Serienkritiken

Mad Men 3.7: „Seven Twenty Three”

Lesestand

Die Folge beginnt mit drei Bildern, die keinen Sinn ergeben: Peggy wacht neben einem Mann auf, dessen Gesicht wir nicht sehen. Betty liegt auf einem neuen, plüschigen Sofa und strahlt. Don liegt mit blutiger Nase auf dem Boden eines Motelzimmers. Dann springt die Erzählung zurück, und wir sehen, wie alle drei dort gelandet sind. Ein simpler Trick, aber er funktioniert, weil man die ganze Folge darauf wartet, dass die Puzzleteile zusammenfallen.

Don hat Conrad Hilton als Kunden gewonnen, ein Riesenerfolg. Aber Hilton stellt eine Bedingung: Don muss einen Vertrag unterschreiben, drei Jahre Bindung an Sterling Cooper. Für Don ist das ein Albtraum. Seine ganze Macht beruht darauf, dass er jederzeit gehen kann, das hat ihn in Staffel 2 gegen Duck gerettet. Er weigert sich. Roger ruft daraufhin Betty an, um sie einzuspannen, und Betty erfährt so zum ersten Mal von dem Vertrag. Der Streit am Abend ist bitter: Betty fragt Don, ob er nicht einmal wisse, wo er in drei Jahren sein wolle. Don hat keine Antwort.

Er setzt sich ins Auto und fährt los. Unterwegs nimmt er zwei junge Anhalter mit, ein Pärchen auf dem Weg zu den Niagarafällen. Sie geben ihm Pillen, er nimmt sie, sie trinken zusammen in einem Motel, und Don hat eine Vision von seinem toten Vater, der ihn verhöhnt. Am Morgen wacht er auf, geschlagen und ausgeraubt. Ehrlich gesagt ist mir diese Episode etwas zu viel. Die beiden Anhalter wirken wie eine Idee aus einem anderen Film, und die Vision des Vaters ist eher plakativ. Aber das Ergebnis zählt: Don kommt zurück, und Bert Cooper erinnert ihn ganz ruhig daran, dass er weiß, wer Don wirklich ist. Wer unterschreibt diesen Vertrag eigentlich, fragt er. Don unterschreibt. Zum ersten Mal hat jemand ihn an seiner wunden Stelle gepackt, und das ausgerechnet der Mann, der in Staffel 1 sagte, es sei ihm egal.

Betty dagegen erlebt etwas Neues. Sie engagiert sich im Frauenverein gegen den Bau eines Wasserreservoirs und ruft dafür Henry Francis an, den Mann aus dem Gouverneursbüro, der ihr auf Rogers Party die Hand auf den Bauch gelegt hatte. Die beiden treffen sich, reden, flirten zurückhaltend. Henry zeigt ihr im Schaufenster eines Antiquitätengeschäfts ein Ohnmachtssofa, ein viktorianisches Möbel für empfindliche Damen. Betty kauft es und stellt es mitten ins Wohnzimmer, vor den Kamin. Ihre Innenarchitektin ist entsetzt, aber Betty liegt darauf und träumt. Ich finde dieses Sofa eines der witzigsten Symbole der Serie: Betty richtet sich buchstäblich ein, um in Ohnmacht zu fallen, nur nicht vor Don.

Und Peggy? Duck Phillips schickt ihr ein teures Hermès-Tuch, um sie zu umwerben. Pete rät ihr, es zurückzuschicken. Peggy will es persönlich zurückgeben, geht in Ducks Hotelsuite und schläft mit ihm. Am nächsten Morgen noch einmal. Viele Zuschauer fanden das abstoßend, Duck ist alt, schmierig, ein rückfälliger Trinker. Ich verstehe Peggy hier: Duck ist der erste Mann, der ihr Talent ernst nimmt, und sie will wissen, wie sich Macht anfühlt.

Meine Einschätzung: Eine Folge mit einer starken Struktur und einem großen Wendepunkt für Don, der sich zum ersten Mal binden muss. Bettys Sofa und Peggys Affäre sind überraschende, gute Entwicklungen. Der Ausflug mit den Anhaltern ist der schwächste Teil, zu exotisch und zu bedeutungsschwer. Coopers leise Drohung am Ende macht das aber mehr als wett.

Wertung (Claude): 8,5/10