Serienkritiken

Mad Men 3.8: „Souvenir”

Lesestand

Eine Reise nach Rom, ein Kuss am Reservoir, ein Kleid mit einem Fleck. Das sind die drei Dinge, um die sich diese Folge dreht, und alle drei handeln davon, wie man etwas mitnimmt, das man nicht behalten kann. Ein Souvenir eben.

Betty ist frustriert. Der Kampf gegen das Reservoir ist verloren, Henry Francis hat sich nicht durchgesetzt, und als sie ihn zur Rede stellt, küsst er sie. Betty weist ihn ab, aber man sieht ihr an, wie sehr sie diesen Moment genossen hat. Kurz darauf muss Don geschäftlich nach Rom, für Hilton, und Betty überredet ihn, sie mitzunehmen.

Rom ist der schönste Abschnitt der Folge. Betty spricht fließend Italienisch, das hat sie als junges Model gelernt, und plötzlich ist sie nicht mehr die gelangweilte Hausfrau aus Ossining, sondern eine elegante, selbstbewusste Frau, nach der sich die Männer umdrehen. Don sieht sie mit neuen Augen. Die beiden spielen ein Spiel, sie tun so, als würden sie sich in einer Bar zum ersten Mal begegnen, und verbringen eine leidenschaftliche Nacht. Für ein paar Tage sind sie das Paar, das sie nie waren. January Jones spielt Betty in Rom mit einer Leichtigkeit, die man in der ganzen Serie sonst kaum sieht.

Und dann sind sie wieder zu Hause, und alles ist wie vorher. Don schenkt ihr ein Bettelarmband mit einem kleinen Kolosseum als Anhänger, ein Souvenir. Betty sagt ihm, sie hasse es, zu Hause zu sein. Das Armband ist das Problem: Man kann die Erinnerung an Rom ums Handgelenk tragen, aber man kann nicht in Rom leben.

Der dunkelste Strang gehört Pete. Trudy ist verreist, Pete langweilt sich in der Wohnung. Im Treppenhaus trifft er Gudrun, ein deutsches Au-pair-Mädchen, das verzweifelt ist, weil sie ein Kleid ihrer Arbeitgeberin ruiniert hat. Pete hilft ihr, geht in ein Kaufhaus und besorgt ein identisches Kleid. Dort trifft er übrigens Joan, die jetzt als Verkäuferin arbeitet, eine kleine, bittere Begegnung. Dann bringt er Gudrun das Kleid und verlangt eine Gegenleistung. Er drängt sich ihr auf, und sie wehrt sich nicht wirklich, weil sie Angst hat. Es ist ein Übergriff, und die Serie lässt keinen Zweifel daran. Als Trudy zurückkommt und Pete von der Nachbarin Ärger bekommt, bittet er seine Frau kleinlaut, ihn nie wieder allein zu lassen. Pete ist hier so abstoßend wie selten, und gerade die Art, wie er sich selbst als Opfer sieht, macht es so unerträglich.

Am Rand bekommt Sally ihren ersten Kuss von einem Jungen aus der Nachbarschaft, und Betty erzählt ihr, wie man das als junges Mädchen erlebt. Eine kleine, warme Szene zwischen Mutter und Tochter, von denen es nicht viele gibt.

Meine Einschätzung: Eine Folge mit einem wunderschönen Herzstück und einem hässlichen Rand. Rom ist ein Highlight der Staffel, Betty so lebendig wie nie, Don für einen Moment wirklich verliebt. Die Rückkehr nach Hause und das Armband bringen es bitter auf den Punkt. Petes Geschichte ist schwer zu ertragen, aber wichtig, um zu zeigen, was für ein Mann er ist. Insgesamt etwas weniger dicht als die besten Folgen der Staffel, aber stark.

Wertung (Claude): 8/10