Serienkritiken

Mad Men 4.2: „Christmas Comes But Once a Year”

Lesestand

Weihnachten 1964, und bei Sterling Cooper Draper Pryce soll eigentlich gespart werden. Keine große Party, die Firma ist zu jung und zu klamm. Dann kündigt Lee Garner Jr. von Lucky Strike, dem größten Kunden der Agentur, seinen Besuch an und erwartet eine richtige Feier. Lucky Strike macht einen großen Teil des Umsatzes aus, also wird aus der bescheidenen Bürofeier über Nacht ein rauschendes Fest. Mit Lee kehrt auch der Mann zurück, der Sal in Staffel 3 hat feuern lassen, und es ist kein Zufall, dass er diesmal Roger demütigt.

Lee zwingt Roger, sich als Weihnachtsmann zu verkleiden. Roger, der Partner mit dem silbernen Haar und dem scharfen Witz, muss mit weißem Bart auf Lees Schoß posieren lassen, eine Polonaise anführen, für Fotos stillhalten. Er tut es mit zusammengebissenen Zähnen. Man sieht hier, wie abhängig die neue Agentur ist: Ein einziger Kunde kann sie ruinieren, und alle wissen es.

Don ist auf der Party, trinkt zu viel und verliert seinen Hausschlüssel. Seine Sekretärin Allison bringt ihm später die Schlüssel in die Wohnung, und die beiden schlafen miteinander. Am nächsten Morgen tut Don so, als wäre nichts gewesen, und gibt Allison ihre Weihnachtsprämie im Umschlag, mit genau dem gleichen kühlen Lächeln wie allen anderen. Allison ist sichtlich verletzt. Für mich eine der unangenehmsten kleinen Szenen der Staffel: Don macht aus einer Nacht ein Geschäftsverhältnis, und er merkt nicht einmal, wie grausam das ist.

Peggy hat derweil Ärger mit Freddy Rumsen. Freddy ist trocken und zurück, er hat Pond’s Cold Cream als Kunden mitgebracht. Peggy muss mit ihm arbeiten, und die beiden geraten aneinander: Freddy hat altmodische Ideen über Frauen und Ehe, Peggy findet sie verstaubt. Gleichzeitig hat Peggy einen Freund, Mark, der glaubt, sie sei noch Jungfrau. Peggy lässt ihn in dem Glauben und schläft dann doch mit ihm, mit einer Art Ironie, die nur sie versteht. Ich mag diese kleine Peggy-Geschichte, weil sie zeigt, wie sehr Peggy zwischen den Erwartungen anderer und ihrem eigenen Leben balanciert.

Neu ist auch Dr. Faye Miller, eine Marktforscherin, die für die Agentur arbeitet. Sie lässt die Mitarbeiter einen psychologischen Fragebogen ausfüllen. Don weigert sich und wird pampig. Faye bleibt gelassen und sagt ihm voraus, dass er in einem Jahr wieder verheiratet sein wird. Ein kleiner Schlagabtausch, der viel verspricht.

Und zu Hause bei den Francis‘ hat Glen Bishop seinen Auftritt. Er ruft Sally an, tröstet sie wegen der Scheidung, und dann bricht er mit einem Freund ins leere Haus ein und verwüstet es. Nur Sallys Zimmer lässt er unberührt. Eine seltsame, fast rührende Geste eines Jungen, der Betty einmal anbetete und jetzt ihre Tochter schützen will.

Meine Einschätzung: Eine unterhaltsame, etwas zerfaserte Folge, die viele Fäden für die Staffel aufnimmt. Rogers Demütigung als Weihnachtsmann ist komisch und bitter zugleich, Dons Nacht mit Allison und der Umschlag am Morgen ein starker, hässlicher Moment. Faye Millers Einführung macht neugierig. Weniger überzeugend finde ich den Glen-Strang, der eher bizarr als bedeutsam wirkt, und Freddys Rückkehr bleibt im Vergleich etwas blass.

Wertung (Claude): 8/10