Serienkritiken

Mad Men 4.8: „The Summer Man”

Lesestand

Don führt Tagebuch. Das allein ist schon eine kleine Revolution für eine Serie, die ihre Hauptfigur bisher fast nie von innen gezeigt hat. In dieser Folge hören wir Dons Stimme aus dem Off, wie er seine Gedanken aufschreibt, über das Trinken, über die Einsamkeit, über den Versuch, ein besserer Mensch zu werden. Es ist eine ungewöhnliche Folge, ruhiger und persönlicher als die meisten, und ich finde sie sehr berührend.

Es ist Sommer 1965. Don hat beschlossen, sich zusammenzureißen. Er schwimmt jeden Morgen im Club, trinkt weniger, versucht Ordnung in sein Leben zu bringen. Seine Notizen sind mal klug, mal unbeholfen, mal fast komisch in ihrer Ernsthaftigkeit. Er merkt selbst, dass er klingt wie ein Teenager mit einem Tagebuch. Aber genau das macht es so ehrlich: Don, der Mann der perfekten Slogans, kämpft hier mit Worten für sich selbst. Ich finde das Wagnis der Serie bewundernswert, auch wenn das Voiceover stellenweise etwas zu erklärend wirkt.

Er trifft sich wieder mit Bethany, der jungen Frau, die er sehr korrekt behandelt, und merkt, dass sie ihm nichts bedeutet. Dann geht er mit Faye Miller essen, der Marktforscherin. Bei ihr ist es anders: Sie ist klug, unabhängig, sie lässt sich nicht von ihm beeindrucken. Im Taxi küssen sich die beiden, und dann ist es ausgerechnet Don, der bremst: Weiter könne er im Moment nicht gehen. Das ist neu für ihn, und es ist der Anfang von etwas Ernsthafterem.

Der schmerzhafteste Strang gehört Joan. Ein junger Grafiker namens Joey und seine Kollegen schikanieren sie, machen sexistische Witze, und schließlich hängt jemand eine obszöne Zeichnung von Joan und Lane auf. Joan bleibt äußerlich gefasst. Peggy, die inzwischen Macht hat, feuert Joey kurzerhand. Doch statt dankbar zu sein, ist Joan wütend. Peggy habe alles schlimmer gemacht, sagt sie: Jetzt sei Joan die Sekretärin, die gerettet werden musste, und Peggy die Zicke, die durchgreift. Joan hätte die Sache auf ihre Weise geregelt, leise und wirksam. Dieser Konflikt zwischen zwei Frauen, die beide in einer Männerwelt überleben, aber mit völlig unterschiedlichen Strategien, gehört zu den klügsten Szenen der Staffel. Beide haben recht, und keine kann gewinnen.

Dazu kommt Joans eigene Last: Ihr Mann Greg geht zur Armee, wahrscheinlich nach Vietnam. Joan steht allein da.

Und Betty? Sie sieht Don zufällig in einem Restaurant mit Bethany und ist eifersüchtig, obwohl sie längst mit Henry verheiratet ist. Später kommt Don zum ersten Geburtstag des kleinen Gene, und Betty sieht ihn mit dem Baby auf dem Arm, wie er einen Moment lang Vater ist. Henry sagt ihr, sie hätten doch alles. Betty nickt. Man glaubt ihr nicht.

Meine Einschätzung: Eine leise, ungewöhnlich persönliche Folge, die Don erstmals von innen zeigt. Das Tagebuch ist ein mutiges Mittel, auch wenn es manchmal zu viel erklärt. Der Konflikt zwischen Joan und Peggy ist das Beste an der Folge, so klug und vielschichtig wie selten. Dons Annäherung an Faye macht Hoffnung. Bettys Strang wirkt im Vergleich etwas eintönig.

Wertung (Claude): 8,5/10