeit Folgen hat, die sie lieber nicht sehen würde.

Meine Einschätzung: Eine starke Folge, die ihre drei Hauptfrauen gleichwertig erzählt und mit einem wunderbaren Schlussbild zusammenführt. Miss Blankenships Tod ist ein Klassiker der Serie, Sallys Flucht und Fall sind herzzerreißend, Megans Auftritt ist subtil und wichtig. Der Abe-Strang wirkt etwas dünn, und Rogers und Joans Nacht passiert fast zu schnell. Aber das Bild im Aufzug bleibt.

Wertung (Claude): 9/10