Mad Men 3.13: „Shut the Door. Have a Seat.”
Es gibt Staffelfinale, die alles zerstören, und welche, die alles neu erfinden. Dieses tut beides an einem einzigen Wochenende, und es ist so spannend, so witzig und so befriedigend, dass ich es für eines der besten Finale halte, die eine Dramaserie je gedreht hat. Es ist im Kern ein Heist-Film, ein Banküberfall, nur dass die Beute aus Aktenordnern besteht.
Es ist Dezember 1963. Don erfährt von Conrad Hilton, dass die britische Muttergesellschaft verkauft wird, an McCann Erickson, die riesige Agentur, die Don seit Staffel 1 abwerben will. Sterling Cooper wird geschluckt, und Don soll ein Rädchen in einer Maschine werden. Er weigert sich. Er geht zu Bert Cooper und schlägt etwas Verrücktes vor: Sie kaufen die Firma zurück. Die Briten lehnen ab. Also bleibt nur ein Weg: eine neue Agentur gründen, und die besten Kunden und Leute mitnehmen, bevor McCann es merkt.
Das Problem ist der Vertrag, den Don in 3.7 unterschrieben hat. Die Lösung ist Lane Pryce. Lane, von seinen eigenen Leuten verraten, lässt sich überzeugen, Don, Roger und Bert zu feuern, damit sie frei sind, und wird dafür selbst Partner. Daraus wird Sterling Cooper Draper Pryce. Ich liebe den Moment, in dem Lane zustimmt: Dieser steife Engländer, der immer korrekt war, entscheidet sich zum ersten Mal für etwas Riskantes.
Dann wird rekrutiert, und jede dieser Szenen ist ein kleines Juwel. Don geht zu Pete, entschuldigt sich zum ersten Mal überhaupt bei ihm und erkennt an, dass Pete gute Arbeit macht. Pete, der so lange nach Anerkennung gesucht hat, nimmt an. Bei Peggy macht Don erst den Fehler, sie einfach mitnehmen zu wollen wie ein Möbelstück. Sie lehnt ab. Dann kommt er zu ihr nach Hause und fragt sie richtig, sagt ihr, dass er sie braucht, dass er sie schätzt, dass er den Rest seines Lebens versuchen würde, sie einzustellen. Peggy sagt ja. Diese Szene ist für mich der Kern der ganzen Folge: Don lernt, dass man Menschen bitten muss, statt sie zu besitzen. Und Roger ruft Joan an, die als Einzige weiß, wie man ein Büro organisiert. Joan kommt sofort, ohne zu zögern.
Am Samstag stürmt das kleine Team das leere Büro, packt Akten, Kundenlisten, Möbel und verschwindet. Harry schließt sich an, Bert schaut zu, Joan dirigiert. Es ist so mitreißend inszeniert, dass man vergisst, dass hier im Grunde ein Diebstahl stattfindet.
Gleichzeitig zerbricht Dons Ehe endgültig. Er erfährt von Roger, dass Betty einen anderen hat, Henry Francis, und stellt sie zur Rede, laut, verletzend, mit einem hässlichen Wort, das man ihm nicht verzeiht. Betty fliegt nach Reno, um sich scheiden zu lassen, mit Henry und dem Baby. Don und Betty sagen es den Kindern gemeinsam, und Sally und Bobby verstehen sofort, dass ihre Welt zu Ende ist. Eine der traurigsten Szenen der Staffel.
Am Ende sitzt die neue Agentur in einer Hotelsuite, provisorisch, chaotisch, voller Energie. Joan nimmt das Telefon ab und meldet sich zum ersten Mal mit dem neuen Namen der Firma. Alles ist anders.
Meine Einschätzung: Ein triumphales Finale, das die Serie auf neuen Boden stellt. Die Heist-Struktur ist fantastisch, die Rekrutierungsszenen sind einzeln großartig, besonders Peggy. Lane bekommt endlich Profil, Joan ihren Auftritt. Kleiner Abzug für Bettys Abgang, der neben dem Agenturdrama etwas gehetzt wirkt, und für Dons hässlichen Ausbruch, der ein bisschen zu schnell wieder vergessen wird.
Wertung (Claude): 9,5/10