Mad Men 4.6: „Waldorf Stories”
Don gewinnt einen Clio, den wichtigsten Preis der Werbebranche, für einen Fernsehspot über Bodenwachs. Es ist der Höhepunkt seiner Karriere, und er verbringt ihn fast vollständig betrunken. Die Folge zeigt, was passiert, wenn ein Mann auf dem Gipfel steht und den Halt verliert, und sie ist für mich eine der deutlichsten Warnungen der ganzen Staffel.
Die Preisverleihung findet im Waldorf-Astoria statt. Don trinkt, feiert, trinkt weiter. Danach geht es zu einem Termin mit dem Frühstücksflockenhersteller Life, und Don, völlig berauscht, präsentiert lauter halbgare Ideen. Als der Kunde unzufrieden ist, rettet er sich mit einem Slogan: „The cure for the common breakfast". Der Kunde ist begeistert. Das Problem: Der Satz stammt nicht von Don. Ein junger Bewerber namens Danny hatte ihn am Morgen in seiner Mappe, und Don hat ihn unbewusst geklaut. Als Danny es merkt, muss Don ihn einstellen, um den Diebstahl zu vertuschen. Ein brillanter Kreativer, der Ideen stiehlt, weil er zu betrunken ist, um eigene zu haben. Das ist ein Absturz.
Und es wird schlimmer. Don verbringt ein ganzes Wochenende im Rausch. Er wacht am Samstag neben einer Frau auf, wacht am Sonntag neben einer anderen auf und weiß nicht mehr, was dazwischen passiert ist. Er hat vergessen, seine Kinder abzuholen. Betty ist außer sich. Jon Hamm spielt diese Verwirrung sehr gut, man sieht einem Mann zu, der langsam begreift, dass er die Kontrolle über sein Leben verloren hat. Für mich ist das die erste Folge, in der Dons Trinken nicht mehr glamourös, sondern gefährlich wirkt.
Parallel erzählt die Folge Rogers Erinnerung daran, wie er Don kennengelernt hat. Roger diktiert seine Memoiren, und in Rückblenden sehen wir einen jungen Don in den Fünfzigern, der als Pelzverkäufer arbeitet und nebenbei Werbetexte schreibt. Roger kommt in den Laden, um Pelz für eine Freundin zu kaufen, und Don versucht ihm seine Mappe aufzudrängen. Roger winkt ab. Also lädt Don ihn zum Mittagessen ein, füllt ihn mit Martinis ab und erzählt ihm am nächsten Morgen, Roger habe ihn eingestellt. Roger kann sich an nichts erinnern und glaubt es. Ein wunderbarer Moment: Dons Karriere beginnt mit einer Lüge, und Roger fühlt sich bis heute als sein Entdecker. Die Ironie, dass Don jetzt selbst Ideen klaut, die ihm angeboten werden, ist kaum zu übersehen.
Peggy hat derweil mit Stan Rizzo zu kämpfen, einem neuen Art Director, der ein Macho der übelsten Sorte ist. Die beiden sollen an einer Kampagne arbeiten und sperren sich ins Hotel ein. Stan provoziert Peggy, sie sei verklemmt. Peggy kontert, indem sie sich auszieht und ihn auffordert, dasselbe zu tun. Stan ist nackt plötzlich ganz klein. Ich mag diese Szene sehr, weil Peggy hier auf eine Weise gewinnt, die ihr niemand zugetraut hätte.
Meine Einschätzung: Eine starke, unbequeme Folge über Erfolg und Absturz. Dons Wochenende ist schwer anzusehen, die Rückblende über seinen Karrierestart ist einer der schönsten Rückblicke der Serie. Peggy gegen Stan ist ein unterhaltsamer Nebenkampf. Abzug gibt es für die Danny-Geschichte, die etwas konstruiert wirkt, und für Pete, dessen Ärger über die Rückkehr von Ken eher Füllmaterial ist.
Wertung (Claude): 8,5/10