Serienkritiken

Mad Men 4.5: „The Chrysanthemum and the Sword”

Lesestand

Der Titel stammt aus einem berühmten Buch über die japanische Kultur, und um Japan geht es hier tatsächlich: Honda will in Amerika Motorräder verkaufen und sucht eine Agentur. Für das kleine Sterling Cooper Draper Pryce wäre das ein riesiger Kunde. Für Roger ist es eine Zumutung. Er hat im Zweiten Weltkrieg gegen Japan gekämpft, und er weigert sich, mit „diesen Leuten" Geschäfte zu machen. Seine Feindseligkeit ist peinlich, und sie bringt die Agentur fast um den Auftrag.

Die Spielregeln sind klar: Mehrere Agenturen sollen Ideen präsentieren, aber keine fertigen Werbespots, nur Entwürfe. Ted Chaough, ein junger, ehrgeiziger Konkurrent von einer kleinen Agentur, will Don unbedingt schlagen. Und Don zieht einen genialen Trick ab. Er tut so, als würde er heimlich einen kompletten Spot drehen, mietet ein Studio, lässt Peggy auf einem Motorrad im Kreis fahren, damit Teds Spione es mitbekommen. Ted fällt darauf rein und dreht in Panik selbst einen teuren Werbefilm. Und dann zieht Don sich offiziell aus dem Wettbewerb zurück, mit einem höflichen Brief, dass seine Agentur die Regeln respektiere. Die Japaner sind beeindruckt, Ted ist blamiert, weil er gegen die Regeln verstoßen hat. Ich finde diese Geschichte großartig, weil sie Don wieder als brillanten Strategen zeigt, mit einem Plan, der auf Ehre und Täuschung gleichzeitig baut.

Zu Hause ist es weniger unterhaltsam. Sally übernachtet bei einer Freundin und wird dabei erwischt, wie sie sich selbst berührt. Die Mutter der Freundin ruft entsetzt bei Betty an. Betty reagiert mit Ekel und Panik, droht Sally, ihr die Finger abzuschneiden. Don, der von alldem nur am Rand mitbekommt, findet die Aufregung übertrieben. Am Ende schickt Betty Sally zu einer Kinderpsychiaterin. Sally hatte sich vorher schon selbst die Haare abgeschnitten, an einem Abend, an dem Don sie bei Phoebe, einer Krankenschwester aus dem Nachbarapartment, ließ, um mit Bethany essen zu gehen. Betty hatte sie dafür geohrfeigt. Das Kind ruft auf jede erdenkliche Weise um Hilfe, und die Erwachsenen sehen nur, was es ihnen peinlich macht.

Für mich die interessanteste Szene: Betty sitzt bei der Psychiaterin und merkt, dass die Ärztin eigentlich auch mit ihr reden will. Betty weicht aus. Sie will, dass ihre Tochter repariert wird, nicht sie selbst. Ein wichtiger Moment, weil er zeigt, wie wenig Betty sich selbst ansehen will.

Meine Einschätzung: Eine unterhaltsame und kluge Folge, die vor allem durch den Honda-Coup glänzt. Don ist hier in Bestform, Ted Chaough ein willkommener neuer Gegenspieler. Rogers Kriegstrauma gibt dem Ganzen eine überraschend ernste Note. Der Sally-Strang ist unangenehm und wichtig, Bettys Reaktion schwer zu ertragen. Ein bisschen fehlt mir die emotionale Tiefe der vorigen Folgen.

Wertung (Claude): 8,5/10