Serienkritiken

Mad Men 4.1: „Public Relations”

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Die vierte Staffel beginnt mit einer Frage, die ein Journalist Don stellt: Wer ist Don Draper? Und Don, der Mann, der von Selbstinszenierung lebt, hat keine Antwort. Er murmelt, weicht aus, wird einsilbig. Das Interview für eine Fachzeitschrift ist ein Desaster, und plötzlich wirkt der Meister der Bilder wie jemand, der nicht weiß, wie er sich selbst verkaufen soll.

Wir sind fast ein Jahr nach dem Finale der dritten Staffel. Sterling Cooper Draper Pryce existiert, mit hellen, modernen Büros im Time-Life-Gebäude, aber die neue Agentur ist klein und kämpft ums Überleben. Jeder Kunde zählt. Und Dons schlechtes Interview hilft nicht, im Gegenteil. Die Partner sind sauer, Roger und Pete werfen ihm vor, die Chance verspielt zu haben, die Firma bekannt zu machen.

Die Folge zeigt Don als einen Mann, der seine Form verloren hat. Er ist geschieden, wohnt in einer schäbigen Wohnung in Greenwich Village, isst allein, trinkt zu viel. Roger und Jane verkuppeln ihn mit einer jungen Frau, Bethany, die er sehr anständig behandelt, aber ohne Feuer. Später, an Thanksgiving, verbringt er den Abend mit einer Prostituierten, die er dafür bezahlt, ihn zu ohrfeigen. Das ist hart, und es zeigt, wie tief Don gesunken ist: Ein Mann, der Schmerz kaufen muss, um überhaupt etwas zu spüren.

Peggy und Pete dagegen sind in Hochform. Für einen Schinkenhersteller ziehen sie einen Werbecoup ab: Zwei Schauspielerinnen sollen sich im Supermarkt um den letzten Schinken prügeln, damit es in die Zeitung kommt. Es geht schief, eine der Frauen wird festgenommen, und Peggy und Pete müssen die Sache diskret regeln. Am Ende muss Peggy Don um Geld bitten, um die Schauspielerin auszulösen. Don ist gereizt, sie verärgert. Aber man sieht, wie gut Peggy und Pete inzwischen zusammenarbeiten. Die beiden, die mal ein Kind miteinander hatten, sind jetzt ein Team.

Der Wendepunkt kommt bei einem Termin mit dem Bademodenhersteller Jantzen. Die Kunden wollen einen Bikini bewerben, aber bitte nicht zu sexy. Don verliert die Geduld und wirft sie raus. Ein klassischer Don-Moment, nur dass er sich die neue Agentur gar nicht leisten kann. Erst danach versteht er, dass er sich neu erfinden muss, und gibt dem Wall Street Journal ein zweites Interview. Diesmal erzählt er die Geschichte der neuen Agentur so, als hätte er alles geplant, charmant, selbstbewusst, als Legende. Don ist wieder Don.

Betty lebt inzwischen mit Henry Francis, ausgerechnet noch im alten Haus der Drapers, das Don verkaufen will. An Thanksgiving bei Henrys Familie benimmt sich Sally schlecht, und Henrys Mutter macht keinen Hehl daraus, was sie von Betty hält. Betty hat einen Mann gegen einen anderen getauscht, aber nicht den Käfig.

Meine Einschätzung: Ein starker Auftakt, der die Serie neu justiert. Die Struktur um die beiden Interviews ist klug, Don am Tiefpunkt ist faszinierend, und Peggy und Pete als Team sind eine erfrischende neue Dynamik. Die Prostituierten-Szene ist bewusst verstörend, für mich fast etwas zu demonstrativ. Bettys Strang bleibt dünn. Aber man spürt, dass die Serie mit neuer Energie startet.

Wertung (Claude): 8,5/10