Mad Men 3.4: „The Arrangements”
Bettys Vater Gene will über seine Beerdigung reden. Er hat alles vorbereitet, einen Umschlag mit den Anordnungen, und er will, dass seine Tochter ihn liest. Betty weigert sich, wird wütend, rennt aus dem Zimmer. Über den Tod redet man nicht. Und dann stirbt Gene, plötzlich, ohne dass sie je mit ihm darüber gesprochen hat. Der Titel der Folge bezieht sich auf diese Anordnungen, aber er passt auf alles, was in ihr geschieht: Überall werden Arrangements getroffen, und überall gehen sie schief.
Das Herz der Folge gehört Sally. Gene war der Einzige in dieser Familie, der sie wirklich beachtet hat. Er hat ihr vorgelesen, sie Auto fahren lassen, ihr einen alten preußischen Stahlhelm aus dem Ersten Weltkrieg geschenkt. Als er stirbt, sitzen die Erwachsenen nach der Beerdigung in der Küche, essen, erzählen Anekdoten, lachen. Sally steht in der Tür und schreit sie an, warum alle so tun, als wäre nichts passiert. Dann rollt sie sich vor dem Fernseher zusammen, wo gerade Bilder eines buddhistischen Mönchs laufen, der sich in Vietnam selbst verbrennt. Kiernan Shipka war damals ein Kind und spielt diese Szene mit einer Wahrhaftigkeit, die mich bis heute umhaut. Betty tröstet sie nicht, sie schickt sie ins Bett. Das ist für mich der Moment, in dem man versteht, was in dieser Familie fehlt.
Im Büro gibt es einen Kontrapunkt, fast eine Farce. Ein junger, reicher Erbe namens Horace Cook, genannt Ho-Ho, will sein Geld in Jai Alai stecken, eine baskische Ballsportart, die in Amerika niemand kennt. Pete wittert einen großen Kunden, die ganze Agentur macht mit, obwohl jeder weiß, dass das Projekt Unsinn ist. Don ruft schließlich Ho-Hos Vater an und erzählt ihm alles, in der Hoffnung, dass der eingreift. Der Vater lacht nur: Der Sohn solle ruhig sein Geld verbrennen, so lerne er es vielleicht. Und Sterling Cooper soll ruhig daran verdienen. Ein schöner, böser kleiner Strang über Menschen, die so viel Geld haben, dass es ihnen egal ist.
Sal hat währenddessen seinen großen Moment: Er darf den Patio-Spot inszenieren, die Kopie von „Bye Bye Birdie". Und er macht es perfekt, Bild für Bild. Doch der Kunde ist unzufrieden, ohne genau sagen zu können, warum. Roger bringt es auf den Punkt: Der Spot sei genau das, was sie bestellt hätten, aber eben nicht Ann-Margret. Sal hat nichts falsch gemacht und verliert trotzdem. Peggy hatte das in der vorigen Folge vorhergesagt.
Peggy selbst zieht endlich nach Manhattan. Sie sucht per Anzeige eine Mitbewohnerin, und die Kollegen machen sich einen Spaß daraus, die Anzeige zu sabotieren. Sie findet trotzdem jemanden. Ihrer Mutter sagt sie es beim Abendessen, und die Mutter reagiert mit Vorwürfen und düsteren Warnungen über die Großstadt. Peggy geht trotzdem. Ein kleiner, aber wichtiger Schritt in ihrer Geschichte.
Meine Einschätzung: Eine stille, traurige Folge, die vor allem durch Sally lebt. Ihre Szene nach der Beerdigung gehört zu den stärksten Kindermomenten, die ich aus Fernsehserien kenne. Der Jai-Alai-Strang ist amüsant und klug, Sals Niederlage bitter. Was mir fehlt: Bettys Trauer bleibt fast unsichtbar, und ich hätte gern mehr gesehen, wie sie mit Genes Tod umgeht, statt nur, wie sie es verdrängt. Vielleicht ist genau das aber der Punkt.
Wertung (Claude): 8,5/10