Serienkritiken

Mad Men 3.10: „The Color Blue”

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Wie beschreibt man jemandem eine Farbe, wenn man nicht weiß, ob er sie genauso sieht wie man selbst? Diese Frage stellt Suzanne Farrell Don, und sie ist das Motto der Folge. Jeder sieht etwas anderes, wenn er auf denselben Menschen schaut. Und in dieser Folge sieht Betty Don zum ersten Mal so, wie er wirklich ist.

Es beginnt beiläufig. Don vergisst nach einem Abend seine Schlüssel in der Hosentasche, und Betty findet einen, den sie nicht kennt. Er passt zu der verschlossenen Schublade in Dons Arbeitszimmer. Betty öffnet sie, und darin liegt eine Schachtel mit Fotos, Entlassungspapieren der Armee, Scheidungsunterlagen von einer Frau namens Anna Draper, Bilder eines jungen Mannes namens Dick Whitman. Sie sitzt im Halbdunkel und setzt Stück für Stück zusammen, dass ihr Mann nicht der ist, den sie geheiratet hat. January Jones spielt das ohne ein Wort, und es ist großartig. Betty weint nicht, sie schreit nicht, sie packt alles wieder ein und wartet.

Dann muss sie an diesem Abend mit Don zur großen Feier gehen, Sterling Cooper wird vierzig Jahre alt. Betty zieht ihr schönstes Kleid an, lächelt, plaudert mit Kunden, spielt perfekt die Frau des Kreativchefs. Roger hält eine Rede, Don lächelt, Betty sitzt daneben und weiß alles. Diese Szene ist Mad Men in Reinform: Hinter dem perfekten Bild liegt eine Wahrheit, die alles zerstören wird, und niemand im Raum ahnt es außer ihr. Der Showdown kommt erst später, aber man spürt ihn in jeder Einstellung.

Don verbringt seine Zeit derweil bei Suzanne. Ihr Bruder Danny, ein junger Mann mit Epilepsie, ist arbeitslos und auf ihre Hilfe angewiesen. Don bietet an, ihm zu helfen, und tut es auf seine Art: mit Geld und einem Kontakt. Es ist schön zu sehen, wie fürsorglich Don sein kann, wenn er will. Aber man merkt auch, dass er bei Suzanne eine Rolle spielt, den hilfsbereiten Liebhaber, und dass diese Rolle nicht weniger erfunden ist als die des treuen Ehemanns.

Im Büro gibt es einen kleinen, wunderbaren Konkurrenzkampf. Paul und Peggy sollen beide an derselben Kampagne arbeiten. Paul hat nachts betrunken eine brillante Idee, schläft ein und hat sie am Morgen vergessen. Er versucht verzweifelt, sie zu rekonstruieren. Peggy liefert inzwischen etwas Solides ab. Am Ende muss Paul vor Don zugeben, dass seine geniale Idee einfach weg ist. Ich mag diese kleine Geschichte sehr, weil sie zeigt, dass Talent ohne Disziplin nichts wert ist, und weil Peggy hier langsam an den Männern vorbeizieht.

Und Lane Pryce erfährt bei der Jubiläumsfeier etwas Unerwartetes: Die Briten wollen Sterling Cooper schon wieder verkaufen. Seine ganze Arbeit, das Sparen, das Umstrukturieren, war nur dazu da, die Firma für einen Käufer hübsch zu machen. Lane ist gekränkt, und man ahnt, dass sich daraus noch etwas entwickelt.

Meine Einschätzung: Eine meisterhafte Folge, die ihre große Enthüllung ganz leise erzählt. Bettys Fund und die Feier danach gehören zu den spannendsten Momenten der Serie, gerade weil nichts passiert. Pauls verlorene Idee ist ein feines Nebenstück, Lanes Kränkung eine wichtige Vorbereitung. Der Suzanne-Strang wirkt im Vergleich ein bisschen blass. Aber Bettys Gesicht bei der Feier vergisst man nicht.

Wertung (Claude): 9/10