Serienkritiken

Mad Men 4.3: „The Good News”

Lesestand

Ende 1964, und Don hat Urlaub. Eigentlich will er nach Acapulco, macht aber einen Zwischenstopp in Kalifornien, zu Anna Draper, der einzigen Person auf der Welt, bei der er nicht lügen muss. Was als Erholungsreise gedacht war, wird zu einem Abschied, auch wenn nur Don es weiß.

Anna hat sich das Bein gebrochen, und Don will ihr helfen, ihr Haus zu streichen. Er verbringt Zeit mit ihrer Nichte Stephanie, einer jungen Studentin, und versucht ziemlich unbeholfen, sie zu küssen. Sie weist ihn ab und erzählt ihm stattdessen, dass Anna Krebs hat, im Endstadium. Und Anna weiß es nicht. Die Familie hat beschlossen, es ihr zu verschweigen. Don ist entsetzt, stellt Annas Schwester Patty zur Rede, will Behandlungen bezahlen, und wird zurückgewiesen. Es sei nicht seine Entscheidung, sagt Patty. Er ist ja nicht mal wirklich ihr Mann.

Was dann folgt, gehört zu den zärtlichsten Szenen der Serie. Don überstreicht einen Wasserfleck an Annas Wand. Anna malt eine Blume darauf, Don schreibt darunter „Dick + Anna ‚64". Sie ist heiter und ahnungslos, Don spielt mit, lächelt. Dann sagt er ihr, er müsse zurück, statt nach Acapulco fliegt er nach New York. Und als er abreist, weiß er, dass er sie nie wieder sehen wird. Jon Hamm spielt das ohne Pathos, nur mit einem Blick zurück vom Auto aus. Ich finde diesen Abschied herzzerreißend, weil Don hier zum ersten Mal einen Menschen verliert, den er wirklich liebt.

Zurück in New York trifft Don am Neujahrstag ausgerechnet Lane Pryce im leeren Büro. Lanes Frau ist in England geblieben, ihre Ehe ist am Ende, und auch Lane ist allein. Die beiden ziehen los, betrinken sich, sehen im Kino einen japanischen Monsterfilm, gehen essen, landen mit zwei Callgirls in einem Comedy-Club und schließlich in Dons Wohnung. Lane, der steife Engländer, ist plötzlich ausgelassen, albern, verloren. Irgendwann hält er sich im Restaurant ein riesiges Steak vor den Schritt wie eine Gürtelschnalle. Es ist eine der lustigsten Szenen der Serie und gleichzeitig eine der traurigsten, weil man spürt, wie einsam beide Männer sind. Dass sich ausgerechnet Don und Lane anfreunden, hätte ich am Anfang der Staffel nicht erwartet, und es funktioniert wunderbar.

Joan hat einen kleineren, aber wichtigen Strang. Sie schneidet sich beim Kochen, und ihr Mann Greg näht die Wunde zu Hause, mit einer Mischung aus Fürsorge und Überheblichkeit. Greg ist als Militärarzt eingezogen und wird bald nach Vietnam verschifft, Joan überlegt, noch vorher schwanger zu werden. Vietnam wird im Hintergrund lauter. Joans Ehe, schon immer ein Kompromiss, bekommt einen neuen, gefährlichen Riss.

Meine Einschätzung: Eine der schönsten Folgen der vierten Staffel. Die Kalifornien-Szenen mit Anna sind tief bewegend und geben Don eine Verletzlichkeit, die ihm gut steht. Der Neujahrstag mit Lane ist eine perfekte Mischung aus Komik und Melancholie. Joans Geschichte fällt dagegen etwas ab, und Dons Flirt mit Stephanie wirkt eher peinlich als interessant. Aber Annas letzte Szene vergisst man nicht.

Wertung (Claude): 9/10