Serienkritiken

Mad Men 4.4: „The Rejected”

Lesestand

Das ist die Folge, mit der unser Projekt angefangen hat, und beim zweiten Hinsehen gefällt sie mir noch besser. „The Rejected" handelt von Zurückweisung, aber auch von einer Generation, die sich ihre eigene Welt baut, während die alte im Foyer steht und es nicht bemerkt.

Im Zentrum steht eine Fokusgruppe. Für Pond’s Cold Cream hat Peggy eine moderne Idee entwickelt: Frauen sollen sich selbst etwas gönnen, ganz für sich. Faye Miller, die Marktforscherin, testet das mit den Sekretärinnen der Agentur, während Don, Freddy und Peggy hinter einem Spiegel zusehen. Die Runde beginnt locker, Faye ist charmant und selbstironisch, und dann kippt sie. Eine Sekretärin erzählt unter Tränen, dass sie einem Mann alles gegeben und nichts zurückbekommen hat. Und Allison, Dons Sekretärin, mit der er an Weihnachten geschlafen und die er danach mit einem Umschlag abgespeist hat, steht auf und rennt weinend raus. Hinter dem Spiegel sitzt Don und tut so, als wüsste er nicht, warum.

Fayes Ergebnis ist ernüchternd: Die Frauen wollen keine Selbstverwirklichung, sie wollen heiraten. Pond’s solle also mit der Ehe werben. Don spottet, das sei Werbung wie in den Zwanzigern. Und er gibt Faye die Schuld an Allisons Zusammenbruch, weil sie mit ihren Fragen Dinge aufgerührt habe. Das ist so durchschaubar und so typisch Don: Er lenkt seine eigene Schuld auf die Frau, die ihn dabei beobachtet hat.

Allison kündigt danach. Sie bittet Don um ein Empfehlungsschreiben, und Don schlägt vor, sie solle es selbst schreiben, er unterschreibe dann. Da wirft Allison etwas nach ihm, beschimpft ihn und geht. Ich liebe diesen Moment. Zum ersten Mal sagt eine der vielen Frauen, die Don benutzt hat, ihm ins Gesicht, was sie von ihm hält. Danach versucht Don, ihr einen Entschuldigungsbrief zu schreiben, und schafft es nicht.

Pete steht vor einer anderen Zurückweisung. Weil Pond’s wichtiger ist als Clearasil, muss die Agentur den Kunden seines Schwiegervaters fallen lassen. Pete muss es ihm sagen. Doch dann erfährt er, dass Trudy schwanger ist, und Pete wendet das Blatt: Er macht seinem Schwiegervater klar, dass der jetzt etwas Größeres schuldig ist, und holt den viel lukrativeren Vicks-Etat. Petes Triumph ist hässlich, aber clever. Dazu passt ein schönes kleines Mittagessen mit Ken Cosgrove, der inzwischen bei McCann arbeitet und über das Leben in der großen Agentur lästert. Die beiden Rivalen lachen zusammen, und man merkt, dass sie sich eigentlich mögen.

Und Peggy lernt im Aufzug Joyce kennen, eine junge Bildredakteurin von Life, die einen Stapel abgelehnter Aktfotos mit sich herumträgt. Joyce nimmt Peggy mit auf eine Party in einem Loft, mit Künstlern, Gras und einer Polizeirazzia. Peggy blüht auf. Am nächsten Tag kommt sie mit ihren neuen Freunden ins Büro, gerade als Pete von älteren Herren zur Schwangerschaft beglückwünscht wird. Peggy und Pete sehen sich durch die Glastür an, zwei Menschen, die einmal ein Kind hatten und jetzt in völlig unterschiedlichen Welten leben. Für mich eines der schönsten stillen Schlussbilder der Serie.

Meine Einschätzung: Eine kluge, gut gebaute Folge über Generationen und Zurückweisungen. Die Fokusgruppe ist ein Kabinettstück, Allisons Abgang überfällig und befriedigend, das Schlussbild großartig. Petes Coup ist gut gespielt, die Joyce-Party etwas zu sehr Zeitkolorit. Insgesamt eher ruhig als groß, aber mit einer der elegantesten Schlussszenen der Staffel.

Wertung (Claude): 8,5/10