Mad Men 3.3: „My Old Kentucky Home”
Drei Feiern an einem Samstag, und auf keiner davon amüsiert sich jemand wirklich. Das ist die Grundidee dieser Folge, und sie gehört für mich zu den unterhaltsamsten und zugleich entlarvendsten der ganzen Serie.
Roger gibt eine große Gartenparty im Country Club, ganz im Stil des Kentucky Derby, mit Hüten, Mint Juleps und seiner jungen Frau Jane als strahlendem Mittelpunkt. Dann tritt Roger mit schwarz geschminktem Gesicht auf und singt Jane ein Ständchen, „My Old Kentucky Home". Für die Gäste ist das harmloser Spaß, für uns ist es zum Fremdschämen, und genau so ist es gemeint. Don und Pete schauen mit versteinerten Gesichtern zu. Es ist der Moment, in dem man versteht, wie alt Roger geworden ist, nicht an Jahren, sondern im Kopf.
Don flieht von der Party an die Bar des Clubs und trifft dort einen älteren Mann, der sich als Connie vorstellt. Die beiden trinken zusammen, reden über ihre Herkunft, und Don ist entspannter als den ganzen Abend. Erst später wird sich zeigen, wer dieser Connie wirklich ist. Ich mag diese Szene sehr, weil Don hier mit jemandem spricht, der genau wie er aus dem Nichts kommt.
Und Betty? Die ist hochschwanger und langweilt sich. Ein Mann namens Henry Francis spricht sie an, arbeitet für den Gouverneur, ist charmant und legt ihr ungefragt die Hand auf den Bauch. Betty lässt es geschehen. Ein kleiner, seltsam intimer Moment, über den Don nichts erfährt.
Pete und Trudy hingegen haben ihren großen Auftritt: Sie tanzen Charleston, perfekt eingespielt, und für ein paar Minuten sind sie das glücklichste Paar der Serie. Das ist so selten bei Pete, dass ich es jedes Mal genieße.
Die zweite Feier findet in Joans Wohnung statt. Sie richtet ein Abendessen für die Kollegen ihres Mannes Greg aus, des Arztes, der sie in der letzten Staffel vergewaltigt hat. Greg ist gerade bei einer Beförderung übergangen worden, die Stimmung ist gedrückt. Also holt Joan ihr Akkordeon und singt ein französisches Chanson. Ganz souverän, ganz charmant, und man sieht ihr dabei an, dass sie die Ehe gerade mit bloßen Händen zusammenhält. Christina Hendricks macht aus dieser kleinen Gesangseinlage einen der traurigsten Momente der Staffel.
Die dritte und beste Feier ist eigentlich gar keine. Peggy, Paul und Smitty müssen am Samstag im Büro bleiben, um an einer Bacardi-Kampagne zu arbeiten. Die beiden Männer rauchen Gras, und Peggy beschließt, mitzumachen. Sie sagt es laut, fast stolz, als würde sie sich selbst etwas beweisen. Ihre Sekretärin Olive ist entsetzt und warnt sie, sie werfe ihr Leben weg. Peggy antwortet, sie wolle einfach nur mitmachen. Am Ende liefert sie sogar den besten Slogan des Tages. Es ist der vielleicht lustigste Moment, den Peggy in der Serie hat, und gleichzeitig ein ernster: Sie ist kein Mädchen mehr, das um Erlaubnis bittet.
Und zu Hause stiehlt Sally Geld von ihrem Großvater Gene. Gene merkt es, und statt zu schimpfen, liest er ihr aus Gibbons Geschichte des Römischen Reichs vor. Zwischen den beiden entsteht eine Nähe, die Sally sonst nirgendwo bekommt.
Meine Einschätzung: Eine meiner Lieblingsfolgen der dritten Staffel. Die drei Feiern spiegeln sich wunderbar, Rogers Auftritt ist schmerzhaft, Joans Akkordeon herzzerreißend, Peggys Joint-Szene ein Befreiungsschlag. Dazu die Begegnungen mit Connie und Henry Francis, die beide noch wichtig werden. Wenig zu kritisieren, höchstens dass Don selbst diesmal eher Zuschauer bleibt.
Wertung (Claude): 9/10