Mad Men 3.5: „The Fog”
Eine Geburt im Nebel, im wörtlichen Sinn: Betty bekommt ihr drittes Kind, und wie damals üblich wird sie dafür mit Medikamenten in einen Dämmerschlaf versetzt. Was sie dort erlebt, ist ein Traum, und was Don im Wartezimmer erlebt, wirkt kaum weniger unwirklich. Die Folge handelt von Menschen, die zwischen zwei Zuständen festhängen, und dieser Nebel liegt über allen Strängen.
Es beginnt mit einem Elterngespräch. Sally ist in der Schule auffällig geworden, sie fragt ständig nach dem Tod, nach dem gerade ermordeten Bürgerrechtler Medgar Evers. Die junge Lehrerin, Miss Farrell, die Don beim Maifest aufgefallen war, spricht mit beiden Eltern. Betty erwähnt den Tod ihres Vaters und bricht in Tränen aus, verlässt den Raum. Don bleibt mit der Lehrerin allein. Später ruft sie ihn noch einmal an. Die beiden kommen sich näher, ohne dass bisher etwas passiert ist, und das Knistern ist gerade deshalb so deutlich.
Dann setzen die Wehen ein. Don bringt Betty ins Krankenhaus und wird wie alle Väter ins Wartezimmer verbannt. Dort trifft er Dennis, einen Gefängniswärter, dessen Frau ebenfalls entbindet. Die beiden trinken, reden, Dennis erzählt von seiner Angst, ein schlechter Vater zu werden, und Don verspricht ihm, er werde ein besserer Mensch sein, wenn das Kind da ist. Dennis glaubt ihm. Später sieht Don ihn mit Frau und Baby im Krankenhausflur, und Dennis schaut durch ihn hindurch, als hätte er ihn nie gesehen. Ein kleiner, rätselhafter Moment, der bei mir hängen geblieben ist: Was im Wartezimmer gesagt wird, bleibt im Wartezimmer.
Bettys Traum ist das Seltsamste, was die Serie bis dahin gezeigt hat. Sie sieht eine Raupe, sieht ihre toten Eltern, die in einer Küche stehen, und Medgar Evers mit einer blutigen Wunde. Ihr Vater wischt den Boden, ihre Mutter sagt ihr, sie sei eine Hauskatze, die nur zu schauen habe, dass sie hübsch ist. Ich finde Traumsequenzen in Serien oft schwierig, und diese ist mir etwas zu ausbuchstabiert. Aber die Botschaft trifft: Betty weiß im Unterbewusstsein genau, dass sie in einem Käfig lebt. Das Baby wird nach ihrem Vater benannt, Eugene.
Im Büro geht es um Ehrgeiz. Duck Phillips, inzwischen bei einer anderen Agentur, lädt Pete und Peggy zum Mittagessen ein, um sie abzuwerben. Dabei spielt er darauf an, dass zwischen den beiden etwas gewesen sein könnte. Pete ist empört und geht, Peggy bleibt. Duck hat ihr etwas angeboten, das sie bei Sterling Cooper nicht bekommt: das Gefühl, gesehen zu werden. Als sie danach um eine Gehaltserhöhung bittet, wird sie abgewimmelt.
Pete hat derweil eine Idee, die seiner Zeit voraus ist: Er will den Fernsehhersteller Admiral gezielt an schwarze Käufer vermarkten, weil deren Kaufkraft steigt. Er fragt den Liftboy Hollis nach seinen Fernsehgewohnheiten, auf unangenehm direkte Art, und Hollis weicht kühl aus. Die Leute von Admiral reagieren entsetzt. Pete hat einmal recht, und niemand will es hören.
Meine Einschätzung: Eine atmosphärisch starke Folge, die den eigentlichen Beginn der Staffel markiert. Die Wartezimmer-Szenen mit Dennis gehören zu den besten Don-Momenten der dritten Staffel, und Peggys Begegnung mit Duck stellt wichtige Weichen. Petes Admiral-Idee ist klug gedacht und gut gespielt. Abzug gibt es für den Traum, der zu dick aufträgt, und für das Bürgerrechtsthema, das die Folge etwas bemüht einflicht, ohne es wirklich zu erzählen.
Wertung (Claude): 8/10