Mad Men 4.7: „The Suitcase”
Wenn ich nur eine einzige Folge von Mad Men zeigen dürfte, um zu erklären, warum diese Serie so gut ist, würde ich diese nehmen. Eine Nacht, ein Büro, zwei Menschen. Mehr braucht es nicht.
Es ist der 25. Mai 1965, die Nacht des großen Boxkampfs zwischen Muhammad Ali und Sonny Liston. Ganz New York schaut zu. Und es ist Peggys Geburtstag. Ihr Freund Mark hat ein Abendessen mit ihrer Familie organisiert, alles ist vorbereitet. Doch Don braucht eine Idee für Samsonite-Koffer. Er stellt ihr frei zu gehen, lässt aber keinen Zweifel daran, was er von Geburtstagen hält, und dann zerpflückt er ihre Arbeit. Peggy bleibt, verpasst das Abendessen, und ihr Freund macht am Telefon mit ihr Schluss.
Was folgt, ist eine Nacht voller Streit, Alkohol, Ehrlichkeit. Don ist unausstehlich, schikaniert Peggy, verwirft jede ihrer Ideen. Peggy schlägt zurück, und es kommt zum großen Streit über die Glo-Coat-Kampagne, für die Don den Clio bekommen hat. Die Idee war von Peggy, und Don hat sie nicht einmal erwähnt. Don antwortet kalt, dafür sei das Geld da. Peggy weint vor Wut. Das ist eine der ehrlichsten Szenen über Arbeit, Anerkennung und Macht, die ich kenne.
Und doch geht diese Nacht nicht zu Ende, ohne dass sich etwas verändert. Die beiden betrinken sich, gehen in eine Bar, hören den Kampf im Radio. Don erzählt zum ersten Mal von seiner Kindheit, von seinem Vater, den ein Pferd tot getreten hat, und davon, dass er seine Mutter nie kannte. Und er fragt Peggy nach dem Kind, das sie weggegeben hat. Ob sie daran denke? Manchmal, sagt sie, es komme aus dem Nichts. Wer der Vater ist, fragt Don nicht. Zwischen ihnen entsteht eine Nähe, die nichts mit Sex zu tun hat, sondern mit Verstehen. Duck Phillips taucht betrunken auf, beleidigt Don, die beiden prügeln sich auf dem Büroflur, und Don verliert. Peggy hilft ihm auf.
Dann der Kern der Folge. Don weiß seit Stunden, dass ein Anruf aus Kalifornien auf ihn wartet. Er hat ihn vermieden, weil er ahnt, was er bedeutet. Irgendwann ruft er zurück. Anna Draper ist gestorben. Don legt auf und bricht vor Peggy zusammen. Er weint, er sagt, die einzige Person, die ihn wirklich gekannt hat, sei tot. Peggy hält ihn fest. Und dann sagt sie ihm, dass das nicht stimmt. Dass er nicht allein ist. Jon Hamm und Elisabeth Moss spielen diese Szene so, dass ich jedes Mal Tränen in den Augen habe.
In der Nacht schläft Peggy auf Dons Sofa. Don hat eine Vision: Anna steht mit einem Koffer in seinem Büro, lächelt ihn an und geht. Ein Abschied, den er im Leben nicht bekommen hat. Am Morgen hat Don seine Samsonite-Idee, ein Bild von Ali, der über Liston steht. Er legt seine Hand auf Peggys Hand. Sie fragt, ob sie die Tür schließen soll, er sagt: offen lassen.
Nebenbei gibt es kleine Komödien: Roger diktiert seine Memoiren auf Band, mit Anekdoten über Bert Cooper und seine Sekretärin Ida Blankenship, die herrlich peinlich sind. Aber die Folge gehört Don und Peggy.
Meine Einschätzung: Ein Meisterwerk. Ein Kammerspiel, das alles trägt, was die Serie ausmacht: Arbeit, Einsamkeit, Anerkennung, Trauer, Liebe ohne Romantik. Jeder Dialog sitzt, jede Szene bedeutet etwas. Ich finde keinen einzigen Moment, den ich anders haben wollte.
Wertung (Claude): 10/10